Königsweg „Zellulose-Ethanol“?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 11. August 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Zurück zum gestrigen Thema „Ethanol".
Gestern hatte ich die neuen Zahlen der EPA zu diesem Thema kommentiert. Rund ein Drittel der US-Maisernte wandert denen zufolge dieses Jahr in die Produktion von Ethanol (= Alkohol, welcher dem Benzin beigemischt wird).
Der Anteil der US-Maisernte, welcher für die Ethanol-Produktion verwendet werden soll, steigt seit Jahren gewaltig an. Laut EPA wird dies noch bis 2012 so bleiben - dann werden ca. 15,0 Mrd. Scheffel Mais und damit etwa 35-40% der gesamten Ernte in die Herstellung von Ethanol gesteckt. Der genaue Prozentsatz hängt davon ab, ob bis dahin die gesamte Maisernte deutlich erhöht werden kann.
Dennoch soll die Produktion von Ethanol auch über 2012 hinaus kräftig und zweistellig wachsen.
Wo soll das zusätzliche Ethanol herkommen?
Ich hatte es gestern bereits angesprochen: Aus der neuen Quelle „Zellulose-Ethanol".
Dieses Jahr haben in den USA nach langer Forschung einige Pilotanlagen ihren Betrieb aufgenommen. Laut EPA sollen diese im laufenden Jahr mit rund 0,1 Mrd. Gallonen zur Ethanol-Produktion beitragen (von insgesamt 12,0 Mrd. Gallonen in diesem Jahr).
Dieser Anteil soll in den nächsten Jahren gewaltig steigen: Und zwar von 0,1 Mrd. Gallonen auf 21 Mrd. Gallonen im Jahr 2022!
Damit würde dann mehr Ethanol aus „Zellulose-Ethanol" als „Mais-Ethanol" hergestellt.
Damit würden im Jahr 2022 an die 36 Mrd. Gallonen Sprit WENIGER notwendig sein. Und da die USA 57% ihres Benzins importieren, ist dies eine aus amerikanischer Sicht sehr gute und vorausschauende Maßnahme.
Die Beimischung von Ethanol zum Benzin ist auch der Grund dafür, warum einige Sprecher großer Ölkonzerne denken, dass der Sprit-Verbrauch in den USA bereits 2007 seinen Zenit überschritten hat.
Schöner Neben-Effekt: Zellulose-Ethanol reduziert die CO2-Emissionen um bis zu 72%, verglichen mit Benzin. Auch gegenüber Mais-Ethanol sind die Werte erheblich besser.
Die Entwicklung des Zellulose-Ethanols kommt einer kleinen energiepolitischen Revolution gleich. In den nächsten Jahren wird der EPA zufolge die Produktion von Zellulose-Ethanol regelrecht explodieren. Wie gesagt, von 0,1 Mrd. Gallonen auf 21 Mrd. Gallonen in 11 Jahren...
Ein 1a Wachstumsmarkt! Und eine schöne „win-win-Situation". Zellulose-Ethanol wird aus Ernteresten hergestellt, es ist also nicht mehr der Einsatz der Frucht wie bei Mais-Ethanol notwendig.
Die Emissionen sind geringer. Es gibt keine Nahrungsmittelkonkurrenz mehr. Es wird weniger Benzin benötigt.
Und wenn wir davon noch profitieren können - umso besser!
Mein Hinweis: Die Produzenten dieser neuen Generation von Ethanol könnten die Nase vorn haben. Insbesondere die Technologieführer.
Mehr darf ich dazu wie üblich an dieser Stelle nicht sagen bzw. schreiben, Sie wissen es. Konkrete Empfehlungen nur in meinen kostenpflichtigen Diensten.
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt
Chefredakteur Trader´s Daily
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von H J B (11.08. 2010 12:10 Uhr):
Wie sehen Sie den Ansatz zur Herstellung von Biosprit aus der Jatrophapflanze (Curcas Oil) ?
Antworten - Kommentar von Dietmar Strasser (11.08. 2010 15:11 Uhr):
Lieber Herr Vaupel, das mit dem Zellulose-Ethanol klingt wirklich sehr gut und wäre zur Abwechslung mal eine positive Zukunftsperspektive. Nur eine Frage dazu wäre (vermutlich nicht nur) für mich interessant: gibt es die dafür notwendigen Erntereste in unbegrenzter Menge??? LG aus Österreich
Antworten - Kommentar von Werner Bosse (11.08. 2010 15:42 Uhr):
Tag Herr Vaupel, die genannten Maismengen müssen Sie vertauscht haben. Die USA produzieren ca. 335 Mio. t. Das sind ca. 3,35 Mrd. Doppelzentner oder ca. 13 Mrd. bushel.
Antworten - Kommentar von Jürgen Hansen (11.08. 2010 16:48 Uhr):
Lieber Herr Vaupel, auch bei Erdgas CNG gibt es die alternative Variante: Bio-Methan der neuen Generation aus heimischen Reststoffen, eingespeist ins Erdgasnetz und gut mobil nutzbar. Nur wird leider nicht umfassend und objektiv über diese Alternative berichtet. Gruß J. Hansen
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