Können die US-Banken einen Stress-Test bestehen?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 16. Februar 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
nach dem anstrengenden Wochenende in Rom mit den G-7-Kollegen (Russland darf ja nicht mehr mit) dürfte US-Finanzminister Timothy Geithner den heutigen Feiertag in den USA sicher begrüßen.
Oberflächlich betrachtet wird man zwar das Gefühl nicht ganz los, dass die G-7-Wochenenden aktuell nicht nach besonders großer Anstrengung riechen - zwar haben sich wieder einmal alle gegen den Protektionismus ausgesprochen, denn schließlich sind wir ja alle Freunde und müssen doch zusammenhalten; doch unterschwellig dürften wohl vor allem die exportorientierten Deutschland und Japan dies auch von ganzem Herzen so gemeint haben (lustig: Steinbrück schlug sogar mit der deutschen Keule zu - obwohl er selbst Deutscher ist - und warnte vor einer Wiederholung der Krise in den 30er Jahren auf die - wie wir ja alle wissen - die Nazi-Terrorherrschaft folgte); dann folgten noch die üblichen "wir mögen die hohe Volatilität in den Märkten nicht" -Sprüche und wesentlich leisere Töne als sonst in Bezug auf die CNY-Aufwertung -, doch das könnte nur ein oberflächlicher Eindruck sein wenn man das Ganze aus Geithners Blickwinkel betrachtet.
Auf den hatten sie nämlich schon alle mit Ungeduld gewartet. Einerseits, damit er ihnen sagt, wie er sich das mit seinen Bankenrettungsplänen überhaupt vorstellt und andererseits bis wann denn endlich mit der Umsetzung eines konkreten Plans gerechnet werden darf. Vielleicht wollten sie auch einfach nur wissen, ob er ganz heimlich - da er ja Magic-Obama kennt - den absoluten Masterplan entwickelt hat, den sie gerne übernehmen würden.
So sieht's zwar nicht aus! Doch ich möchte mich heute trotzdem einmal ein bisschen näher mit den US-Banken und den vagen Plänen zu ihrer Rettung befassen.
Der Stress-Test
Auch wenn Geithner, als er letzte Woche anstelle einer Bad Bank seinen Public-Private-Fonds vorstellte, nicht gerade viele Details genannt hat und überdies den Eindruck vermittelte, dass er selbst nicht ganz genau weiß, wie das überhaupt funktionieren soll, kann man ein paar vage Punkte aus seiner Vorstellung herausfiltern.
Wie zum Beispiel den Stress-Test!
Geithner sagte nämlich, die Regierung werde in Zukunft "stress tests" nutzen um die Gesundheit der Banken zu bestimmen.
Mittlerweile ist so durchgesickert, dass man wohl plant die möglichen Verluste der Banken auf Basis eines Worst-Case-Szenarios in den kommenden 2 Jahren zu eruieren. Hierbei will man nun endlich auch mal einen Blick auf Derivate und andere Vermögenswerte - oder sagen wir besser auf all die verbrieften Geschichten wie CDOs und intransparenten Geschichtchen wie CDSs - , welche die Banken normalerweise bequem aus ihren Bilanzen streichen können (a la aus den Augen, aus dem Sinn) werfen. Und dabei auch nicht unberücksichtigt lassen, ob das, was die Banken zwar nicht unbedingt in ihren Bilanzen stehen haben, aber dennoch ein Verlustrisiko aufweist, überhaupt durch genügend Eigenkapital gedeckt ist.
Keine schlechte Idee! Was dabei rauskommt, nach Regierungsberechnungen? Keine Ahnung!
Dafür gibt es CreditSights....
Das Research-Institut CreditSights hat nicht lange gefackelt und einfach schon einmal eine Bewertung der großen US-Banken, aufgrund eigens prognostiziertem Worst-Case-Szenario (bei horrenden Kreditverlusten und unter Annahme einer Arbeitslosenrate von 10%), vorgenommen.
Die Ergebnisse sind erschreckend! CreditSights prognostiziert unter diesen Vorausssetzungen für jede der großen US-Banken weitere horrende Verluste im mehrstelligen Milliarden-Bereich. Mit Ausnahme von Goldman Sachs würde in diesem Szenario keine der Banken einen Stress-Test bestehen. (Bitte lesen Sie zu diesem Aspekt im zweiten Teil weiter, wo eine ausführlichere Darstellung der Ergebnisse auf Sie wartet).
Natürlich wissen wir nicht, ob die Prognosen von CreditSights tatsächlich zutreffen werden...aber wenn die US-Regierung ähnliche Prognosen anstellt, dann bedeutet das, dass sie den Banken jetzt schon viele, viele weitere Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen muss um sie gegen künftige Verluste abzusichern.
Interessant, nicht wahr?!