Kommentar zum Gold
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 21. Juni 2006 20:45 Uhr
ENL5454
Nordkorea plant den Test einer Langstreckenrakete vorzunehmen und solche Nachrichten unterstützen kurzfristig natürlich den Goldpreis, der von den wachsenden globalen politischen Spannungen profitiert. Ich denke, dass Nordkorea mit seinen 23 Millionen Einwohnern keine unmittelbare Bedrohung für den Weltfrieden darstellt, aber natürlich sollte man die Entwicklung im langfristigen Kontext sehen. Die weltweite Sicherheitslage ist seit dem Zusammenbruch des Kommunismus sicher um einiges schwieriger geworden und es gibt eine ganze Reihe von Krisenherden und Bedrohungen, deren Ausmaß noch gar nicht beurteilt werden kann. Das ganze ist schlussendlich sicher positiv für die Investmentnachfrage nach Gold.
Letzten Freitag gab es mit der Veröffentlichung der Positionierungen am Terminmarkt (COT-Report) dann doch eine ziemliche Überraschung. Erstmals seit dem Beginn des Bullenmarktes im Jahr 2001 haben die kommerziellen Händler (darunter die Goldverarbeiter, Goldminen, Zentralbanken) ihre Short-Positionen trotz drastisch zurückgegangener Preise weiter angehoben. Entgegen meinen Erwartungen haben die Fonds die niedrigen Preise in der letzten Woche genutzt um Bestände aufzubauen und sich nicht verunsichern lassen. Noch ist nicht ganz klar was diese Entwicklung für den weiteren Preisverlauf beim Gold bedeutet. Aber es wäre möglich, dass die erheblichen Short-Positionen der kommerziellen Händler in Zukunft wieder zurückgefahren werden könnten, was zu einem Preisanstieg führen dürfte.
Noch haben aber immer noch die Bären die Überhand. Der Goldmarkt ist nach den heftigen Kursverlusten der vergangenen Woche weiterhin etwas angeschlagen.
Wie ich Anfang letzter Woche geschrieben habe gibt es jedoch bereits erste Anzeichen einer Bodenbildung. Die Erholung ist jedoch noch nicht so stark, dass ich bereits jetzt das Ende der Konsolidierung prognostizieren kann. Der langfristige Aufwärtstrend im Wochenchart lässt als maximale Korrekturbewegung sogar eine Bewegung auf unter 500 US-Dollar zu. Aber natürlich muss es nicht dazu kommen. Wir werden dies erst wissen sobald die jetzige Aufwärtsbewegung irgendwo bei rund 600 US-Dollar je Unze stoppen sollte.
Das ändert jedoch nichts an meiner grundsätzlich positiven Haltung zum Gold und ich bin davon überzeugt, dass das Gold langfristig eine sehr interessante Anlageform darstellt. Insbesondere gefällt mir wie schnell die Marktstimmung gedreht hat. Die Preise gingen schnell und stark zurück und die Argumente, die für einen steigenden Goldpreis sprechen sind nach wie vor intakt, werden von der Finanzpresse aber schon wieder ignoriert. Beispielsweise die physische Nachfrage nach Gold. Diese hat sich im 2. Quartal laut Angaben der weltweiten Vermarktungsorganisation World Gold Council wieder etwas erholt und legte um 15 % gegenüber dem 1. Quartal zu.
