Kommentiert: Zum Konzerumbau bei Siemens
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Dax 30
vom 31. März 2011, 14:30 Uhr
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Es begann als Gerücht und ist nun beschlossene Sache. Siemens wird weiter umstrukturiert. Und die Einschnitte reichen tief. So soll die Lichtsparte Osram im Herbst an die Börse gebracht werden. Siemens möchte jedoch auch langfristig eine Beteiligung an Osram halten. Darüber hinaus soll ein neuer Geschäftsbereich "Infrastructure & Cities" geschaffen, der neben Industrie, Gesundheit und Energie das vierte Standbein des Unternehmens bilden soll. Die neue Konzernstruktur wird im Geschäftsjahr 2011/2012 implementiert (ab 1. Oktober 2011). Jeder der drei Konzernbereiche, die von der Umstrukturierung betroffen sind, erhält einen neuen Chef.
"Riskant", titelt Thomas Magenheim, Wirtschaftskorrespondent der "Frankfurter Rundschau" in seinem Kommentar zu den erneuten Maßnahmen bei Siemens:
"Die jüngste Hauptversammlung von Siemens liegt erst acht Wochen zurück. Das Haus ist runderneuert, jubelten dort Aktionäre. Denn 2007 hatte Konzernchef Peter Löscher dem verkrusteten und von einem Korruptionsskandal erschütterten Traditionsunternehmen einen radikalen Umbau verordnet, dessen Schlusssteine erst 2010 gesetzt wurden. Nun wird die Baustelle wieder eröffnet und neue Unruhe gesät. Daran, dass Metropolen immer wichtigere Großkunden werden und der Zuschnitt des neuen Sektors ,Städte und Infrastruktur' sinnvoll ist, besteht kein Zweifel. Aber warum ein Umbau auf Raten?
Die Erklärung ist relativ einfach. Die neue Ordnung ist managementintensiv. Das zeigt schon die Erweiterung des Vorstands von acht auf zehn Personen. Noch 2007 standen schlicht nicht genug von Korruptionsvorwürfen unbelastete Topmanager zur Verfügung.
Der zweite zentrale Punkt des neuen Umbaus - der Börsengang von Osram - ist heikler. Auf den ersten Blick ist das kein Problem. Dem Lichtkonzern geht es glänzend. Und wer will dann nicht in die unternehmerische Freiheit entlassen werden. Bedenklich stimmt nur, dass dies exakt die gleichen Worte sind, mit denen im Jahr 2000 der Börsengang des danach unter die Räder gekommenen Chipkonzerns Infineon eingeläutet wurde. Auch Infineon stand damals glänzend da - und danach für lange Zeit nie wieder. Eine Rotstiftrunde jagte die nächste, und erst heute, zehn Jahre nach der Abnabelung von Siemens, scheint Infineon in sicherem Fahrwasser angekommen.
Die Parallelen gehen noch weiter. Siemens trennt sich von Osram, weil das Geschäft immer kapitalintensiver wird. Denn Licht basiert heute nicht mehr auf altmodischen Glühlampen, sondern auf Leuchtdioden, auf Helligkeit aus Halbleitern. Technologisch bewegt sich Osram also in Richtung Infineon. Geschäftlich darf zumindest die alte Infineon kein Vorbild sein. Deshalb sind Gewerkschafter und Betriebsräte in puncto Osram-Börsengang auch reserviert. Zu leicht wird aus einem freien Unternehmen ein vogelfreies. Siemens steht als künftiger Osram-Ankeraktionär in der Verantwortung."