Keine Überraschungen von den Notenbanken
Daniela Knauer in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 14. Mai 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
das beherrschende Thema der letzten Woche waren die verschiedenen Notenbank-Sitzungen. Viel wurde darüber in den vergangenen Tagen geschrieben, aber man kann es auch auf einen ganz einfachen Nenner bringen: Es gab keine Überraschungen, alle Entscheidungen waren vom Markt so erwartet worden. Am unsichersten war man sich noch bezüglich der englischen Notenbanksitzung, hier hatte es auch Stimmen gegeben, die gleich mit einer Erhöhung der Zinsen um ein halbes Prozent gerechnet hatten. Doch die Bank of England beschränkte sich auf 25 Basispunkte, so dass wir nun folgende Zinssätze vorfinden: In den USA bleibt es unverändert bei 5,25%, in der Euro-Zone haben wir 3,75% (eine Anhebung auf 4,00% in der nächsten Sitzung ist so gut wie sicher) und in England finden wir den höchsten Zinssatz von nun 5,50%. Am Rande sei erwähnt, dass es auch in Chile eine Notenbanksitzung gab, der Leitzins verblieb hier bei 5,00% mit unverändertem Ausblick.
Für Überraschung sorgte jedoch am Donnerstag die Veröffentlichung des amerikanischen Haushaltsüberschusses für April 2007, der bei 177,7 Milliarden USD lag und damit deutlich über der Schätzung von 143,0 Milliarden USD. Noch im März gab es hier ein Minus von 96,3 Milliarden USD. Immer wieder werden nach solchen besser als erwarteten Zahlen Stimmen laut, dass die US-Wirtschaft doch stabil genug sei, noch eine weitere Zinserhöhung zu verkraften, die angesichts der Inflationszahlen eigentlich auch angebracht wäre. Daraufhin gewann der US-Dollar auch deutlich an Stärke und testete seinen seit Anfang des Jahres bestehenden kurzfristigen Aufwärtstrend bei 1,3470.
Diese kurzfristige Stärke des US-Dollars war aber nach der Veröffentlichung der Einzelhandelsumsätze am Freitag wieder ganz schnell Geschichte. Denn sie sind um 0,2% auf saisonbereingt 372.0 Milliarden USD gesunken. Die Schätzungen lagen jedoch bei einem Anstieg von 0,4%. Auch die Kernrate enttäuschte mit einem unveränderten Stand statt der erwarteten 0,5%. Damit zeigte sich wieder einmal die Achillesferse des US-Marktes und die große Sorge der Marktteilnehmer - nämlich dass der amerikanische Konsum einbricht.
In dieser Woche wird es sehr spannend, ob die oben eingezeichnete Trendlinie Bestand haben wird. Nachdem auch die gestern veröffentlichten Sentimentdaten einen deutlichen Rückgang der kurzfristigen Euro-Euphorie aufweisen, könnte es zu Beginn der Woche erst einmal wieder nach oben gehen. Dann wird sich zeigen, ob der Euro nun die Kraft hat, über das wichtige Hoch bei 1,3675 auszubrechen oder ob es nach einem niedrigeren Hoch eine ausgedehntere Konsolidierung geben wird.
EUR/JPY: Ist die Konsolidierung bereits vorbei?
Auch EUR/JPY musste in der vergangenen Woche Federn lassen. Nach einer kurzfristigen Topbildung im Stundenchart machte sich hier die zunehmende Nervosität der Marktteilnehmer bemerkbar. Nachdem in den vergangenen Wochen wieder gute Gewinne mit Carry-Trades zu erzielen waren, sorgte die zunehmende Volatilität nun wieder für Verkäufe kurzfristig orientierter Marktteilnehmer.
Nachdem EUR/JPY bereits am Freitag Nachmittag die zuvor durchbrochene Unterstützung bei 162,00 zurückerobern konnte, begann auch die neue Woche in Japan mit einem schwächeren Yen, so dass der ganz kurzfristige Abwärtstrend bereits wieder Geschichte ist. Es bleibt nun spannend, ob der Wechselkurs erneut in das Widerstandsband oberhalb von 163,00 eintauchen kann oder ob sich die Abwärtsbewegung von hier ausgehend fortsetzt. Sollte der Yen zu einer größeren Korrektur ansetzen, wird es auch für die Carry-Trader wieder sehr ungemütlich. Dann würden wir schnell Auswirkungen am Aktienmarkt und bei den Edelmetallen sehen. Die Turbulenzen am Donnerstag bei den Aktien und besonders auch beim Gold dürften mal wieder hier eine ihrer Ursachen gehabt haben.

