Klein, rot und laut!
Axel Retz in DAX Daily
vom 25. Juli 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Heute geht es um uns Männer. Keine Angst, die Damenwelt werde ich auch bald bedenken. Für beide Geschlechter gibt es Dinge, die ich als die Brutkästen bzw. –kisten der Vorurteile bezeichnen möchte.
Was die lieben Kleinen betrifft, sind es für uns Männer die Bobbycars. Bis heute wurden von den offiziell als "Lauflernhilfen" bezeichneten roten Spielautos rund 16 Millionen Stück verkauft.
Diese roten Flitzer mit den lauten Plastik- oder Hartgummirädern und einem sehr effektiv als Resonanzkörper arbeitenden Chassis haben eine ganz besondere Eigenschaft, die mir viele von Ihnen bestätigen werden: Die Mehrheit der genannten 16 Millionen Bobbycars rottet sich wie von Zauberhand gelenkt stets dort zusammen, wo ein völlig gestresster, unbeteiligter Erwachsener dringend Ruhe sucht. So einer wie Sie beispielsweise.
Da die kleinen Ratterbüchsen ein dermaßen nerviges Getöse produzieren und der Nachwuchs ungemein mitteilungsbedürftig ist, bleibt letzterem nichts anderes übrig, als die Geräuschkulisse der ersteren durch um so lauteres Schreien und Kreischen zu übertönen. Das Ergebnis:
Die Kombination aus Bobbycars und Kindern riefe sofort die Umweltschützer, die Grünen oder auch den CIA auf den Plan, wenn sie sich damit nicht als „kinderfeindlich" outen würden. Zurück bleiben gefrustete Männer, die sich nächtens beim Einschlafen in dem süßen Gedanken suhlen, Nachbars Bobbycars klammheimlich die Reifen platt zu stechen, was aber nicht geht, weil sie eben Plastikreifen haben und nicht notwendig wäre, hätten sie aufblasbare.
Dem meisten Männern ist es leider genetisch auch nicht vergönnt, hiervon Entspannung auf einer Tupperparty oder in einer Nordic Talking-Gruppe zu suchen. Was kein wirklicher Schaden ist, weil es dort auch nicht wirklich leiser zugeht.
Bleibt der Samstagausflug zu Ikea. Die Schweden haben es schon raus: Möchte man die Couch Smoere oder den Spiegel Elk erwerben, nutzt einem dieser entschlossene Vorsatz herzlich wenig.
Denn ob man will oder nicht, in diesem Möbelhaus muss man stets den gesamten Parcours durchlaufen und strandet am Ende in einer ganz besonders üblen Abteilung, wo es Unmengen überflüssigen Kleinkrams gibt, mit dem sich die heimische Wohnung zügig von freien Flächen oder evtl. noch verfügbarem Stauraum befreien lässt.
Das Schöne: Beim halbstündigen Warten vor der Kasse kann man sich auf den Rest des Wochenendes freuen, z. B. die Bobbycars. Man könnte auch Tour de France schauen. Das ist leiser. Denn erstens haben Fahrräder ja keine Plastikräder und zweitens fährt dort bald eh keiner mehr. Ehrenwort.
Was das mit Börse zu tun hat? Gar nichts. Aber es musste einmal gesagt werden. Und ich kenne Börsenkommentare, die bei genauerem Hinsehen wirklich noch viel weniger mit Börse zu tun haben, auch wenn sie mindestens so laut daherpoltern wie Bobbycars.