Kerry oder Bush, welche US-Branchen sind betroffen
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 26. Juli 2004 18:00 Uhr
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Die US-Wahl wirft ihre ersten Schatten. In dieser Woche wird John Kerry offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt. Diese Woche stellt für ihn eine große Chance dar, seinen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad zu steigern, kurz, sich dem amerikanischen Wähler ins Gedächtnis zu bringen und Bush auf den zweiten Platz zu verweisen. Clinton hat es damals genau in dieser Woche geschafft, deutlich aufzuholen – die Medien fragen sich, ob Kerry diesen Erfolg wiederholen kann. Immerhin wird das große, eigentlich zu einer reinen Werbekampagne verkommene Nominierungspektakel, 75 Mio. Dollar verschlingen.
Ich frage mich hingegen, wie wird die Börse darauf reagieren? Auf den ersten Blick bin ich mir sicher, dass wenn Kerry deutlich zulegen kann, die US-Investoren das nicht gut finden werden – wie gesagt, auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick wissen die Investoren, dass sich nach einem dann möglichen Regierungswechsel nicht allzu viel in der Wirtschaftspolitik ändern wird.
Zwar wirft Kerry Bush eine verfehlte Wirtschaftspolitik vor, aber viel kann er nicht machen. Seine Wahlversprechen gehen dahin, dass er die Steuersenkung für die Reichen auslaufen lassen will, stattdessen den Mittelstand steuerlich stützen möchte. Das Staatsdefizit soll gesenkt und die Verlagerung der Jobs in Billiglohnländer soll gebremst werden – man darf sich nur fragen, wie er das wohl bewerkstelligen will.
Eine Möglichkeit das Defizit zu bekämpfen, wäre die Ausgaben für Sicherheit und Militär zu senken. Ob das jedoch den Amerikanern zusagen wird? Eins ist sicher, egal wer Präsident wird, das Haushaltsdefizit wird in den nächsten Jahren drastische Maßnahmen erforderlich machen. Den Amerikaner stehen keine guten Jahre ins Haus, denn Amerika steht aufgrund ihres enormen Zwillingsdefizit fiskalpolitisch mit dem Rücken an der Wand. Da bleibt nicht viel Spielraum für Experimente. Allerdings wird sich ein Regierungswechsel außen-, innen- und sozialpolitisch wahrscheinlich deutlich bemerkbar machen.
Sie sollten dabei beachten, dass politische Börsen (in diesem Fall wahlpolitische Börsen) immer nur kurze Börsen sind. Nur auf wenige Branchen könnte ein Regierungswechsel nachhaltigeren Einfluss haben: So sollten z.B. die Aktien der US-Rüstungsindustrie verlieren, wenn Kerry gewinnt, die Pharmaaktien hingegen zulegen, da sich Kerry besonders um die wachsende Zahl von Amerikanern ohne Krankenversicherung kümmern will.
Zum Dax:
Na, da sind wir ja fast wieder. Bei 3749 Punkte lag das Tief heute im Dax. Bei 3692 Punkten verläuft die untere Begrenzung der enervierenden Seitwärtsbewegung, die uns alle so quält. Ich befürchte eigentlich immer noch, dass sie diesmal nach unten gebrochen wird, um die Bullen schmerzhaft aus dem Markt zu treiben. Allerdings haben die Amis bereits ihre Seitwärtsbewegung im Nasdaq100 nach unten verletzt, nun fehlt noch der Dow und der S&P. Der Markt kann damit natürlich auch vorher jederzeit drehen – achten Sie auf den Ölpreis!
Mittlerweile wird bereits wieder darüber spekuliert, ob die Fed bei der nächsten Sitzung erneut die Zinsen anheben wird oder nicht. Am 10. August ist es wieder soweit. Eigentlich sollte die Fed sich bis zur Wahl nun zurückhalten, eigentlich – sofern die Fed eine Wahlrallye unterstützen will. Zumindest werden wir, je nach dem wie sich die Fed entscheidet, am 10 August eventuell mehr über die Absichten der Fed erfahren – ein überaus wichtiger Termin.