Keine Angst vor dem starken Euro?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 27. November 2007 18:00 Uhr
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Heute wurde der Ifo-Index veröffentlicht. Dieser ist unerwartet angestiegen und zwar von 103,9 auf 104,2 Punkte. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 103,3 Punkten gerechnet. Interessant ist, dass auch die Exporteure sich optimistisch zeigen und das, obwohl der Euro so stark ist. Schlagzeilen wie: „Deutsche Wirtschaft trotzt Euro!“ wurden dann auch zum Aufhänger für mehrere Headlines in der Presse. Aber das ist wieder einmal nur vordergründig gedacht.
Deutschland exportiert in die EU
Erst einmal sollte man Folgendes klarstellen: Der Großteil der Exporte aus Deutschland geht in die Länder Europas, nämlich satte 73,1 %! Davon wiederum gingen 61,4 % in die EU-Länder und 41,7 % in die Eurozone (Zahlen aus 2005). Mit anderen Worten, mehr als zweidrittel aller Exporte werden in Euro abgewickelt. Auf diese Exporte hat der höhere Euro schon einmal keinen direkten Einfluss.
Nicht umsonst ist Deutschland als Exportweltmeister logischerweise auch einer der Hauptprofiteure des Euros und der EU – auch wenn ich mit dieser Aussage sicherlich mal wieder anecke. Man stelle sich aber einmal vor, es gäbe noch viele verschiedene Währungen, und die D-Mark würde zu all diesen Währungen in Europa aufwerten, zum Lire, zum France, etc – das hätte dann wirklich fatale Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und damit auf die Arbeitsplätze, etc, etc...
Billiger Einkauf sichert Margen
Ein anderer Umstand, warum wir noch einigermaßen gut den hohen Euro verkraften, ist natürlich, dass wir Rohstoffe wesentlich „billiger“ einkaufen können, als andere Länder (z.B.: China (an den Dollar gebunden) und die USA). So können wir natürlich auch die Preise wiederum konstant halten, während andere Exportkonkurrenten nur die Wahl haben, entweder die Preise zu erhöhen oder mit geringeren Margen zu arbeiten. So verwundert es nicht, dass Umfragen zufolge der hohe Euro-Kurs nur jedem siebten Unternehmen Sorgen bereitet.
Ifo-Anstieg ist aktueller Situation geschuldet
Der Anstieg des Ifo-Index muss allerdings genauer betrachtet werden. So stieg der Index zur aktuellen Lage von zuvor 109,6 auf nunmehr 110,4 Punkte. Der Index für die Geschäftserwartungen sank hingegen von 98,6 auf 98,3 Punkte.
Also, um es kurz zu machen: Während alles „tatsächlich“ immer besser wird, steigen die Sorgen der Unternehmen. Hier wird ein gewisser Teil sicherlich auch mit den Sorgen um die Folgen der Kreditmarktkrise zusammenhängen.
Der Wirtschaftszyklus im Chart
Einschub: Etwas anderes Interessantes ist an diesem Chart zu erkennen:
Während am Tief der Börsen im Jahr 2003 beim Ifo-Index die Erwartungen höher gelegen haben als die Einschätzung der aktuellen Situation, hat sich das Bild nun drastisch geändert. Die wirtschaftliche Situation hat sich deutlich verbessert, das zeigt sich in den Werten zur aktuellen Lage, mit der Folge, dass die Erwartungen mittlerweile deutlich unter der aktuellen Einschätzung der Situation liegen.
Sentimenttechnisch stimmt dieses Bild mit dem Werdegang eines Aufwärtstrends überein: Wenn alles wirklich schlimm um die Wirtschaft bestellt ist und die Börsen am Boden liegen, hoffen die ersten Anleger und hier offenbar auch die Unternehmen auf eine Verbesserung. In dieser Erwartung, wenn die Wirtschaft am Boden liegt, steigen die Börsenkurse. Etwas später erst verbessert sich die tatsächlich Situation der Wirtschaft.
Irgendwann kippt das Bild, während die Börse weiter steigt und steigt (hier im Jahr 2006). Die wirtschaftliche Entwicklung ist sehr stark, während die Unternehmen schon von einer Verschlechterung ausgehen. Somit notieren die Erwartungen dieses Mal unterhalb der Einschätzung der aktuellen Lage.
Ob das allerdings schon ausreicht, den Aufwärtstrend endgültig zu beenden, sei dahingestellt. Man muss mit Zeitverzögerungen und anderen Verzerrungen rechnen. Der Ifo-Index ist nicht als eindeutiger Indikator geeignet. Dieses Beispiel sollte lediglich diesen hier schön nachvollziehbaren Zusammenhang demonstrieren. Auf jeden Fall ist es ein kleines Warnzeichen, dass der Trend mittlerweile schon älter geworden ist.
Deutschland im Bann des Weltwirtschaftswachstums
Zurück zum Thema: Vielmehr als unter dem hohen Euro würde die deutsche Wirtschaft unter einem abnehmenden Weltwirtschaftswachstum leiden. Hier ist nach wie vor die US-Wirtschaft die entscheidende Instanz. Sollte sich also tatsächlich eine tiefere Rezession in den USA ausprägen, werden wir das auch hier in Deutschland zeitversetzt zu spüren kriegen.
Börsen nehmen zukünftige Entwicklungen vorweg
Ob es zu einer tiefergehenden Rezession in den USA kommen wird, kann der geneigte Börsianer zumindest zum Teil anhand der Kursentwicklung in den USA ablesen. Sollte es dort also zu nachhaltig fallenden Kursen kommen, müssten wir davon ausgehen. Noch ist das aber nicht sicher.
Zwar dürften wir gestern Abend aufgrund einiger schlechter Nachrichten im US-Finanzsektor eine leichte Panik in den USA miterleben. So brach der Dow Jones vom Hoch zum Tief um 289 Punkte ein. Das wurde aber heute zunächst nicht mehr in Asien und in Europa umgesetzt. Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt, rechne aber eigentlich immer noch mit meiner Seitwärtsbewegung. Die Stimmung ist fast schon zu schlecht für weiter fallende Kurse...
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens
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