Kein Ausweg?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 21. Januar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Es gibt keine Möglichkeit, den endgültigen Einbruch eines Booms zu verhindern, der durch eine Kredit (Schulden) Expansion hervorgerufen wurde.
Die Alternative ist nur, ob die Krise früher kommt, als Folge einer freiwilligen Abkehr von einer weiteren Kredit (Schulden) Expansion, oder später, als endgültige und vollständige Katastrophe im betroffenen Währungssystem.
Ludwig von Mises
Lesen Sie dies und weinen Sie.
Von Mises sagte, dass es keinen Ausweg gibt. Es gibt keinen Zaubertrank… kein Patentrezept… kein kostenloses Mittagessen. Wenn man sich Geld leiht, dann muss man es auch zurückzahlen. Ende der Geschichte.
Die Phase der Kreditaufnahme – einer Kreditexpansion – ist erfreulich genug. Man fühlt sich reich… und klug. Man kann Geld ausgeben. Die Vermögenswerte steigen im Preis. Die Aktien steigen. Man kann sogar denken, dass man eine Geheimformel entdeckt hat – eine Möglichkeit, reich zu werden, ohne zu arbeiten oder zu sparen. Es ist so einfach, wie ein Haus zu kaufen. Und dann steigt der Preis. Also kauft man ein weiteres… oder gleich zwei oder drei.
Und dann kommt, oh weh, der Tag, an dem man das Geld, welches man sich geliehen hat, wieder zurückzahlen muss – die Phase der Kreditschrumpfung. Man fühlt sich gleich nicht mehr so schlau. Denn sobald alle versuchen, ihre Schulden abzuzahlen, hat keiner mehr genug Geld, um die Anlagepreise nach oben zu bieten. Das eigene Haus fällt im Preis… und man versucht verzweifelt, die anderen Häuser los zu werden, in der Hoffnung, noch zurückzubekommen, was drin steckt.
Vorgestern fiel der Dow um 277 Punkte.
Es ist ein Bärenmarkt, liebe Leser.
Und das ist genau das, was Aktien während einer Kreditschrumpfung zu tun pflegen. Anlagewerte werden, ganz allgemein, billiger.
“Die Zahl der Hausverkäufe sinkt” in Südkalifornien, heißt es in einem anderen Bericht. Die Verkaufszahlen sind im Vergleich zum Vorjahr um 42% zurückgegangen. Die Preise sind um mehr als 10% gefallen. Und das ist noch nicht das Ende…
Selbst die Schlaumeier an der Wall Street stecken in Schwierigkeiten. Die Expansionsphase des Kreditzyklus war für sie das reinste Zuckerschlecken.
Aber die Schrumpfungsphase ist eine bittere Medizin. In einer der jüngsten Ausgaben des International Herald Tribune heißt es, dass die Citigroup die Geldbeutel in Singapur für einen Bailout im Wert von 22 Milliarden Dollar umgestülpt hat. Gegenüber, bei Merrill Lynch haben sie Singapur bereits im Dezember um 6,2 Milliarden Dollar angeschnorrt. Sie haben 8,4 Milliarden Dollar in Krediten an Kunden geringer Bonität abgeschrieben, und so den größten Verlust in der 93-jährigen Firmengeschichte erzeugt. In diesem Monat haben sie sich an Korea und Japan gewandt, um das 6,6 Milliarden Dollarloch zu stopfen.
Warum wendet man sich an Asien, wenn man Geld braucht? Weil dort das Geld zu finden ist.
“Die Asiaten haben Billionen von Dollar in ihren Reserven”, erklärte Lord Rees Mogg Mitte der Woche bei einem Essen.
„Sie denken vermutlich, dass sie genug von unserem Geld haben. In den nächsten Jahren sieht es so aus, als würden die westlichen Währungen… und die westliche Ökonomien, in Schwierigkeiten geraten.“
Wie an dieser Stelle jüngst berichtet, zeigt der Einzelhandel einen Rückgang bei den Verbraucherausgaben. Selbst die Luxusläden – wie z.B. Tiffany und Ralph Lauren – mussten zusehen, wie ihre Warenbestände um 20 bis 50% zurückgingen.
Was kann man dagegen tun?
Wie von Mises oben beschreibt, ist die einzige Alternative, den Prozess der Kreditschöpfung freiwillig zu stoppen… oder auch weiterhin in Richtung einer „endgültigen und vollständigen Katastrophe im betroffenen Währungssystem“ zu steuern.
In den späten Siebzigern entschloss sich die Zentralbank, Abstand von einer weiteren Kreditschöpfung zu nehmen. Es war ganz offensichtlich, dass noch mehr Geld und noch mehr Kredite die Verbraucherpreise ansteigen lassen würden, ohne damit wirklich zu wirtschaftlichem Wachstum zu führen.
Heute, drei Jahrzehnte später, sind die Raten der Verbraucherpreisinflation immer noch tolerabel. Es ist die drohende Rezession, die nicht tragbar zu sein scheint. Und deswegen fällt die Entscheidung zwischen früher und später ganz deutlich aus – später.
Die Verantwortlichen sagen, es sei besser, den kleinen Teufel direkt vor unseren Augen zu bekämpfen, während sich andere um den großen Teufel Beezelbub kümmern können.
Man hört verschiedentlich, dass die Zentralbank noch vor dem regulär geplanten Termin Ende des Monats zur Tat schreiten könnte… und dass sie dann die Zinssätze um kräftige 0,75% senken könnte. Ich weiß nicht, ob es ihnen gelingen wird, die Korrektur, die jetzt im Gange ist, zu stoppen oder nicht. Doch mein Trade des Jahrzehnts sieht zunehmend besser aus.
Gold während Einbrüchen kaufen… Aktien während Rallys verkaufen.
Die Verantwortlichen können nur die Quantität des Geldes kontrollieren, aber nicht die Qualität. Wenn sie sich zu stark auf die Seite der Quantität lehnen, und Geld im Wert von Billionen von Dollar in das System drücken, als Versuch eine ernste Rezession zu verhindern, dann wird die Qualität des Geldes darunter leiden. Die Asiaten werden dann noch eifriger als je zuvor bemüht sein, den Dollar fallen zu lassen; der Dollar wird fallen… und Gold wird steigen.
Aber für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie die Kreditexpansion freiwillig aufgeben, und die Quantität der Dollar senken, um die Qualität zu schützen, sind sie vielleicht in der Lage, den Anstieg des Goldpreises aufzuhalten.
In diesem Falle würde eine scharfe Rezession fallende Aktienkurse bedeuten. Das ist der Trick, den Paul Volcker in den frühen Achtzigern versucht hat. Der Goldpreis ist eingebrochen. Doch das erst, nachdem er die kurzfristigen Zinssätze auf 20% angehoben hatte… und die Wirtschaft in die schlimmste Rezession seit den dreißiger Jahren getrieben… und die Aktien so weit nach unten gedrückt hat, dass man den gesamten Dow für den Preis einer einzigen Goldunze kaufen konnte. Ganz egal, was auch passiert.
Es liegt noch ein weiter Weg vor uns, ehe wir einen derartigen Wendepunkt erreichen werden. Und wahrscheinlich wird es – wenn man die Situation bedenkt – nicht dazu kommen, ehe wir einen „Crack-Up“ so wie von von Mises beschrieben, durchlebt haben – eine endgültige und vollständige Katastrophe beim Währungssystem.
Whee!