Kommentiert: Zur Fehlbarkeit von vermeintlich Unfehlbaren
Cindy Bach in Insider Daily
vom 24. Februar 2010, 14:30 Uhr
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Sie haben es sicher längst alle vernommen: Die "Chefin" meiner Kirche, der Evangelischen Kirche in Deutschland, ist von der Polizei der Trunkenheit am Steuer überführt worden. Sage und schreibe 1,54 Promille soll Frau Käßmann im Blut gehabt haben, als sie sich am Sonntagabend in ihren PKW setzte und den Heimweg antrat. Was für ein Eklat. Das ist sogar Seite 1 der Bildzeitung wert. Margot Käßmann steht ja schon lange im kritischen Blick ihrer Gegner. Ein weibliches Kirchenoberhaupt, geschieden, 4 Kinder, moderne Denkerin und nun auch noch das. Wo soll das hinführen? Diese Frau kann doch keinesfalls moralisches Vorbild sein, sagen ihre Kritiker. Und die Rufe nach ihrem Rücktritt werden immer lauter.
Und was sagt die Presse? Die Latte der Kommentare zur Verfehlung Käsmanns in den Medien ist vielfältig und lang. Ich habe Ihnen einen von den Kollegen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" herausgesucht. Was wird nun aus der "Päpstin der Protestanten"?
Im Amt beschädigt
"Wer als moralische Instanz gilt und hohe Ansprüche stellt, der kann in der Öffentlichkeit nach einer Verfehlung besonders tief fallen. Denn von allen, die Wasser predigen, wird erwartet, dass sie nicht selbst Wein trinken. Das gilt für Spitzenpolitiker ebenso wie für Bischöfe.
Daher wächst der Druck auf Margot Käßmann nach ihrer Trunkenheitsfahrt mit immerhin 1,54 Promille. Auch wenn die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland ihre Verfehlung bitter bereut hat. Hinzu kommt: Die kämpferische Bischöfin Käßmann ist zwar eine beliebte Theologin, eine gefragte Rednerin, eine charismatische Kirchenfrau. Aber sie hat sich auch Gegner verschafft mit ihrer zuweilen undiplomatischen Art. Dazu gehören ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz oder ihre Äußerung, sie erwarte nichts vom Papst in Sachen Ökumene. Ihre Verfehlung wird es Käßmann erschweren, weiterhin so forsch aufzutreten.
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Wittke fiel als Raser auf und trat kurz darauf zurück. Nach Käßmanns Alkoholfahrt wird nun eine Debatte beginnen, ob sie noch tragbar bleibt als oberste Repräsentantin der evangelischen Kirche. Das Ergebnis ist offen, aber schon jetzt gilt: Käßmann ist im Amt beschädigt."
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (24.02. 2010 15:17 Uhr):
Sehr geehrte Frau Cindy Bach! Die Frage ist nicht einfach. Und auch die Antwort nicht. Aber meine Frage betrifft ja nicht den Umstand, dass die Bischöfin betrunken fuhr, sondern viel eher die Tatsache, wieso jemand (ob Mann oder Frau) in einen solchen Amt überhaupt gewählt werden kann, die geschieden ist. Denn jene Leute die in solche Aemtern gewählt werden, sollten ihre Moralität nicht nur in der Zukunft beweisen (was sie ja auch jetzt nicht konnte, eher umgekehrt), sondern sollte auch in Ihrer Vergangenheit vorbildlich gewesen sein. Und es kann ja nicht im Sinn der Evangelischen Kirche sein geschiedene Leute als Bischöfe zu wählen. Auch dann nicht, wenn diese sonst als modern angenommene Thesen predigt. Und nur eine Kleinigkeit zur Ökumene: die Ökumene als solches wurde von dem II. Vatikanischen Konsil überhaupt ins Leben gerufen (1953). Das sollte man niemals vergessen. Und Deutschland sollte eher stolz auf den Papst sein. Er hat keine moralische Sünden begangen, weder vor, noch nach seiner Ernennung. Ich denke, dass diese Bischöfin dadurch der evangelischen Kirche einen Dienst erweisen würde, wenn sie schnellstens zurücktreten würde. Vermeintlich unfehlbar? Der Titel ist schon irreführend und falsch. Aber gegen moralische, kirchliche, rechtliche Vorschriften zu vertoßen - so eine Person kann weder führender Politiker, noch führende Amtsinhaberin einer Kirche sein. Und dasselbe bezieht sich auch auf andere Amtsinhabern der Politik. Z. B. Bundeskanzler. Wann wohl Frau Merkel Ihre grundlegende Fehler endlich einsieht und endlich zurücktritt? Mit freundlichen Grüßen:
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