Kein Thema!
Axel Retz in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 19. April 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leserinnen und Leser,
Wie die Teilnehmer des G7-Treffens vom vergangenen Wochenende unterstrichen, sind der teure Euro und der niedrige Dollar derzeit „kein Thema". Ich finde diese Aussage, offen gestanden, mehr als mutig.
Denn gegenüber dem Yen hat der Euro in den vergangenen Jahren um rund 50 Prozent zugelegt und zuletzt ein neues Rekordhoch angesteuert. Und das soll „kein Thema" sein? Kein Thema auch, dass das Britische Pfund gegen den Greenback auf ein 15-Jahreshoch geklettert ist. Kein Thema, dass der Euro nur noch einen kleinen Aufwärtstick gegen den Greenback machen muss, um auch hier ein neues Rekordniveau anzulaufen?
Merkwürdig. Was wäre denn für die G7-Staaten ein Thema? Vielleicht ein Einbruch des Dollars? Der konnte näher liegen als erwartet. Die Nachfrage nach Dollars ist heute (allein wegen der Dollarbindung der Rohstoffe und insbesondere des Ölpreises) so hoch wie niemals zuvor: Wer Rohstoffe und Öl kaufen will, muss Dollars haben, ob er will oder nicht.
Dennoch steigt der Dollar nicht, vielmehr wird er schwächer. Einfach weil die Rohstoffproduzenten die eingenommenen Greenbacks so rasch wie möglich wieder in andere Währungen oder Anlagen eintauschen. Und:
Während die konjunkturelle Entwicklung in den USA klar nach unten weist (auch bisher hartnäckige Optimisten sprechen nun von der Gefahr einer Stagflation) und Zinssenkungen damit immer wahrscheinlicher werden, bereitet die EZB die Anleger auf einen weiteren Zinsschritt vor, ähnlich auch die Entwicklung in Großbritannien, wo die Inflation die Notenbank zu einem Zinsschritt nach oben zwingt.
Das heißt:
- Die Zinsdifferenz zwischen Euro und USD nimmt tendenziell weiter ab, was den Druck auf den Dollar aufrechterhält.
- Der schwache Dollar erhöht für die USA die Gefahr einer „importierten Inflation", da Auslandswaren ja teurer eingekauft werden müssen; US-Exporte werden im Gegenzug preiswerter.
- Der starke Euro wird „irgendwann" europ. Exporte in den Dollar- und Yenraum unterminieren. Und auch nach China, da die chin. Währung ja an den Dollar gekoppelt ist.
- Die Gefahr einer plötzlichen „Kernschmelze" des Dollarkurses nimmt zu. Und sie stellt eines der größten Risiken für die internationalen Finanzmärkte dar. Ni hat nur weil sie die Bereitschaft ausländischer Finanziers der US-Schuldenwirtschaft untergraben kann, sondern auch, weil sie auch die US-Aktienmärkte (noch) uninteressanter macht.
EUR/USD-Calls sind das probate Mittel, um sich gegen diese Risiken abzusichern. Keine Zockerscheine bis "übermorgen", sondern länger laufende Calls!