Kerry versus Bush
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 21. September 2004 18:00 Uhr
ENL5454
"Im Augenblick hat Bush einen bequemen Vorsprung", sagte Chris Ruddy, der Besitzer von NewsMax.com, einem Nachrichtendienst im Internet, bei einem gemeinsamen Abendessen am Samstag. "Aber wahrscheinlich wird der Abstand zwischen den beiden Kandidaten wieder enger, je näher wir auf die Wahlen zuschreiten."
Das wunderte mich: Warum sollte der Abstand enger werden? Für mich sieht es eher danach aus, als ob er sich vergrößert. Je mehr die Wähler über die Kandidaten erfahren, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich angeekelt von den beiden abwenden.
Die einzige Frage, die sich mir stellt, ist, welcher von beiden Kandidaten moralisch mehr zu verurteilen ist.
George W. Bush drückte sich während des Vietnamkriegs angeblich vor der Wehrpflicht, und dann erfüllte er noch nicht einmal seine Aufgaben bei der Nationalgarde. Das spricht schon fast wieder für ihn. Der Vietnamkrieg war ein Desaster und jeder, der die Möglichkeit hatte, darum herum zu kommen, ohne sich die Hände blutig zu machen – und ohne in ein Leichentuch gehüllt heimzukehren –, nahm diese Möglichkeit in Anspruch.
40 Jahre später allerdings steht eine gesamte Generation von jungen Männern auf dem Spiel und Bush treibt seine Nation freiwillig in eine teure und draufgängerische kriegerische Mission, die vielleicht noch gefährlicher ist als der Vietnamkrieg. Die Liberalen können nicht für ihn stimmen, weil er wie ein "konservativer" Kriegshetzer spricht. Die wirklich Konservativen können nicht für ihn stimmen, weil er die seit Roosevelt größte aktivistische Expansion des Staates (in Bezug auf Regulierungen, Bürokratie etc.) unternommen hat.
Aber wen können sie dann wählen?
Auf der anderen Seite hat John Kerry vor 40 Jahren seinen Dienst geleistet. Und diese Tatsache muss er uns bei jeder Gelegenheit aufs Butterbrot schmieren. Aber wann immer Beweise für seinen abgeleisteten Wehrdienst zu Tage kommen, wirkt es so, als ob seine Teilnahme am Krieg mehr politische als strategische, mehr pragmatische als ehrenhafte und mehr idiotische als patriotische Gründe gehabt hat. Mit anderen Worten: Es sieht so aus, als ob der Mann schon damals eher die Wahlen als seinen Wehrdienst im Hinterkopf gehabt hätte.
Während sich der junge Kerry schon damals das Ziel 'Weißes Haus' steckte, hat er offensichtlich einem vietnamesischen Teenager von hinten in den Rücken geschossen. Was für ein Mensch muss man sein, um so etwas zu tun? Ich weiß es nicht. Aber hier beim Investor's Daily haben wir immer noch ein – vielleicht naives und gutgläubiges -Gottvertrauen. Ich glaube, Menschen kriegen das, was sie verdienen. Mir steht es nicht zu, darüber zu entscheiden – natürlich nicht.