Kleine Zwischenrallye
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 17. Februar 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Die Zwischenrallye ist gestartet. Wobei es sich im Moment noch mehr um eine "technische Erholung" als eine Rallye handelt. Aber der steile kleine Abwärtstrend, von dem ich letzte Woche gesprochen habe, ist am Freitagnachmittag nach oben gebrochen. Das lässt auf weiter steigende Kurse hoffen. Fundamental begründet wird diese kleine Rallye damit, dass aufgrund des doch sehr moderaten Waffenberichts der UN-Inspektoren, die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Irakkonflikts zunimmt. Zudem scheinen die weltweiten Massenproteste die Amerikaner und Engländer zu verunsichern.
Der Dax steigt weiter, der Euro fällt weiter. Trotzdem glaube ich noch, dass es nur eine kurze Erholung ist. Sollte die Kriegsangst erneut zunehmen, dann könnten die Gewinne schnell wieder wegbrechen. Und glauben Sie mir, ich würde mich mehr als wundern, wenn die Amerikaner unverrichteter Dinge wieder aus der Golfregion abziehen. Im Moment liegt meine Zielzone für diese kleine Rallye also bei nur 2850–2900 Punkten. Wobei jederzeit die Gefahr besteht, dass die Kurse aufgrund einer Nachricht zum Irakkonflikt wieder wegbrechen. Interessanter würde die Rallye erst werden, wenn sie die 2900 Punkte und folgend die 3000er Marke überwinden kann.
Heute morgen verblieb der Dax nach anfänglichen Kursgewinnen innerhalb einer kleinen Range von ca. 30 Punkten – orientierungs- und richtungslos. Ein typisches Phänomen am Montagmorgen. Ob sich das angesichts des amerikanischen Feiertags: "Presidents-Day" im weiteren Handelsverlauf noch ändern wird, ist mehr als fraglich. Neue Impulse aus Amerika werden erst morgen Mittag zu erwarten sein. Aber auch von der deutschen "Nachrichtenfront" kamen heute kaum Impulse.
Außer für die Chipwerte: Sie profitieren von guten Zahlen zur Entwicklung der Branche, die im Prinzip jedoch erstens bereits bekannt waren und zweitens gar nicht so gut sind, wie sie auf dem ersten Blick scheinen. So sollen die weltweiten Umsätze der Chipausrüster im Dezember um 43 % gestiegen sein. Der Umsatz der Chipausrüster gilt als Frühindikator. Für sich allein genommen eine gute Zahl. Wenn man jedoch bedenkt, dass sie im Vormonat um 37,4 % eingebrochen waren und dass der Dezember bekanntermaßen ein starker Monat ist, relativiert sich die Zahl deutlich. Aber in dem positiv gestimmten Umfeld konnte diese Nachricht den europäischen Chipwerten noch zusätzlichen Rückenwind verschaffen.
Zum "Presidents-Day"
Ursprünglich wurde am 22. Februar der Geburtstag von George Washington, Held des Unabhängigkeitskrieges und erster Präsident der Vereinigten Staaten, als Nationalfeiertag begangen. Doch es gab in den meisten Bundesstaaten noch einen weiteren Feiertag: Der 12. Februar, Geburtstag von Abraham Lincoln, dem Präsidenten während des Bürgerkrieges.
Mitte der siebziger Jahre beschloss der U.S. Kongress, einen Feiertag zu Ehren aller Präsidenten einzurichten. Dieser Presidents' Day wird seitdem jeweils am dritten Montag im Februar gefeiert. In den meisten Bundesstaaten wird dieser Feiertag jedoch weiterhin George Washington's Geburtstag genannt.
Angesichts der lahmen Entwicklung im Dax, drehten sich die Gespräche unter den Tradern, neben den üblichen persönlichen Themen, wieder einmal um die langfristigen Aussichten: Im Focus der längerfristig orientierten Trader stehen zurzeit die amerikanische Ölfirmen, die aufgrund eines Krieges im Irak profitieren könnten. Insbesondere sind sogenannte Öl-Service-Firmen gesucht. Die großen Erdölfelder des Iraks müssen schließlich modernisiert und weiter erschlossen werden. Aber auch die Großen in der Branche werden von einem Öl-Boom in Folge eines gewonnen Krieges profitieren. Sollte es zu einem Krieg kommen, könnte man hier Investitionen wagen.