"Kein seltenes Ereignis"

Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Weitere Börsenthemen
vom


Staatspleiten gibt es schon seit zwei Jahrtausenden", schreibt Dr. Tobias Straumann (Privatdozent am Historischen Seminar der Universität Zürich) im Feuilleton der Neuen Zürcher Zeitung vom gestrigen Mittwoch.

Staatsbankrott als Resultat menschlichen Versagens

Für Straumann gilt daher die Botschaft, dass mit Staatsbankrotten jederzeit gerechnet werden müsse. Sie sind nicht wie die Pest, die dank wissenschaftlichem und technischem Fortschritt zum Verschwinden gebracht werden konnten. Staatspleiten seien am Ende des Tages immer Resultat menschlichen Versagens. Und dagegen sei letztlich noch immer kein Kraut gewachsen.


Griechenland als typischer Fall einer Staatspleite

Insofern sei der Fall Griechenland geradezu typisch. Straumann vergleicht die Staatspleite der Hellenen mit dem berühmten Bankrott Argentiniens Ende des 19. Jahrhunderts. Dieser ist unter dem Namen Baring-Krise" in die Geschichte eingegangen. Sehr interessant ist auch, dass Herr Straumann auf den Verlauf von Staatspleiten in der Vergangenheit hinweist. Daraus könne man sehr wohl daraus schließen, auf was es letztlich auch bei der aktuellen Schuldenkrise in Europa hinauslaufen werde.

Typischer Haircut" für die Gläubiger

In der Geschichte war es bisher nicht typisch, dass bei der Zahlungsunfähigkeit eines Staates der Schuldendienst vollkommen eingestellt wurde. Völlig normal sei aber ein sog. Haircut", bei dem die Gläubiger auf einen Teil der Schuldenrückzahlung verzichten müssten. Die totale Schuldenstreichung sei bis dato eher der Ausnahmefall gewesen. Selbst ein zahlungsunfähiger Staat ist nie völlig besitzlos. Es sind mitunter immer noch meist Ländereien und Gebäude vorhanden, die versilbert werden können. Das würden natürlich auch die Gläubiger wissen und daher zumindest eine minimale Schuldenrückzahlung einfordern.

Neue Verpflichtungen überfordern die Staatshaushalte

Schließlich betont Herr Straumann, dass gegenwärtig neue Verpflichtungen unsere Staatshaushalte überfordern würden. Diese seien von einer anderen Qualität, zumal sie auf finanziellen Versprechen beruhen, die ein gutes Leben" auszeichnen. Es sei möglich, dass in den reichen Ländern die diversen Ansprüche und Zahlungen schrittweise ins Gleichgewicht gebracht werden können. Es sei daher verfrüht, jetzt schon von einem neuen Zeitalter des Staatsbankrotts zu reden.

Dennoch sei es nicht schwer, die Prognose zu treffen, dass in den nächsten Jahrzehnten große finanzpolitische Kämpfe bevorstehen würden.

Ja, Dr. Straumann ist vermutlich nicht ganz so pessimistisch wie Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider, der zusammen mit seinen Kollegen Hankel, Nölling, Spethmann und Starbatty gegen die deutsche Griechenland-Hilfe klagen will. Prof. Schachtschneider rechnet in absehbarer Zeit mit einem Währungsschnitt. Seiner Ansicht nach schiele der (deutsche) Staat auf das Privatvermögen der Bürger, das mehrere Billionen Euro groß sei.

Last but not least ein kurzer Blick zum physischen Edelmetallmarkt. Selbst schon sehr lange etablierte Handelshäuser berichten von einem phänomenalen Nachfrageboom, der in der Form auch nicht im September bzw. Oktober 2008 der Fall war. Der Goldpreis lag am Abend bei 916 Euro, die Unze Krügerrand (so noch verfügbar) war für 940 Euro zu haben...


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Kommentar von Gerhard Fink

nur ein Detail: Die Argentinien-Pleite war Ende des 20. Jahrhunderts. wir leben schließlich im 21. JH.

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