Tom Firley ist einer der anerkanntesten Börsenexperten und Charttechniker Deutschlands. Tausende Privatanleger profitieren täglich von seinem Investors Daily.
Tom Firley in Investors Daily
vom
Kürzlich war ich - wie erwähnt - in Griechenland, zum jährlichen Männerausflug. Es gab zahlreiche kleine Beobachtungen, in denen mein deutsches Spießerhirn (auf das ich stolz bin, aber darf ich das überhaupt sagen?)... also in denen mein deutsches Spießerhirn dachte: „Das würde ich aber anders machen". Angefangen bei den Gebäckverkäufern, die bei 40 Grad am Strand mit einem Schoko(!)-Krapfen überquillenden Tablett rumlaufen. Dann gibt es noch die nette Metzgerin, die mich erst fünf Minuten warten ließ und nach meiner Hackfleisch-Bestellung meinte: „come back, half hour". Dann noch der „Internet-Laden", in dem ich eine Chipkarte besorgen wollte: „Maschine kaputt." Na gut, dann eben 20 km zum nächsten Laden... Das Beste:
Bereits letztes Jahr berichtete ich über ein Maut-Häuschen an der Autobahn, das mit zwei (!) Leutchen besetzt war, die sagten "It´s free" und DANN die Schranke aufmachten. Das Häuschen steht immer noch da. Allerdings dieses Mal (als ich vorbeikam) nur mit einem Mann besetzt... immerhin. Ein Preisschild haben sie auch schon aufgestellt. Drei Euro stand drauf. Allerdings wurden diese nicht kassiert, sondern nach einem kurzen Hallo (gesprochen jassas) wurde die Schranke geöffnet. Wie vor einem Jahr. Vielleicht ist es doch ein Schrankenbelastungstest... Da gäbe es noch einige weitere und krassere Beispiele (zum Thema griechischer Klüngel...).
Was ich damit sagen möchte: Im „Urlaub" haben manche Imponderabilien sicherlich ihren Charme. Doch im realen Leben können Sie anhand dieser kleinen Beispiele an drei Fingern abzählen, dass manche Länder von anderen Ländern etwas lernen könnten (und umgekehrt). Milliarden und Billionen Euro werden nichts nutzen, wenn - wie gesagt- kein halbwegs einheitliches Denken in die europäischen Köpfe kommt. Und je weiter die Krise gedeiht, umso skeptischer werde ich, dass dies überhaupt gelingen kann.
Viel Erfolg an der Börse, um die es morgen an dieser Stelle wieder gehen wird
Ihr
Tom Firley
PS: Nicht, dass Sie denken, ich möchte auf dem kleinen Griechen rumhacken. Vielleicht gibt es genau in diesem Augenblick, einen griechischen Redakteur, der über die sympathischen Eigenarten der Deutschen schreibt. Vielleicht...
- Kommentar von Flechtner
Lieber Herr Firley, man kann einen Motor umpolen ,aber nicht das Gedankengut,und wenn ,dann dauert das. Siehe Irak,Afganistan.Die Griechen haben schon beim Kaiser Maximilian nicht die Steuern bezahlt,habe ich gelesen.Anscheinend brauchen die besonders lange,um das zu begreifen,dass ohne Steuern ein Staat nicht funktioniert. Und die Politiker begreifen nicht ,dass so eine Gemeinschaft deshalb nicht funktionieren kann.Mir wird schlecht ,wenn ich diese Geldvernichtung dieser EU sehe.Jeden Tag könnte ich mich übergeben,über die Politiker hier und in Brüssel. Das muss ich einmal ganz klar sagen. MfG Flechtner
Antworten- Kommentar von Arno Meyer
Hallo Herr Firley, Sie sprechen mir aus der Seele, das trifft die Sache zu 100%. Änliche Erfahrungen habe ich Pfingsten in Italien gemacht. Solange sich an dieser Mentalität nichts ändert, kann man da Geld nach Griechenland schicken soviel man will, das wird immer wieder aufs Neue zu wenig sein und kein Mensch weiß eigentlich, wofür die Milliarden verbraten wurden. MfG Arno Meyer
Antworten- Kommentar von kai becker
Sehr geehrter Herr Firley, in fachlicher Hinsicht schätze ich Ihre Beiträge. Aber bitte verschonen Sie Ihre Leser doch mit dem (wenn auch politisch korrekten) Märchen, der "kleine Grieche" sei ja gar nicht so ... Die simple Wahrheit ist: In Griechenland (wie auch in Spanien und vermutlich auch in Italien) stinkt der Fisch eben nicht vom Kopf her.Korruption und Vetternwirtschaft gehören zum selbstverständlichen - und allgemein akzeptierten - Bestandteil täglichen Lebens. Ihre Kommentare fördern genau die Art von Wunschdenken, die offenbar Kohl und seine unseligen Nachfolger bewogen haben, Verträge unter Handwerker-Niveau abzuschließen. Es ist Zeit, Klartext zu reden.Auch wenns politisch unerwünscht ist. Mfg
Antworten- Kommentar von Gerry
Hallo Tom, ein lustiger Bericht. Ist es nicht wunderbar wie bunt Europa ist. Warum will man das nur nicht so lassen? Die Menschen in Europa sind so herrlich unterschiedlich in ihrer Lebensart. Müssen denn wirklich alle an deutschen Maßstäben gemessen werden? Wir Deutsche haben doch genug Mängel? Kann nicht ein Glas Rotwein in Südfrankreich, in einem Straßenlokal,bei schöner Musik besser munden als im fünf Sterne Hotel in Frankfurt? Ich bin seit Jahren sehr viel in der Welt unterwegs, Australien, fast alle Länder in Asien, Afrika, Canada & USA (wo ich viele Jahre gelebt habe) Indien, Japan, Europa usw. Ich war immer wieder begeistert von den so unterschiedlichen Menschen und Lebensformen. Ich habe erlebt, wie viele Menschen glücklich lachen können ohne Lebensversicherung, Eigentumswohnung, Aktiendepot, Bankkonto........ Sie finden die Sicherheit in der Familie, die die Menschen in Deutschland oft vergeblich suchen. Aber sie finden auch in ihrem Glauben die Ruhe und Festigkeit. Wahrscheinlich gibt es in Deutschland mehr einsame und verlassene alte Menschen als in Thailand. Versuchen Sie mal einen Inder aus den Slams in eine nett eingerichtete Wohnung nach Frankfurt Innenstadt zu verpflanzen... Daran scheitert der EURO. Man kann nicht einfach regional Länder und Menschen zu einem neuen Wirtschaftsraum zusammenkleben. Einfach eine Linie auf der Landkarte - fertig. Schon alleine die nationalen Interessen lassen das nicht zu. Das wird nie funktionieren ---- und hat auch noch nie funktioniert. Warum muß denn jedes Dorf in Afrika nach dem Muster unserer westlichen Demokratie regiert werden? Warum versteht der Westen das nur nicht? Sehen Sie sich doch mal unsere verkommenen westlichen Demokratien an! Ich wollte kein Buch schreiben, nur einen Leserbrief. Also...... Danke für Ihren Bericht und herzliche Grüße, Gerry Australien.
Antworten- Kommentar von Gerry
Hallo Tom, noch einen kleinen Zusatz von mir. "Milliarden und Billionen werden nichts nutzen" schreiben Sie. Sie wissen es, ich weiß es, der überwiegende Teil der Deutschen weiß es, nur Herr Schäuble scheint es nicht zu wissen. Niemand wird ernsthaft unterstellen das dieser Mann das deutsche Volk belügt, das tut er nicht. Doch wenn er die Zusammenhänge offensichtlich nicht mehr so recht verstehen kann und glaubt mit weiteren Zahlungen (auf Kosten der deutschen Steuerzahler) an die verschiedenen Staaten den EURO zu retten, dann sollte er durch einen õkonomisch denkenden Mann ersetzt werden. Mit weiteren Zahlungen erhöht man nur die Verschuldung der ohnehin total verschuldeten Länder. Wem ist denn damit langfristig geholfen? Das Geld wird sowieso nie zurückgezahlt. Wie denn auch, ??? ....es sei denn man überweist diesen Ländern das Geld vorher oder ein neuer Schuldenschnitt entlastet die verschuldeten Länder wieder. (einschließlich Deutschland) Wäre Europa vor 4 Jahren zerfallen, ständen alle Nationen heute besser da. Zerfällt Europa Heute, sind wir auch in einigen Jahren über den Berg. Je länger wir warten, je teurer und dramatische wird es für alle. Herzliche Grüße, Gerry
Antworten
- Kommentar von Heinrich Hasper
Ich lebe im Ausland und stelle auch oft Überlegungen wie Sie an. "Warum machen die das nicht geschickter / effizienter?" Man kann daran verzweifeln. "Sind die denn blöd?" Ich hätte gerne eine Sammlung von zutreffenden Beschreibungen deutscher "Eigenarten". Z. B. erzählt ein ehemaliger ausländischer Student, der ein möbliertes Zimmer mietete, dass er nur Samstags warm baden / duschen durfte. Zutreffend und urkomisch. Können Sie nicht eine Sammlung machen? Das hilft uns, bescheidener zu werden, denn das "alles besser wissen" von uns Deutschen nervt die anderen sehr. Noch ein Aspekt: wir gebildeten Deutschen kennen in unserem Land nur wenig die Mehrzahl der dümmeren Bevölkerung, aber im Ausland treffen wir die gebildeten Schichten seltener, wenn wir nur im Urlaub sind.
Antworten- Kommentar von Thomas Pasch
Sie haben ja so recht. Die Griechen sind nicht in der Lage, auf der Strasse liegendes Geld einzusammeln und dieses auch sinnvoll auszugeben. Weder in Häfen für anlegende Sportboote, noch für Autobahnen (in der Regel kaum befahren) und auch nicht für Weltkulturstätten wie Delphi, wo auch 2 Kassierer im Häuschen sitzen und nicht kassieren. Welches Land kann es sich übrigens leisten, Ihre Autobahnen über hunderte Kilometer hinweg alle 50 Meter mit Strassenbeleuchtung zu bestücken? Wo werden trotz Unterauslastung des bestehenden Netzes immer weiter Autobahnen mit EU-Geldern (Eigenanteil GR: 5%) in die Pampa gebaut? Klar, das ist Griechenland. Es scheint die EU-Bürokraten offensichtlich überhaupt nicht zu interessieren, was mit dem sauer verdienten Geld der Steuerzahler passiert. Und diesen Irrsinn müssen vor allem wir, die deutschen Steuerzahler, finanzieren! Mit Fassungslosigkeit und Ohnmacht sehe ich niemanden in der politischen Landschaft, der diesem Treiben endlich Einhalt gebietet. Ich hoffe, dass es mehr Menschen gibt, die Ihren Unmut über diese Fehlentwicklungen öffentlich machen und somit Druck auf die Politiker ausüben, diese Missstaende abzustellen.
Antworten