Kommentiert: Zum Aus von EADS im US-Tankflugzeug-Wettstreit
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Global Anlegen
vom 10. März 2010, 14:30 Uhr
ENL5462
Der niederländische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS kommt nicht zur Ruhe. Die Kostenexplosion beim Militärtransportflugzeug Airbus A 400 M und die Folgen der verspäteten Auslieferung des Passagierflugzeugs Airbus A 380 verpassten der Bilanz des Konzerns tief rote Zahlen. Im jahrelangen Gezerre um den Mrd.schweren Auftrag für den Bau von Tankflugzeugen für die US-Luftwaffe zog EADS nun doch den Kürzeren. Der wichtige Auftrag geht wohl nun doch an den Erzrivalen Boeing.
Dabei hatte EADS den Auftrag des Pentagon über 179 Tankflugzeuge mit einem Wert von 35 Mrd. US-Dollar (25,6 Mrd. Euro) im Februar 2008 bereits in der Tasche gehabt. Doch nach Protest von Boeing stellte der US-Rechnungshof "formale Fehler" bei der Vergabe fest - und das Verfahren wurde neu aufgerollt. Mit einem negativen Ausgang für EADS: Am späten Montagabend hatte US-Partner Northrop Grumman, mit dem EADS eigens für den Auftrag eine Kooperation eingegangen war, das gemeinsame Angebot an das US-Verteidigungsministerium zurückgezogen. Northrop Grumman begründete das mit unfairen Wettbewerbsbedingungen: Die Ausschreibung sei voll auf Boeing zugeschnitten. Boeing habe sogar Einblick in die Kalkulationsunterlagen von EADS nehmen dürfen.
"Wir haben keine Möglichkeit, den Wettbewerb zu gewinnen", musste auch EADS-Chef Louis Gallois in Paris eingestehen. Die Ausschreibung verschaffe Boeing einen Vorteil. "Die US-Luftwaffe weiß, dass wir bei Weitem das bessere Produkt anbieten", ergänzte Airbus-Chef Thomas Enders. Der EADS-Tanker KC-45 ist vom Großraumflugzeug Airbus A 330 abgeleitet und hat bisher alle internationalen Wettbewerbe gegen Boeings KC-767 gewonnen.
In Deutschland und der EU wurde der Vorfall als Protektionismus verurteilt. Auch in der deutschen Presse sind verschiedene Stimmen zu diesem "Vorfall" zu finden. Ich habe Ihnen deshalb ausnahmsweise zwei gegensätzliche Kommentare herausgesucht, einen von der Nordwest-Zeitung und einen von der Südwest Presse.
Nordwest-Zeitung:
"Das weltweite Rüstungsgeschäft unterliegt anderen Regeln als der übrige globale Handel. Militärpolitiker haben eine Vielzahl von Argumenten zur Hand, warum Hightech-Produkte aus strategischen Gründen im eigenen Land entwickelt werden müssen."
Südwest Presse:
"Vom freien Welthandel halten die USA nur so lange etwas, wie sie selbst davon profitieren. Dieser Verdacht drängte sich schon in der Vergangenheit immer wieder auf. Beim Mrd.-Auftrag für Tankflugzeuge ist er unübersehbar: Vor zwei Jahren hatte der europäische EADS-Konzern schon den Zuschlag für das Geschäft. Doch auf Druck des Konkurrenten Boeing und des US-Kongresses wurde er wieder zurückgezogen. Ein abenteuerliches Vorgehen, vorsichtig gesagt. Es wird nur dadurch noch getoppt, dass die Neuausschreibung eindeutig auf Boeing zugeschnitten wurde.
Rüstungsaufträge sind besonders sensibel. Aber darum geht es in diesem Fall nicht. Schließlich ist Europa seit Jahrzehnten mit den USA freundschaftlich verbunden. Sicherheitsbedenken lassen sich schwerlich gegen die Auftragsvergabe an EADS ins Feld führen. Vielmehr hört die Freundschaft offensichtlich auf, wenn es um amerikanische Arbeitsplätze geht - und das, obwohl der europäische Konkurrent einen US-Partner hatte und in den USA produzieren wollte.
Einerseits sind die USA jetzt selbst gestraft: Wenn es nur einen einzigen Anbieter gibt, kann der praktisch jeden Preis verlangen. Andererseits kann dieser mit dem Gewinn aus dem Militärbereich sein ziviles Geschäft subventionieren, wie es Boeing schon immer getan hat. Noch ein Nachteil für EADS und die Tochter Airbus. Bei dieser schamlosen Form des Protektionismus kann Europa nicht einfach zusehen. Allerdings ist die Gegenwehr schwierig, schon weil gerade Deutschland als exportstarkes Land ganz besonders von einem Welthandel ohne unfaire Beschränkungen abhängt."
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