Kommentiert: Arbeiten bis in den Sarg?
Cindy Bach in Insider Daily
vom 3. März 2010, 14:30 Uhr
ENL5462
Manchmal passt irgendwie alles zusammen. Ich habe mich Anfang dieser Woche mit der Nachmieterin unserer Wohnung unterhalten. Sie kam mit ihrem Lebensgefährten zum Ausmessen der Räume. Er maß, sie schrieb und zeichnete. Dabei plauderte sie mit mir über ihren Job bei der gesetzlichen Rentenkasse. Sie bearbeitet dort Anträge auf Altersteilzeit und so weiter. Die Anträge würden von Monat zu Monat mehr.
"Kein Wunder", dachte ich da so bei mir, "wenn das gesetzliche Renteneintrittsalter immer höher wird, der Körper des deutschen Arbeitnehmers aber nicht auf Knopfdruck länger durchhält. Was will man dann machen, will man im Alter nicht in völliger Armut leben? Man geht Kompromisse ein: Altersteilzeit." Natürlich hat mein Gegenüber am Schluss unserer Plauderei noch ein Präsent für mich: "Du wirst unter Garantie bis 70 ran müssen. Dass die Rente mit 70 kommen muss, das wissen wir schon lange." Schön für Euch. Ich will es eigentlich gar nicht wissen. Wenn ich schon arbeiten muss "bis in den Sarg", dann will ich es bitteschön nicht unter die Nase gerieben bekommen.
Doch just noch am selben Abend lese ich auf dem Portal der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung einen Kommentar von Stefan Schulte. Schon der Titel lässt mich sofort in meiner Informations-Querlese stocken: "Schmidt und die Rente mit 70". Nicht schon wieder. Doch trotzdem konnte ich es nach meinem Gespräch mit der Nachmieterin nicht lassen. Ich klickte mich rein und erfuhr, wer noch so alles die Rente mit 70 kommen sieht. Zum Glück hat mich der Kommentar von Herrn Schulte schlussendlich dann doch beruhigt. Lesen Sie jetzt warum:
WAZ: Schmidt und die Rente mit 70
Ein Kommentar von Stefan Schulte
"Helmut Schmidt ist auch im Alter von 91 Jahren noch gesegnet mit einem wachen Geist und jenem Verstand, der scharf genug ist, auch die dicksten Sympathiebänder zu durchschneiden. Er hat sich schon als Kanzler nicht darum geschert, ob seine Einsichten den Sozialdemokraten gefielen. Heute spricht der Kettenraucher mit Genuss unbequeme Wahrheiten aus.
Allein, die Rente mit 70 gehört nicht dazu.
Denn es gibt keine Not, den richtigen und für die SPD so verlustbringenden Schritt zur Rente mit 67 per Überbietung kleinzureden. Es ist schwer genug, das den Leuten beizubringen und wird noch für viele Wahlkämpfe Munition liefern. Es gibt auch keine Not, noch eins draufzusetzen. Die schrittweise Anhebung auf 67 Jahre spiegelt die Alterung unserer Gesellschaft wider. Kaum ein Ökonom bezweifelt, dass dadurch die Rente für die nächsten 20 Jahre finanzierbar bleibt.
Nach 2030 wird womöglich die nächste Anhebung notwendig. Darüber wird Mitte der 20er Jahre zu reden sein. Jetzt nicht. Denn auch ein Helmut Schmidt kann die dann ausschlaggebenden Daten nicht vorhersagen."
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Lotario (03.03. 2010 15:42 Uhr):
Was reden wir uns den Mund fusselig über ein höheres Rentenalter? Sollen die Deutschen doch endlich mal alle, so es Gesundheit und Konstitution zu lassen, erstmal bis 65 arbeiten! Die meistren tun das nämlich nicht und werden dabei von ihren Arbeitgebern und dem Gesetzgeber sogar noch unterstützt. Das ist zwar unglaublich, doch man schaue mal, zum Beispiel, in Deutschlands Automobilfabriken und bei Beamten nach. OGottoGottoGott!
Antworten
weitere Ausgaben von
Insider Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Donnerstag, 09. Februar 2012
Mittwoch, 08. Februar 2012
Dienstag, 07. Februar 2012
alle AusgabenFort Knox für Privatanleger
Die besten physischen Edelmetallstrategien. Dieses Buch ist dem Leser dabei eine praxisnahe Hilfestellung für die Umsetzung seiner Edelmetall-Strategien.
Artikel weiterempfehlen