Klimakonferenz in Kopenhagen: Arme Saudis? Investmentchance Ethanol!
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 26. Oktober 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Letztens, bei der UN-Konferenz in Bangkok. Über 4.000 Regierungsvertreter sowie Bürokraten aus 177 Ländern reisten dorthin - um ein Nachfolgeabkommen für Kyoto zu erarbeiten.
Im Dezember soll dann in Kopenhagen ein großer Klimagipfel stattfinden, es sollen konkrete Maßnahmen beschlossen werden.
Doch was ist das?
Saudi Arabien lässt verlautbaren: Wenn die Welt ernst mache mit der Förderung erneuerbarer Energien, dann drohen die Erdöleinnahmen Saudi Arabiens zu sinken.
Deshalb verlangt Saudi Arabien für diesen Fall eine Entschädigung.
Da lehne ich mich entspannt zurück und bin baff.
Bei Philipp dem Schönen und Johanna der Wahnsinnigen! Wieder einmal zeigt sich hier der große Unterhaltungswert im Bereich Wirtschaft im Allgemeinen und Rohstoffe im Besonderen. (Denn ich habe mir diese Thematik wegen möglicher Auswirkungen auf den Ölpreis angesehen.)
Man muss schon einiges an Chuzpe besitzen, um im genannten Fall eine „Entschädigung" zu verlangen. Nur zur Erinnerung: Es geht hier um Saudi Arabien, zentrales Mitglied eines Öl-Kartells. Ein Land, welches 2006 163 Milliarden Dollar Erdöleinnahmen erzielte.
Zum Vergleich: Im letzten Jahr betrug das Volumen des deutschen Bundeshaushalts rund 283 Mrd. Euro.
Also nicht gerade wenig, was Saudi Arabien an Erdöleinnahmen erzielt. Ist ja auch eine Binsenweisheit, nicht ohne Grund spricht man hierzulande von den „Ölscheichs".
Muss man mit diesem Mitleid haben, wenn „ein paar Milliärdchen weniger" aus europäischen in ihre Taschen wandern? Entschädigung?
Ich hoffe auf einen Erfolg des Klimagipfels ins Kopenhagen.
*** Thema Erdöl.
Eine Alternative ist Ethanol.
In Europa wird Ethanol dem Benzin beigemischt. Derzeit im Bereich 5 Volumenprozent. Nächstes Jahr sollen es mindestens 5,75 Volumenprozent sein. Bis 2020 könnte dieser Anteil auf 10% stiegen - wenn sich bis dahin nicht ohnehin Alternativen wie Elektroautos durchsetzen.
Folge der Beimischungspolitik: Der Ethanolpreis steigt. Und zwar kräftig.
Von dieser Entwicklung profitieren natürlich europäische Hersteller von Ethanol. Einer davon gefällt mir besonders gut. Mehr dazu morgen!
Bis dahin,
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Detlef Dechant (26.10. 2009 14:20 Uhr):
Es mag richtig sein, dass Saudi-Aribien auf einige "Milliardchen" verzichten könnte. Aber warum sollten sie das tun? Wer hindert also die Saudis daran, wenn die Industrienationen weniger Öl verbrauchen und dadurch der Ölpreis sinkt, stattdessen mehr Öl zu fördern und auf den Markt zu werfen. Irgendjemand wird dieses billige Öl kaufen, irgendwie verheizen und, da dies eher in Drittweltländern mit entsprechdn veralteter Technik geschieht, die Luft weiterhin entsprechend zu verpessten? Das Ergebnis wird dann eher mehr als weniger CO2 sein!
Antworten - Kommentar von Lucian Jauch (26.10. 2009 15:39 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, klassisches Dilemma für Rohstoffanleger: Biokraftstoff, so wie er heute massenhaft produziert wird, ist klimatisch gesehen kontraproduktiv und führt in der Dritten Welt zu unwiderruflicher Zerstörung der Fauna und Flora mit bisher noch unbekannten Tier- und Pflanzenarten und der einheimischen kleinbäuerlichen Bevölkerungsstruktur. Den schnöden Mammon vor Augen schrecken diese Regierungen nicht davor zurück, Bauern und Ureinwohner zu vertreiben oder umzubringen. Hierzu mehr erfahren Sie auf www.regenwald.org. Freundliche Grüsse, Lucian Jauch
Antworten - Kommentar von Gregor Sommer (28.10. 2009 11:25 Uhr):
OK der größte Mist ist der Islamist. Aber wer ist der größte Lump im Land? Antwort s. u. Der größte Lump im Land, ist der Spekulant.
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