Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
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In den letzten beiden Ausgaben von Investoren-Wissen-Daily habe ich über Missverständnisse oder wie es im Neudeutschen heißt „False Friends" gesprochen. Ich versuche anhand von aktuellen Beispielen zu demonstrieren, worauf der Anleger achten sollte, wenn er die Charttechnik anwendet. Denn ähnlich verhält es sich mit Ihrem Werkzeugkasten zuhause. Sie werden nicht versuchen, mit einem Hammer den Verschluss einer Perlenkette zu reparieren, da nimmt man doch besser eine Rohrzange oder etwa nicht? Nun, Spaß beiseite, aber ähnlich arbeiten Anfänger mit der Charttechnik. Erst einmal probieren sie, was intuitiv passt und gut aussieht, vergessen dabei aber schnell, dass es oftmals um sehr viel höhere Kapitaleinsätze geht als in meinem Perlenkettenvergleich.
Nun, was mir heute aufgefallen ist, wird Ihnen gefallen, denn es handelt sich um einen Börsenliebling - krisensicher und mit einer traumhaften Wachstumsstory. Bevor ich Ihnen sage, um welche Aktie es sich handelt, vielleicht erst folgende Nachricht: Medizinkonzern xxxxxx peilt nach Gewinnsprung weitere Zuwächse an. Die Nachrichtenagentur dpa-AFX meldet: Der Medizinkonzern xxxxx hat das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres dank gut laufender Geschäfte in allen Sparten mit einem deutlichen Gewinnanstieg abgeschlossen.
Spätestens wenn Sie sich den Chart anschauen, werden Sie wissen, um welches Unternehmen es geht. Aber halten wir doch bis hierher einmal fest: Gewinnwachstum scheint in Ordnung und Medizin gilt allgemeinhin als krisensichere Branche, nicht wahr?
Also kaufen? Aber es geht noch weiter, denn ein automatisches Handelssystem wirft mir heute die Aktie mit dem Hinweis aus, dass sich ein Hammer gebildet hat. Das ist interessant, denn die Kerzencharttechnik, die ich sehr schätze, verbindet mit dem Hammer ein Kaufsignal. Ich werde Ihnen den Hammer im ersten Chartbild zeigen und Sie werden mir bestimmt zustimmen, dass es sich um ein Kerzensignal handelt, das man auch schnell identifizieren kann. Jeder, der anfängt sich mit der Kerzentechnik zu befassen , sucht in seinen Charts den Hammer. Aber so einfach ist das eben nicht. Ähnlich wie bei Ihrem Werkzeugkasten kommt es nämlich auf die Aufgabenstellung bzw. auf die äußeren (Markt)Umstände an. Es stellt sich also die Frage: Handelt es sich bei Ihrer Beobachtung um einen Kurs im oberen Teil oder im unteren Teril eines Trendverlaufs oder anders formuliert, sollten Sie kaufen oder verkaufen?
Der Experte Thomas Bulkowski, dessen Buch „Enzyklopädie der Candle Sticks" von Dr. Bauer (Vorstand der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands, VTAD) ins Deutsche übersetzt wurde und das auch ein Prüfsiegel erhalten hat, schreibt, dass es sich beim Hammer um ein bullishes Umkehrsignal mit 60-prozentiger Trefferquote handelt. Folglich kann es nur einen Trendverlauf verändern, der vorher negativ war. Und weil es neben dem negativen Trend mit positivem Umkehrsignal (Hammer) auch noch einen Aufwärtstrend mit negativem Umkehrsignal gibt (Hanging Man), haben wir dasselbe Signal noch einmal, bezeichnen den „Hammer" aber jetzt als Hanging Man mit Verkaufssignal.
Beide Signale sehen also gleich aus, aber eines steht am Ende des Abwärtstrends (Beispiel 1) und eines steht am Ende des Aufwärtstrend (Beispiel 2).
Fresenius Medical Aktie mit einem Hammer?
Jetzt haben Sie zwei wichtige Kerzensignale kennengelernt, die aber beide, wenn wir sie isoliert vom Kursumfeld betrachten, gleich aussehen. Wir müssen noch ein wesentliches Kriterium für den Hammer (Hanging Man) erwähnen, das in der Praxis sehr wichtig ist: die Länge der Lunte (unterer Schatten).
Das was beim Hammer wie ein Stiel aussieht, stellt am unteren Ende ja das Kurstief dar. Und nur wenn der Stiel (die Lunte, der Schatten) mehr als doppelt so lang ist wie die Kopfgröße (der Kerzenkörper), dann haben wir es mit einem Hammer oder Hanging Man zu tun.
So, alles klar? Ich komme zum Ausgangspunkt zurück, an dem ich mein Handelsprogramm zitiere welches im Fresenius-Chart einen Hammer (Kaufsignal) identifizierte. Erstens können Sie jetzt selbst überprüfen, ob es ein Hammer oder ein Hanging Man ist, ob die Konsequenz also kaufen oder verkaufen lautet. Und dann möchte ich von Ihnen wissen, wie Sie die Länge der Lunte beurteilen. Schreiben Sie mir, ich würde mich freuen wenn sich jetzt im Blog eine Diskussion darüber einstellen würde, was Sie sehen und ob Sie kaufen oder verkaufen würden
Fazit: wenn Sie sich dieses kleine Regelwerk der vier Parameter merken, also wann ein Kauf- und wann ein Verkaufssignal entsteht können Sie mit einer Trefferquote von 60 Prozent Kauf- und Verkaufssignale identifizieren. Sie können auch ein Programm benutzen, das die Begriffe falsch verwendet, denn Sie sparen viel Zeit, wenn Sie grob vorsortieren lassen und anschließend das Signal auswählen, das per Definition am besten aussieht.
Mehr zum Thema Candlestick Formationen: Hammer erfahren Sie hier.
Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen
Jürgen Nowacki,
Chefredakteur Target Trader
Tipp der Redaktion: Hier gibt es mehr Infos zur Fresenius Medical Care Aktie.
- Kommentar von Chartly
Der Vorteil der Candle-Stocks liegt doch darin, dass sie die Marktpsychologie wiedergeben und sich dies auch jedem Laienleicht zu erklären ist. Ein Hammer zegit doch klar auf, dass nach einer Baissephase gegen Schlussder Sitzung (oder Ende einer Periode) die Käufer dominieren. Ich gebe auch Workshops über Charttechnik und kann den Teilnehmern keine logsiche Erklärung für das Verhalten des Marktes finden, weshalb ein Hanging Man eine Formation für Beginn Rückgang sein soll. Da gefällt mit der shooting star wesentlich besser, weil er auch logisch zu erklären ist. Neues Hoch nach tiefem Beginn und dann dominieren die Verkäufer gegen Ende der Aufzeichnungsperiode.
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