Kommentiert: Vom schwindenden Vertrauen am US-Aktienmarkt
Katja Kram in Insider Daily
vom 27. August 2010, 14:30 Uhr
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Alle Anleger schauen nach Amerika. Dieser Umstand wurde in dieser Woche besonders deutlich. Denn rund um den Globus reagierten Börsianer äußerst sensibel auf Meldungen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Über das Vertrauen der Amerikaner in den Aktienmarkt hat Jens Korte von der "Financial Times Deutschland" einen interessanten Artikel geschrieben, den ich Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte. Viel Spaß beim Lesen.
Eine Frage des Vertrauens
"'Eine Ehe kann ohne Vertrauen nicht funktionieren.' Diese Worte stammen von Elin Nordegren, der frisch geschiedenen Ehefrau von Tiger Woods. Kaum ein Thema hat die Börsianer in den vergangenen Monaten so bewegt wie die Eskapaden des Golfprofis. von Jens Korte
Von Tiger Woods' gescheiterter Ehe lassen sich treffende Parallelen zum Aktiengeschäft ableiten. Denn was auch an der Wall Street schon seit Jahren fehlt, und das nicht ohne Grund, ist Vertrauen. Ohne dieses wird sich ein nachhaltiger Aufwärtstrend an den Börsen nicht einstellen.
In den Onlineforen der Finanzgemeinde werden bereits täglich spezielle Rubriken eingerichtet, die ungewöhnliche Aktivitäten bei einzelnen Aktien anzeigen. Plötzlich werden Indikatoren wie das 'Hindenburg Omen' zurate gezogen, ob sich Investoren nicht besser schnellstmöglich vom Markt entfernen sollten. Bekanntlich handelt es sich hierbei um einen charttechnischen Ansatz, der Crashs frühzeitig erkennen soll.
Der Erfinder Hindenburg-These, Jim Miekka, wurde kürzlich mit den Worten zitiert: Unsere Ampel hat auf Rot geschaltet. Zeit, den Markt zu verlassen. Ein weiterer Marktbeobachter, Todd Harrison, spielt gar mit dem Gedanken, New York ganz den Rücken zu kehren, und einen Taco-Stand in Costa Rica zu eröffnen. Wie sagte schon der britische Ökonom John Maynard Keynes, frei auf die Börse übertragen: Die Märkte können länger irrational bleiben als Investoren solvent.
Ein neuer Trend soll nun helfen, die 'Wahrheit' ans Licht zu bringen und damit das Vertrauen der Investoren stärken. Hedge-Fonds heuern ehemalige CIA-Mitarbeiter an, die zum Beispiel bei Pressekonferenzen genau auf die Sprache der Firmenchefs achten sollen. Dabei wird auf Verhörtechniken der Geheimdienste zurückgegriffen. Warnsignale seien etwa, wenn Topmanager positive Aussagen machen, ohne diese mit entsprechenden Fakten zu untermauern. Oder wenn sie bestimmten Fragen ausweichen.
'Vergebung braucht Zeit', sagte diese Woche Erin Nordegren. Sie habe, zumindest seit die Affären ihres Ex bekannt wurden, nicht eine Minute Golf gesehen. Das können - im übertragenen Sinne - Börsianer in diesen Tagen gut nachvollziehen."
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