Keine Stabilisierung…
Martin Weiss in Investors Daily
vom 20. November 2006 18:00 Uhr
ENL5462
Der deutsche Aktienmarkt setzte auch in der jüngsten Vergangenheit seine Rekordfahrt fort. Im Wochenvergleich schaffte der Dax erneut ein Plus von fast einem Prozent.
Und der Optimismus der Akteure scheint kaum noch Grenzen zu kennen. 6700 Punkte zum Jahresende, ein neues Dax-Allzeithoch allerspätestens im Jahr 2008, und die 10000 Punkte sollen aus Bullensicht bis zum Jahr 2010 in Angriff genommen werden. Nach wie vor herrscht große Zuversicht vor, und auch das Marktsentiment wird immer bullisher. Die Zahl der Bären schwindet, immer mehr Investoren sind bullish gestimmt.
Ähnliches gilt für die US-Indizes, denen atemberaubende Höhenflüge zugetraut werden. Dem Dow Jones Industrial Average wird für das Jahr 2007 ein Anstieg bis in die Region von 16000 Punkten in Aussicht gestellt.
Nahezu 1500 Kalendertage nach dem Baisse-Tief der US-Märkte im Oktober 2002 scheint den Bären die Puste auszugehen. Freilich, von irrational überschäumender Euphorie kann gegenwärtig noch nicht die Rede sein.
Die weit verbreitete Hoffnung auf eine sanfte Landung der US-Wirtschaft ist nach wie vor der stabilisierende Faktor für den Aktienmarkt. Für die Investoren scheint das Szenario einer sehr, sehr harten Landung immer noch nicht realistisch genug zu sein. Zudem wird darauf gebaut, dass die wirtschaftliche Schwächephase nur für einen ganz kurzen Zeitraum anhält. Sprich, eine perfekte weiche Landung, der ein sofortiges Durchstarten der Wirtschaft folgt.
In einem solchen Szenario spielen inverse Zinsstrukturkurven, negative Sparquoten in Verbindung mit der größten Schuldenorgie aller Zeiten natürlich keine Rolle. Und auch diverse Warnsignale vom Häusermarkt scheinen insofern nur von untergeordneter Bedeutung zu sein.
Anzeichen eines Crashs, so wird neuerdings in einigen Kommentaren die Situation am US-Immobilienmarkt beschrieben.
Und in der Tat, die jüngsten Daten deuten schon auf eine gravierende Schwäche hin. So brach die Zahl der Baubeginne im Oktober im Vormonatsvergleich um 14,6 Prozent auf annualisiert 1,486 Millionen ein. Dabei handelt es sich um den geringsten Wert seit dem Jahr 2000.
Auch bei den Baugenehmigungen hält die Talfahrt an. Mittlerweile ist man hier bereits auf dem tiefsten Niveau seit 1997 angekommen. Im Oktober fielen die Baugenehmigungen um 6,3 Prozent gegenüber den nach unten revidierten Zahlen vom September. Neun mal in Folge sind nun die Baugenehmigungen rückläufig.
Eine Stabilisierung der Lage am Häusermarkt sieht jedenfalls anders aus, die im Januar 2006 begonnene Talfahrt bei Baubeginnen und –genehmigungen hält ungebremst an.
Sehr spannend wird es auch an der Dollar-Front. Nach den jüngsten Zahlen des US-Finanzministeriums hat sich der Netto-Kapitalzufluß im September von 97,1 Milliarden Dollar auf 53,7 Milliarden Dollar verringert und liegt damit sogar unter dem offiziell ausgewiesenen September-Wert für das US-Außenhandelsbilanzdefizit (64,3 Milliarden Dollar). Dennoch gilt es kurzfristig abzuwarten, ob es dem Euro gelingt, sich ans alte Jahreshoch bei 1,2979 Euro heranzupirschen.
Der Goldpreis gab in den letzten Tagen wieder leicht nach, im Wochenvergleich sprang ein Minus von gut einem Prozent heraus. Ganz kurzfristig verharrt das gelbe Edelmetall in einer Seitwärtsspanne zwischen 608 und 635 Dollar.
Die Chancen sind aber nicht wirklich schlecht, dass Gold zum Jahresende eher in der Region 700 Dollar notiert als im Bereich von 600 Dollar.
Nach wie vor gilt es vorübergehende Schwächeanfälle konsequent zum Aufbau von (physischen) Positionen auszunutzen.
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