Klassentreffen
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 27. März 2008 12:00 Uhr
ENL5454
*** Schwierige Zeiten gerade bei den Rohstoffen. Long gehen, short gehen, wie geht es weiter?
Aktuell bin ich unsicher und tue das, was in so einer Situation manchmal bis oft das Beste ist: Nichts.
Der Trader´s Daily-Korrespondent für Südamerika (Horacio Pozzo) brachte es auf den Punkt: „There’s a time to go long...there’s a time to go short...and there’s a time to go fishing –
Es gibt eine Zeit, long zu gehen…es gibt eine Zeit, short zu gehen…und es gibt eine Zeit, Angeln zu gehen.“
Oder, statt Angeln: Zum Klassentreffen zu gehen.
Grandiose Überleitung zum nächsten Abschnitt:
*** Klassentreffen.
Letztes Wochenende stand selbiges an. Im letzten Jahrtausend war man schließlich auch mal zur Schule gegangen, ich erinnerte mich dunkel.
Mit einem der damaligen Mitschüler bin ich noch befreundet, er organisierte das Ganze. Um Punkt 20 Uhr setzten wir uns in die Kneipe, welche als Treffpunkt auserkoren worden war. Ich bestellte mir ein Kristallweizen und harrte der Dinge bzw. Menschen, welche da kommen sollten.
Und wenig später begann das Spiel: Wer ist denn das? Aaah, der Florian! Wie siehst Du denn jetzt aus! Etc. pp.
Und dann war es ein bisschen wie in der bekannten “Sparkasse”-Werbung. Auf die übliche Begrüßung „Und, was machst Du jetzt so?“ wurde von den Neuankömmlingen das Neueste in Bezug auf Beruf, Ehepartner bzw. Liebschaft (nicht immer identisch), Sprösslinge und Vermögen mitgeteilt.
Nachdem ich einige weitere Kristallweizen gehoben hatte (die Quittung gab es am nächsten Vormittag), hob sich auch meine Stimmung; ich bin eher intro- als extrovertiert. Ich ging herum und hörte mir die „Updates“ an.
M. komponiert jetzt Lieder im Bereich Schlager und Volksmusik. Findet er fürchterlich – eigentlich sind Rock oder Punkrock seine Musik -, aber seine Kompositionen im erstgenannten Bereich finden eben reißenden Absatz.
F. arbeitet als Sachverständiger bei einem Architekten. F. war und ist einer der intelligentesten Köpfe, die ich kenne! Es stimmte mich traurig, zu hören, dass er dort ausgebeutet wird: Er arbeitet 50 bis 60 Stunden in der Woche, hat aber gleichzeitig nur einen Teilzeit-Vertrag und wird lediglich entsprechend bezahlt, es gibt auch keinen Freizeitausgleich. Doch mehr als stiller Grimm darüber ist bei ihm nicht zu erwarten, da er sehr in sich gekehrt ist.
Eine junge Dame, welche mir damals überaus gut gefiel, ist – natürlich – längst verheiratet, hat drei Kinder und lebt im Einfamilienhaus am Rande der kleinen Großstadt, welche einst Bundeshauptstadt war.
A. ist mittlerweile Investment-Banker, pendelt zwischen Zürich und London, und – welche Freude – Mitglied der Trader´s Daily-Gemeinde. So kann es gehen, und so soll es sein!
Ansonsten gab es da noch die Mitschüler(innen), mit denen ich bereits im letzten Jahrtausend nichts anfangen konnte. Mit Interesse stellte ich fest, dass dies so geblieben ist.
Biertrinkend erfreute ich mich an der tragischen Komik des Lebens, und beschloss:
„Suche Dir (neben der Trader´s Daily-Gemeinde) ein paar Leute, die Dir gut tun – und vergiss den Rest.“
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Spätwintertag!
Ihr
Michael Vaupel