Kein Grund für Champagnerkorken
Eric Fry in Traders Daily
vom 15. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Im vergangenen Quartal zeigten die amerikanischen Aktien den größten Anstieg innerhalb eines Quartals seit 1998. Zwischen dem 31. März und dem 30 Juni ist der Standard & Poor's 500 Index um mehr als 15% nach oben geklettert - womit die Leistungen über das Jahr in den schwarzen Bereich gehoben wurden und eine Phase von sechs aufeinanderfolgenden Quartalseinbrüchen des S&P 500 unterbrochen wurde, Das war die längste Phase seit dem Jahr 1970.
Diese Leistungen, die zu knallenden Champagnerkorken führten, verschleierten einige wenige Trends, die die Feiernden hätten besorgter werden lassen sollen.
Zum einen hat der S&P 500 seit dem 8. Mai keinen Boden gewonnen. Das war der erste Tradingtag nachdem die Bundeszentralbank triumphierend die Ergebnisse des Belastungstests für den Bankensektor verkündet hat.
Zum anderen ist der BKX-Index für Finanzaktien seit dem 8. Mai um mehr als 16% eingebrochen. (Wie ich schon zuvor gemerkt habe, hat der Finanzsektor den allgemeinen Aktienmarkt seit gut vier Jahren normalerweise angeführt - sowohl auf dem Weg nach oben als auch auf dem Weg nach unten. Die zögerliche jüngste Leistung des BKX-Index ist also vermutlich nicht „nichts").
Und zuletzt zeigten die meisten Messwerte für die Einstellung der Anleger - wie z.B. der VIX-Index zur Volatilität der Optionen - leuchtende Hinweise auf extreme Zuversicht bei den Anlegern. Normalerweise deuten derartige Werte als widersprüchliche Werte auf einen Ausverkauf am Markt hin.
Doch selbst wenn wir all diese Aktienmarktindikatoren außer Acht ließen, würden wir immer noch viele gute Gründe finden, uns Sorgen über die kurzfristigen Aussichten für den amerikanischen Aktienmarkt zu machen.
Allein schon die Schlagzeilen boten in dieser Zeit viele Hinweise darauf, dass mit dem Zustand der amerikanischen Wirtschaft irgendetwas nicht stimmt.
Zuerst einmal gab das Bankenaufsichtsamt einen besorgniserregenden Anstieg der Verstöße im Bereich der „besseren Hypotheken" im ersten Quartal bekannt. Zum anderen ist der S&P/Case-Shiller Index der Immobilienpreise weiter eingebrochen, sowohl im Jahresvergleich als auch im Monatsvergleich. (Aber das Tempo des Rückgangs verlangsamt sich etwas, was, wie man mir sagte, darauf hindeutet, dass der Markt seinen Tiefpunkt erreicht. Vielleicht ist das so, vielleicht auch nicht. Ich habe diese Ankündigungen fast jeden Monat gehört, seitdem der Immobilienmarkt seinen Gipfel im Jahr 2006 überschritten hat.)
Und zuletzt gab das Conference Board bekannt, dass die Verbraucher wieder einmal deprimiert sind. Die Verbraucherstimmung ist im Juni im Vergleich zum Vormonat deutlich gefallen.
Es stimmt schon, dass ein großer Teil der Wirtschaftsdaten, die über die Nachrichtenkabel hereinkommen, weniger schlecht sind als zuvor. Aber sie sind in keinem absoluten Wortsinne gut. Die wirtschaftliche Not steigt auch weiterhin zwischen den beiden amerikanischen Küsten, mit sehr wenigen Ausnahmen. Der andere aufsteigende Trend ist der der Selbsttäuschung.
In einer der vergangenen Ausgaben habe ich die Bewunderung und den Erfolg, die die „großen Männer" momentan in Amerika genießen, untersucht... und ich habe die Vermutung aufgestellt, dass die Existenz dieser Bewunderung darauf hinweist, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist.
Doch vermutlich ist diese Analyse meinerseits zu schrullig und unwissenschaftlich für die meisten meiner Leser. Also will ich mir im nächsten Beitrag genau das schwere Leben ansehen, dass der kleine amerikanische Mann (und die kleine amerikanische Frau) gerade erdulden.