Keilformationen richtig einordnen

Jürgen Nowacki in Investoren Wissen zum Thema Chartanalyse
vom


Kommen wir zur Keilformation. Die ist tricky, weil jeder Beginner glaubt, diese Formation intuitiv erfassen und handeln zu können. Sie suggeriert dem Anfänger, aber vor allem dem Börsianer, der auf einer Verlustposition sitzt, das falsche Bild eines weiter steigenden Marktes (beim Rising Wedge) oder in umgekehrter Richtung das falsche Bild einer Baisse (beim fallenden Keil oder dem Falling Wedge). Die Keilformation ist ,und das ist wichtig, nämlich eine Umkehrformation. Ein steigender Keil (Rising Wedge) suggeriert die Bestätigung eines Aufwärtstrends mit steigenden Hochs und steigenden Tiefs, was sich aber wirklich abspielt, ist eine Trendumkehr, die den ungeübten Trader in der Regel überrascht.


Keilformation am Beispiel von Anntaylor Stores Corp. 

Betrachten wir uns doch einmal den Chart des Modeproduzenten Anntaylor aus dem Jahre 1999 (Quelle: Stockchart.com). Innerhalb des blauen steigenden Dreiecks sind die Medien noch voll des Lobes für die Aktie (die Aktie ist unterbewertet oder Analysten setzten das Kursziel herauf), was den Kurs nach oben treibt. Allerdings entwickelt sich sehr früh ein Warnsignal in Form zweier konvergierender Trendlinien, die sich zu einem (steigenden) Keil formieren. Der Bruch der unteren Trendlinie mit hohem Umsatz aber wird in der Praxis häufig unterschätzt, und das ist der Kardinalfehler. Die anschließende Kurserholung bis an die rote Widerstandslinie heran, führt beim ungeübten Börsianer zum Wunschdenken, dass sich seine Position doch noch aus dem Verlust bewegen könnte, immerhin hat die Aktie von anerkannten Analysten großer Banken gute Noten für Bilanz und G&V bekommen. Was war der Grund für die Trendwende? Meine Stammleser erkennen sofort im untersten Chartbereich, dass sich der Chaikin Money Flow Indikator (CMF), der die großen umsatzgeprägten Transaktionen identifiziert, ins Minus bewegt hat. Das heißt: Fondsmanager haben Kasse gemacht und ihre Positionen (bei guten Unternehmensnachrichten) abgestoßen.

Fazit: Auch wenn das Bild, wie ich erläutert habe, eindeutig scheint, so haben Sie doch jetzt erkannt, dass der Markt nicht immer so klare Bilder sendet. Aber es handelt sich hier um Warnsignale, die nicht gleich zum panikartigen Verlassen des Marktes auffordern, sondern ähnlich wie beim Autofahren darauf hinweisen, die Geschwindigkeit der veränderten Wetter- oder Verkehrssituation anzupassen. Das machen gute Autofahrer auch, wenn keine Schilder zu sehen sind, und das nennt man dann den „sechsten Sinn" entwickeln. So funktioniert die Technische Analyse: Technische Analysten stellen Schilder auf und schärfen das Bauchgefühl des Lesers, nicht mehr und nicht weniger. Für Morgen: Jetzt schauen Sie sich doch einmal für Morgen die Aktie Continental AG in ihrem Chartsystem an. Sie werden vielleicht überrascht sein.  

 

Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen

Jürgen Nowacki

Chefredakteur Target Trader

 

 


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