Keine wirklichen Kapitalisten!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 26. November 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Sowohl in Amerika als auch in Japan wandelte sich der "Laissez-faire-Kapitalismus" des 19. Jahrhunderts in einen kollektivierten Kapitalismus des 20. Jahrhunderts, mit massiver staatlicher Einmischung und Massenpartizipation von Leuten, die eine Bilanz nicht von einem Nachttopf unterscheiden konnten. Die sehr reichen Vorstandsvorsitzenden waren keine echten Kapitalisten. Ihre extravagant hohe Bezahlung war nicht das Sinnbild für den Sieg des freien Kapitalismus, sondern das Sinnbild für dessen Niederlage. Wirkliche Kapitalisten würden es niemals zulassen, dass so viel Geld in die Hände der Manager fließen würde – die ja Angestellte der Unternehmen sind.
Wenn es noch wirkliche Kapitalisten gab, dann müssen sie geschlafen haben. Denn sie ließen es zu, dass ihre Manager ihnen praktisch ihre Unternehmen wegstahlen, und ihre Investments ruinierten. Die Schulden der Unternehmen stiegen in den 1990ern um 382 %, mehr als 30 % schneller als das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes. Und die Schulden wurden auch nicht für Investitionen genutzt, die den Kapitalisten vielleicht mehr Gewinne gebracht hätten. Nein, der größte Teil des geliehenen Geldes wurde für Übernahmen und Aktienrückkaufpläne verwendet. Diese Manöver waren weniger darauf ausgerichtet, die wirklichen Kapitalisten reich zu machen, als vielmehr darauf, den Aktienkurs steigen zu lassen, indem die neue Klasse der Bürger-Aktionäre – die Kleinanleger – beeindruckt wurde.
Und von steigenden Aktienkursen profitierten die Manager über ihre Aktienoptionspläne. Welcher wirkliche Kapitalist hätte so großzügige Aktienoptionspläne zugelassen – für angestellte Vorstandsvorsitzende, die so gemästet wurden (und werden!) wie Weihnachtsgänse?