Keine eindeutige Richtung
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 14. Januar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Gold befindet sich in einem Bullenmarkt. Die Aktien in einem Bärenmarkt.
Das ist alles was ich weiß… und alles, was ich wissen muss.
Die Aktien werden vom Markt nach unten getrieben, in einer natürlichen, zu erwartenden und unvermeidlichen Korrektur. Und Gold wird durch die Versuche der Zentralbank, das zu stoppen, nach oben getrieben.
Kaufen Sie Gold während der Einbrüche, verkaufen Sie Aktien während der Gipfel.
Das ist doch ganz einfach, oder nicht? Es gibt jedoch keine Garantien. Mr. Market kann tun und lassen, was er will. Und wenn er sich in die entgegen gesetzte Richtung auf den Weg machen will, dann kann ich von meinem Arbeitsplatz aus nichts tun, um Mr. Market aufzuhalten. Ich kann nur aus dem Fenster blicken und nachsehen, in welche Richtung er jetzt unterwegs ist.
Doch was ist das? Will er jetzt zum Mond? Was so viele Investoren und Kommentatoren verhext, ist die Tatsache, dass es so schwer zu sagen ist, in welche Richtung Mr. Market gerade geht. Mr. Market läuft ganz deutlich in Richtung einer Deflation – ganz besonders erkennbar an den Preisen von Aktien und Häusern.
Aber die Regierungsvertreter haben ihn an einer Leine. Sie ziehen ihn in die andere Richtung – sie pumpen Gold, Öl und die Lebensmittelpreise auf. Was ist es denn nun? Eine Krise oder ein Boom? Inflation oder Deflation? Wohlstand oder Armut?
Die Kombination der gegensätzlichen Konzepte ist das, was die meisten Beobachter verwirrt. Sie wissen nicht, ob Mr. Market kommt oder geht. Aber ich kann mit Zweideutigkeiten ganz bequem umgehen.
Auf die Frage, in welche Richtung es gehen wird, Richtung Boom oder Krise? antworte ich: Ja, beides.
Als Hinweis auf eine Krise schreibt Martin Feldstein, dass die kommende Rezession ziemlich „übel“ werden könnte, es sei denn, die Verantwortlichen handeln jetzt sehr entschieden.
Er will „aggressive“ Zinssenkungen, die außerdem von der Steuerpolitik unterstützt werden – das soll heißen durch Steuernachlässe – um die Verbraucherausgaben anzukurbeln.
Vergessen Sie es, schreibt Forbes. Bis die Verantwortlichen begriffen haben, was zu tun ist, wird die Rezession uns schon befallen haben. Es wird zu spät sein, das noch aufhalten zu wollen.
Die BBC sagt, die Vereinigten Staaten befänden sich bereits in einer Rezession. Und der Kongress tagt momentan noch nicht, aufgrund der Ferien. Aber stellen wir uns einmal vor, die Politiker wären bereits in Washington, mit dicken Hintern in bequemen Ledersesseln und mit ihren pummeligen, von Schmiergeldern klebrigen Fingern in genau diesem Moment bereit, über noch mehr dumme Erleichterungen im Stile eines Francis Delano Roosevelt abzustimmen. Was genau könnten sie tun?
Nun, sie könnten den Steuerzahlern einen Teil ihres Geldes zurückgeben… und damit die Verbraucherausgaben ankurbeln. Nun ja, das könnten sie doch tun, oder nicht? Und sie könnten Ben Bernanke ans Telefon holen und ihn drängen, die Zinsen zu senken… und die Schatzkammern der Zentralbank zu öffnen, so dass die Wähler mehr Geld und mehr Kredite hätten. Ja, auch das könnten sie tun.
Und was wäre die Folge von all diesem neuen Geld und Kredit (das aus dünner Luft gezaubert wurde, denn es gibt keine anderen Ort mehr, von dem es noch stammen könnte.)?
Würde das unter den Goldkäufern nicht dazu führen, dass sie die Notwendigkeit, Gold zu kaufen als noch dringlicher empfänden?
Doch ich gehe davon aus, dass Forbes zuerst einmal richtig liegen. Die Verantwortlichen können einen Konjunkturrückgang nicht aufhalten.
Sie können jetzt einzig und allein darauf reagieren. Und ihre Reaktionen werden vermutlich zu einem höheren Inflationsniveau führen.
Gleichzeitig ist bei den Aktien ein Bärenmarkt auf dem Weg. Ob es sich dabei um ein ganz neues Phänomen handelt… oder um die lang erwartete Fortsetzung eines abgewiesenen Bärenmarktes, der vor acht Jahren begonnen hat… das weiß ich nicht zu sagen.
Aber die Aktien fallen. Wenn die Entscheidungsträger in der Lage wären, schnell genug die Währung zu inflationieren, könnte der Bärenmarkt bei den Aktien vielleicht noch aufgehalten werden.
Und vielleicht könnte der Bullenmarkt bei Gold aufgehalten werden, wenn die Wirtschaft schnell genug Pleite macht. Aber auf die eine oder andere Art, wird Mr. Market so sehr in die eine Richtung zerren, und die Verantwortlichen werden ihn an der Leine so heftig in die andere Richtung ziehen, dass entweder Gold steigen wird, oder die Aktien fallen werden.
Das eine oder das andere… irgendetwas wird nachgeben müssen… vielleicht sogar beides.