König der Spekulationsblasen
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 14. Oktober 2002 18:00 Uhr
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Es sollte einfach so sein ... die Aktienmärkte steigen Donnerstag und Freitag kräftig, die Anleihenmärkte tendierten schwach. Handelt es sich bei diesem neuen Trend um eine Eintagsfliege oder mehr? Bleiben Sie dran ...
Wo wir gerade von Aktien und Bonds sprechen ... hat die Königin der Spekulationsblasen ihr Zepter an einen neuen König der Spekulationsblasen weitergereicht? Oder, mit anderen Worten, hat Abby Joseph Cohen ihre Rolle als oberste Finanzmarkt-Prognose-Instanz an Bill Gross, den Fondsmanager von Pimco, weitergegeben? Eins ist sicher; Ihr Prestige und ihr Ruf haben sich parallel zum Nasdaq-Composite entwickelt. Ich glaube nicht, dass das purer Zufall ist.
Währenddessen hat die Prominenz von Bill Gross als Finanzguru weiter zugenommen ... parallel zu den Anleihenkursen. Verrückt, oder? Vielleicht wird Bill Gross zwar nicht mit jedem Morgen brillanter. Aber vielleicht machen Märkte Meinungen, und die herrschende Meinung ist derzeit einfach, dass es klug ist, Bonds zu haben. Jeder, der jede Menge Bonds hält (wie der Rentenfondsmanager Bill Gross) muss deshalb sehr klug sein.
Ich frage mich hingegen, ob nicht das Hochloben von Bill Gross ein Zeichen dafür ist, dass der Bondmarkt in den USA so etwas wie eine Spekulationsblase geworden ist. Ich finde es auch bemerkenswert – als Indikator einer möglichen Blase –, dass der Fonds von Bill Gross der größte Rentenfonds in den USA geworden ist.
"Der Bond König hat sich eine zweite Krone verdient: Die des Fondskönigs," so eine Zeitung. "Per Stichtag 30. September hat der Pimco Total Return Fund von Bill Gross den zweitgrößten amerikanischen Fonds überholt." Pimcos Fonds hatte Ende September ein Volumen von 64,6 Milliarden Dollar.
Brauchen Sie noch mehr Beweise für eine Spekulationsblase am Aktienmarkt? Nicht nur, dass Pimcos Fonds der größte der Nation geworden ist, es ist auch der populärste. Er gehörte zu den bestverkauftesten Fonds der USA dieses Jahr, mit mehr als 10 Milliarden Zuflüssen in den ersten acht Monaten 2002. Der bisher größte Fonds schickte Briefe an seine Investoren, mit der Warnung vor einer "irrationalen Übertreibung" am Bondmarkt. Ein klarer Seitenhieb gegen den Konkurrenten – vielleicht gar nicht so unberechtigt.
Trotz der letzten Kursgewinne am Aktienmarkt sind die ernsten wirtschaftlichen Probleme noch da. "Es gibt wieder ein schlechtes Gefühl, das global ist", stöhnt Stephen Roach von Morgan Stanley. "Von Asien bis Europa, zu den Vereinigten Staaten und Lateinamerika scheint die Weltwirtschaft jegliches Aufwärts-Momentum verloren zu haben. Eine Weltwirtschaft ohne Motor hat einfach keine Wachstumsquelle. Es beginnt sich die Ansicht durchzusetzen, dass wir es mit einem neuen, zweiten globalen Abschwung zu tun haben."
"Natürlich ist Amerika daran schuld", erklärt Roach. "Seit 1995 waren die USA für doppelt soviel Wirtschaftswachstum verantwortlich, als es ihrem Anteil an der Weltwirtschaft eigentlich entsprochen hätte. Wenn es Amerika gut geht, dann geht es auch dem Rest der Welt gut. Wenn Amerika durchsackt, dann fällt der Rest der Welt wie ein Stein."
Die amerikanischen Gesellschaften haben jetzt schon für eine ganze Weile einen Durchhänger gehabt. Aber bis jetzt ist der Konsument in die Bresche gesprungen, um die dunklen Kräfte der Rezession abzuwehren. Leider sind diese beherzten Fußsoldaten langsam verunsichert geworden, und viele stolpern über ihre selbst geschaffenen finanziellen Stolpersteine.
Deshalb – so Roach, konträr zur herrschenden Meinung – hat der jüngste Boom bei den Hypotheken-Refinanzierungen die Konsumausgaben nicht so stark steigen lassen, wie man hätte erwarten können. "Vielleicht", so seine Einschätzung, "hat der verschwenderische amerikanische Konsument inzwischen all die Autos, DVD-Player, Küchenzubehörteile, die er oder sie schon lange haben wollten ... wer weiß, vielleicht werden die amerikanischen Konsumenten zusätzlichen Spielraum, den sie durch sinkende Zinsausgaben erhalten, zum Aufbau neuer Ersparnisse oder sogar zum Schuldenabbau nutzen. Es gibt verrücktere Dinge, die schon passiert sind."
Tatsache ... Geld sparen scheint nur verrückt zu sein, wenn man es niemals vorher gemacht hat.