Kleptokratie in Amerika
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. Juni 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Es ist eine solche Freude, die Nachrufe in der Zeitung zu lesen. Zuerst ist es eine Erleichterung, wenn man den eigenen Namen nicht darunter findet. Und dann ist es eine Freude, wenn man die Namen findet, die dort stehen. Nicht dass ich wünschte, den Namen von irgendwem auf der Liste der Toten zu lesen, und trotzdem sind die letzten Bekanntmachungen immer sehr enthüllend. Hier auf der Rückseite bewundere ich die ehrlichen Kümmerlinge... und ich lerne von ihnen. So wurde am 8. Juni meine Aufmerksamkeit auf den Abgang von Mr. Omar Bongo von der Bühne der Sterblichen gelenkt.
Die Volksherrschaft besteht aus zwei wesentlichen Teilen. Der eine Teil ist Betrug. Der andere ist Diebstahl. Was das Erste anbelangt, ist es so wie bei einem professionellen Ringkampf - es gibt viele entsetzliche Bedrohungen, verschüttetes Bier, geheiligte Kühe, schillernde Uniformen und Selbsttäuschung. Die Fans spüren, wie es sich in ihnen zusammenzieht, wenn ihr Mann auf der Bühne verliert. Wenn er gewinnt, dann fühlen sie sich selbst wie Gewinner. Aber der andere Teil, der rationalere Teil - ein Gleichgewicht zwischen Diebstahl und Bestechung - interessiert mich heute.
Bestechend einfach
Serge Dassault hat sich verrechnet. Einer der reichsten Männer Frankreichs wurde in dieser Woche um seinen Posten als Bürgermeister eines Vorortes von Paris gebracht. Ein Gericht fand heraus, dass er Bargeld an die Wähler in Corbeil-Essones, östlich von Paris gezahlt hatte, was den Ausgang der Bürgermeisterwahlen möglicherweise beeinflusst hat.
Ich bin sprachlos... mir steht der Mund offen... und meine eitlen Hoffnungen in Richtung des Fortschritts der Menschheit sind in Stücke geschlagen. Wie kann ein erfahrener, gut informierter Mann im reifen Alter und mit sicheren Finanzen einen solchen Amateurfehler machen? Er hat die Wähler auf ungerechte Weise bestochen - d.h. mit seinem eigenen Geld - aber offenbar nicht genug von ihnen.
Mr. Serge Dassault hätte den verstorbenen Mr. Bongo treffen sollen. Frankreich hat bei seiner zivilen Mission" auch die Kultivierung verschiedener öffentlicher Vertreter in Afrika verfolgt. Bongo war einer von ihnen.
Der Moment, in dem das Schicksal seine Nase in die Angelegenheiten von Mr. Bongo gesteckt hat, lag vermutlich im Jahr 1964, als Mr. Bongo sich selbst auf den Posten des Tourismusministers in der Regierung von Präsident Mba gesetzt hat. Jean-Hilaire Aubame hat dieses Jahr gewählt, um einen Coup gegen Mba's Regime zu führen, bei dem sowohl Mba als auch Bongo zusammen gefangen genommen wurden, bis die französischen Truppen kamen, und sie wieder freigekauft haben. Mit dem Präsidenten eines Landes hinter Schloss und Riegel zu sitzen, kann sich als sehr gut für die Karriere herausstellen, zumindest war es bei Bongo so. Seine Verbindungen zu Mba wurden durch diese Tortur noch gestärkt, sagt die TIMES, und im Anschluss daran wurde er zum Vize-Präsidenten gemacht, und er stieg weiter auf den obersten Posten auf, nachdem Mba's letzte Patrone verbraucht war.
Einer der reichsten Staatsoberhäupter der Welt
Die TIMES beschreibt Bongo als eines der reichsten Staatsoberhäupter der Welt." Die Financial Times liefert die weiteren Details. Eine Anklageschrift listet 39 Immobilien, überwiegend im schicken 16. Arrondissement in Paris, neun Autos im Wert von fast zwei Millionen Dollar und 70 Bankkonten auf."
Und daher jetzt die bekannte Frage: Wie ist so etwas möglich?"
Mr. Bongos Anteil an Gabuns Erträgen muss enorm gewesen sein. Er hat die Regierung von Gabun im Jahr 1967 im Alter von 31 Jahren übernommen, womit er eines der jüngsten Staatsoberhäupter war. In den nächsten beiden Jahrzehnten", so heißt es im Nachruf, war Bongo in der Lage, Gabun fast so wie ein privates Lehnswesen zu führen. Mit einer relativ kleinen Bevölkerung und profitierend von einem Übermaß an natürlichen Rohstoffen - in erster Linie Öl, aber auch Uran, Mangan und Holz..."
Der Mann beherrschte Zuckerbrot und Peitsche. Mit Erträgen aus den natürlichen Rohstoffen Gabuns, die in seine Schatzkammern flossen, war er in der Lage, seinen Wählern große Gefallen zu erweisen. Er stellte die Studenten im Jahr 2000 zufrieden, indem er hunderttausende von Dollar für den Kauf von Computern und Büchern aufwendete, die sie forderten", heißt es in der TIMES. Er konnte sein eigenes Geld ausgeben, wenn es ihm gefiel - denn er hatte so viel davon. Und als die Arbeiterklasse im Jahr 1990 auf die Straßen ging, da hatte er viele Trottel in Uniformen, die sie mit Stöcken zusammenschlugen.
Bongo litt nicht unter den üblichen Finanzproblemen der modernen Demokratie. Wenn man Peter beraubt, um Paul zu bezahlen, dann ist Peter deswegen sauer. Und ehe man sich versieht, wählt er gegen einen oder plant einen Coup. Das ist der Grund, warum es besser ist, Paul mit Geld zu bestechen, das Peter nie verdient hat. Und es in großem Stile zu tun. Und so hat Bongo noch 2005 eine Wahl gewonnen, bei der er fast 80% der Stimmen erhielt. Da kommt nicht einmal Obama hinterher.
Wer zahlt für das Bestechungsgeld?
Aber die Politiker in modernen und entwickelten Demokratien bestechen heute die Wähler in einem atemberaubenden Ausmaß - sie schützen ihre Bankkonten, sie sichern ihre Häuser, sie geben ihnen Arbeitsplätze und eine Gesundheitsversorgung. Allein in den Vereinigten Staaten liegen die Schulden, die Verpflichtungen und die Bindungen heute bei 112 Billionen Dollar. Die Mitglieder des Kongresses riskieren dabei weder Gefängnis noch Aufstände. Und so stellt sich die alte Frage: Wie können Sie damit durchkommen?
Aktuell stammen 50% eines jeden Dollars, der ausgegeben wird, aus Krediten. In dieser Woche kam die Nachricht, dass die Schwellenländer - angeführt von China - immer noch weitere Positionen zu ihren amerikanischen Schatzanleihen hinzufügen. Die Finanzmittel werden sofort ausgegeben. Die Zahlenden und die Bezahlten - keiner von ihnen gehört zu den Wählern bei den amerikanischen Wahlen - können sich später darüber Gedanken machen, wie sie die Schulden regeln wollen. Was für eine beachtliche Erfindung sind die generationsübergreifenden Regierungsschulden, die von Ausländern finanziert werden. Selbst Mr. Bongo, RIP, muss davon beeindruckt gewesen sein.