Kommentiert: Kann China ganz ohne Google?
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Global Anlegen
vom 25. März 2010, 14:30 Uhr
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Sie haben es sicher schon vernommen: Der größte Internetkonzern der Welt ist gegen die kommunistische Volksrepublik und ihre Zensur in die Offensive gegangen. Nach wochenlangem Streit mit der chinesichen Regierung bietet Google seine Suchmaschine in China nun ohne Zensur an. Mit einem Trick will Google einen Fuß im Markt behalten: Nutzer von www.Google.cn werden seit Montagabend auf die Google-Server in Hongkong umgeleitet. Die chinesische Regierung sprach von "unerhörten Anschuldigungen und Verhalten".
Die kommunistische Regierung fordert im Rahmen ihrer "Zensur-Auflagen" von westlichen Internet-Unternehmen, dass sie zum Beispiel Informationen über Tibet oder die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 herausfiltern. Internetportale wie Wikipedia oder Seiten von Menschenrechtsorganisationen sind grundsätzlich gesperrt. Die chinesische Regierung hatte Google ausdrücklich gewarnt, dass man mit Konsequenzen rechnen müsse, falls der Konzern auf die vorgeschriebene Zensur verzichtet.
Google hatte daraufhin seine Haltung zu der von Peking verordneten Zensur nach dem Hackerangriff auf seinen Email-Dienst GMail (in Deutschland Google Mail) Ende vergangenen Jahres überdacht. Die Attacken waren nach China zurückverfolgt worden, die chinesische Regierung hatte allerdings stets eine Beteiligung daran abgestritten. Der US-Konzern hatte daraufhin im Januar angekündigt, Pekings Zensur-Anforderungen nicht mehr befolgen zu wollen und notfalls auch einen Rückzug aus China in Kauf zu nehmen.
Die Frage stellt sich aber nun, ob China auch ohne Google leben kann? Dieser Frage ist die chinesische Hongkonger Zeitung "Sing Tao Daily" nachgegangen und veröffentlichte im Anschluss nachfolgenden Kommentar.
"Die jüngsten Medienberichte über Googles Rückzug aus China zeugen von einem Krieg zwischen der größten Suchmaschine und der Regierung des größten Internetmarktes der Welt. Die Washington Post veröffentlichte am Freitag einen Report mit der Schlagzeile: "Für das chinesische Volk würde der Verlust Googles nichts als Dunkelheit bedeuten". Dies zeugt von den verschiedenen Ideologien, die hinter dem Streit stecken. Dem Report zufolge hat sich Google, das bereits einen Drittel des chinesischen Internetmarktes kontrolliert, zu einer für China systemrelevanten Unternehmung entwickelt. Sollte China Google keine Zugeständnisse machen, würde sich das Land zurückentwickeln und von der internationalen Gemeinschaft gemieden werden. Der Bericht ist also ziemlich interessant. Wenn Google bereits so eine große Macht in China entwickeln konnte, dass es das Land durch einen Rückzug ins Dunkel stürzen würde, zeugt dies definitiv von einem großen kulturellen Unterschied zwischen dem Ausland und der chinesischen Regierung, den man nicht einfach so aussitzen kann.
China öffnet sich. Die Reform- und Öffnungspolitik in China besteht bereits seit 1979, als rund 30 Jahre. Von ihr zeugen auch Niederlassungen von Firmen wie Coca-Cola, McDonald's, KFC und Starbucks Coffee. Die mitgebrachten ausländischen Güter brachten auch gleich fremde Kulturen und Lebensstile nach China. Beispielsweise nannte der größte Internethändler Amazon seinen Service in China Zhuoyue (Exzellenz). Die Alben des US-Popstars Lady Gaga und des britischen Talents Susan Boyle verkaufen sich auch in China wie warme Brötchen. Doch alle Güter bringen Kulturen und Ideologien mit sich. China wird bestimmt vom Ausland beeinflusst, doch es beeinflusst auch den Rest der Welt. Die Menschen einer Kultur lernen verschiedene neue Dinge, doch die Dinge passen sich auch den Konsumenten an. Daher bietet KFC auch chinesischen Reisbrei und McDonald's chinesisches Essen in China an. Dies zeigt, dass China nicht die westliche Kultur zurückweist, aber es schaffen es auch nicht alle Hollywood Filme, in China ein Hit wie Avatar zu werden.
Google kam im Jahr 2005 nach China. Im Jahr darauf holte es sich seinen chinesischen Namen "Gu Ge" und eine chinesische Internetdomain, Google.cn. Das Unternehmen machte dann Zugeständnisse an die chinesische Regierung. Es versuchte jedoch, die Gesetze zu biegen, nach dem es eine "systemrelevante" Position in China erwirtschaftet hatte. So verlangte es von der Regierung, ihre Internetregulationen zu ändern. Google war sich sicher, dass diese ebenfalls Zugeständnisse machen würde.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Google weiß, dass seine Arroganz das chinesische Volk an die "Supermächte" erinnert, die sich im 19. Jahrhundert mit Kanonen und Kriegsschiffen Zugang zum damaligen Kaiserreich verschafft hatten. Der Grund, weswegen sie die Qing-Kaiser dazu bringen konnten, einseitige Verträge zu unterzeichnen, war, dass sie technisch ausgereifte Waffen hatten und die chinesische Armee nicht. Die Washington Post wies solche Anschuldigungen zurück, in dem sie sagte, dass es sich hierbei bloß um chinesische Propaganda handle. Das ist wieder Supermachtsgehabe. Der einzige Unterschied ist, dass es sich damals um militärische, heute um virtuelle Überlegenheit handelt. Die Zeitung hat somit ziemlich den Nerv der chinesischen Regierung getroffen.
China will unabhängig sein. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao sprach einmal als Antwort auf eine Frage des Premiers Singapurs, Lianhe Zaobao, Chinas Außenpolitik an. Wen erklärte, das chinesische Volk habe in den vergangenen 500 Jahren viel gelitten, daher sei es so sensibel, wenn es um die Unabhängigkeit, die Souveränität und die territoriale Integrität seines Landes ginge. Chinas Regierung verfolgt eine kontinuierliche Öffnungspolitik. Doch Google forderte die Souveränität der chinesischen Regierung heraus, indem es von ihr verlangte, seine Vorstellung von "Öffnung" umzusetzen. Dabei entwickelt sich das Land kontinuierlich und zeigt keine Anzeichen dafür, dies zu ändern. Ed Burnette, ein Kolumnist von adnet.com der Columbia Broadcasting System Corporation CBS, erklärte, es sei "ein Pech und ein unvermeidbarer Fehler" Googles gewesen, sich aus China zurückzuziehen. Und er ist auch der Auffassung dass es "arrogant ist zu denken, dass wir wissen, was am besten für China ist und dass unsere Werte auch in anderen Kulturen gut funktionieren. Und es ist eine Ignorante Auffassung, dass Drohungen und Ultimaten zu positiven Resultaten führen können, besonders bei einem so stolzen und Autonomie suchenden Volk." Die derzeitige "China Bedrohung" Theorie zeigt, dass das Ausland sich davor fürchtet, eines Tages von China beherrscht zu werden. Dasselbe gilt für Google, das eine "ihr könnt nicht ohne mich" Nachricht nach China schickte. Ich frage mich, ob sich Google noch immer fragt, ob sich China nach ihm richten oder sich von ihm entfernen wird."