Kommentiert: Steht der Ölpreis vor der nächsten Hausse?
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Rohstoffe
vom 9. Juli 2009, 14:30 Uhr
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In der Süddeutsche Zeitung las ich kürzlich einen Kommentar von Andreas Oldag. Unter dem Titel "Kreislauf der Süchtigen" prangert er das verschwenderische Umgehen der US-amerikanischen Autofahrer mit der Ressource an. Sie tragen einen großen Anteil Schuld daran, dass wir wahrscheinlich schon Ende des Jahres die 85 US-Dollar-Marke beim Barrel Rohöl anpeilen werden.
Hier ein Auszug:
Innerhalb weniger Monate hat sich der Ölpreis auf fast 70 Dollar je Fass verdoppelt. Die Auguren an den internationalen Rohstoffbörsen rechnen bereits mit einem weiteren Anstieg des Preises auf 85 Dollar je Fass bis Ende dieses Jahres.
Das ist zwar noch weit entfernt vom 147-Dollar-Spitzenwert im Sommer vergangenen Jahres. Doch an den Märkten wetten viele Spekulanten schon wieder auf eine neue Hausse. Steht der Welt der nächste Ölpreisschock bevor - und damit ein längerer Aufenthalt im Jammertal der Konjunktur?
Die Fieberkurve des Öls ist ein Indiz dafür, wie wenig die Verbraucher bereit sind, von ihrer Sucht abzulassen. Vor allem im Land der Benzinjunkies, den USA, spulen die Autofahrer inzwischen wieder deutlich mehr Meilen auf den Highways ab. Noch ist der Sprit relativ billig. Doch die gewachsene Nachfrage wirkt sich bereits an den Ölmärkten aus.
Der Rohölpreis steigt. Darüber kann sich nicht nur das Ölförderkartell Opec freuen, sondern auch die Ölindustrie. Noch immer ist der Ölverbrauch eng an das Wirtschaftswachstum gekoppelt. So entwickelt sich regelmäßig ein typischer Boom- und Crash-Zyklus. Höhere Nachfrage heizt die Preise an. Zudem ist Öl eine begehrte Zockerware. Hedge-Fonds schließen milliardenschwere Wetten mit Öl-Terminkontrakten ab. Das verstärkt die Unberechenbarkeit von Preisbewegungen und führt zu aberwitzigen Spekulationsblasen, die irgendwann platzen.
Im Unterschied zu Finanzprodukten ist Öl allerdings ein endliches Gut. Die Lagerstätten gehen infolge des wachsenden Energiehungers der Welt, insbesondere auch der Schwellenländer wie China und Indien, unaufhaltsam zu Neige. Das sollte die Förderindustrie eigentlich zu einer besonders umsichtigen Investitionsstrategie veranlassen.
Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Jahrelang hat die Branche an der Wall Street nach Geld gebohrt, aber ihr Kerngeschäft - die Exploration und Förderung von Öl - vernachlässigt. Gewinne von "Big Oil" flossen stattdessen in Aktienrückkaufprogramme und Dividendenzahlungen. Die Unternehmen betrieben damit Kurspflege, um ihre renditehungrigen Anleger zufriedenzustellen."
Andreas Oldag war von 1996 bis Ende 2002 Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Brüssel und berichtet jetzt für die SZ aus New York.
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