Kommentiert: Zum Streichelkurs der Bundesbank
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 26. November 2009, 14:30 Uhr
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Lesen Sie heute einen Kommentar von Robert von Heusinger aus der Frankfurter Rundschau zum aktuellen Gebaren der Bundesbank in Bezug auf den Umgang mit Banken, Bankern und Boni nach der Krise. Herr Heusinger findet dieses Zu vornehm", und ich finde seinen Kommentar einfach nur treffend. Viel Vergnügen beim Lesen.
"Die Deutsche Bundesbank ist nicht für leise Töne bekannt. Gerne wettern die Vorstände aus Frankfurt, wenn der Finanzminister zu viel Schulden machen möchte, oder die Gewerkschaften zu hohe Lohnforderungen durchzusetzen gedenken. Das versteht man in Frankfurt unter Unabhängigkeit. Doch wenn es um die Banken geht, herrscht plötzlich vornehme Zurückhaltung. Dabei legt es der hervorragend aufbereitete und wissenschaftlich fundierte Stabilitätsbericht der Notenbank doch so nahe: Die Banken müssen stärker an die Kandare, viel stärker. Appelle, die guten Zeiten zu nutzen, um das Eigenkapital zu erhöhen, die Widerstandsfähigkeit zu stärken, dürften verhallen - so richtig sie sind. So gut sollte die Bundesbank ihre Pappenheimer kennen!
Wenn gleichzeitig noch der neue Finanzminister Wolfgang Schäuble die Samthandschuhe auspackt, wenn er es mit Bankern zu tun bekommt, muss uns Steuerbürgern angst und bange werden. Wer vertritt unsere Interessen? Das Problem ist rasch erklärt. Natürlich sollen die Banken später, wenn die Krise mal vorüber ist, viel strikter reguliert werden, was die Gewinne und das Risiko verringern dürfte. Noch ist es dafür objektiv zu früh. Noch ist die Krise nicht ausgestanden. Wer jetzt höhere Eigenkapitalstandards durchdrücken will, provoziert die Kreditklemme.
Doch wie die Banken davon abhalten, die heutigen Erträge in Form von Dividende und Boni zu verfrühstücken? Denn die heutigen Erträge stammen vor allem aus den Rettungsaktionen der öffentlichen Hand, damit nicht noch mehr Banken kippen. Das sind eigentlich Erträge, die in den Banken bleiben müssten, damit sie krisenresistenter werden.
Es gibt einen marktwirtschaftlichen Ausweg, den die Bundesbank fordern müsste: Eine hohe Sondersteuer auf alle ausgeschütteten Bankgewinne und Banker-Boni. So hätten die Bankvorstände Anreiz und Argumente auf ihrer Seite sich der Gier der Angestellten und Aktionäre zu erwehren. Und wir Steuerzahler hätten entweder sicherere Banken oder einen kleinen Puffer Geld für die nächste Bankenpleite.
Greift später die Regulierung, kann die Sondersteuer sofort wieder abgeschafft werden."
Zur Person:
Robert von Heusinger leitet seit Oktober 2007 das Wirtschaftsressort der Frankfurter Rundschau. Davor war er sechs Jahre als Finanzmarkt-Korrespondent für die Wochenzeitung die Zeit in Frankfurt tätig. Seine Grundausbildung" erhielt er bei der Börsen-Zeitung, wo er nach einem kurzem Volontariat erst Redakteur im Kapitalmarktressort wurde und später Leiter des Ressorts Börse und Kapitalmärkte.
Heusinger initiierte Ende 2005 den Herdentrieb", ein Blog, in welchem er sich im Wechsel mit anderen Autoren mit den Spielregeln der Finanzmärkte und des Kapitalismus allgemein beschäftigt.