Keilformation: Bijou Brigitte erfüllt Erwartungen
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 28. September 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
Chart-Technik ist für die Bewertung einer Aktie oder eines Basiswerts ein unabdingbares Instrument. Jeder Anleger, der sich einmal intensiver mit dieser Materie auseinander gesetzt hat, weiß um die Tücken ihrer Gesetzmäßigkeiten. Diese unterliegen in sich ständig wandelnden Märkten auch nicht selten stärkeren Veränderungen. Unumstößlich sind allerdings bestimmte Formationen, deren Existenz die Wahrscheinlichkeit einer bestimmten Entwicklung erhöhen. Beliebt sind dabei Auf-und Abwärtskanäle, Konsolidierungsformationen wie zum Beispiel Flaggen oder auch Doppel-Hoch- oder Tiefpunkte.
Daneben gibt es aber auch einige Formationen, deren Existenz weniger bekannt ist, die aber in ihrer Prognose-Sicherheit mindestens genau wirksam sind. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte „Keil-Formation". Sie tritt infolge einer Konsolidierung eines Basiswertes auf und schließt sich fast immer an eine starke Aufwärts- oder Abwärtsbewegung an. Dabei werden bullische (auf steigende Kurse setzende) und bärische(auf fallende Kurse setzende) Keilformationen unterschieden.
Bullische Formation aus dem Frühjahr nach oben aufgelöst
Viele bullische Formationen des Frühjahrs haben sich idealtypisch bis heute nach oben aufgelöst. Im Januar wies ich in einem Artikel in dieser Kolumne auf die Aktie des Modeschmuckherstellers Bijou Brigitte hin, die ein auffälliges antizyklisches Verhalten an den Tag legte. Bijou Brigitte stellt Modeschmuck für den günstigen Geldbeutel her, die Nachfrage zieht deshalb in wirtschaftlich schlechten Zeiten stärker an, während sie sich in Boom-Phasen wieder auf ein bestimmtes Klientel beschränkt.
Die Aktie des Unternehmens profitierte dementsprechend stark in den noch schwachen Wirtschaftsjahren 2004 und 2005, während es in den Jahren 2006 bis 2008 zu einer ausgeprägten Konsolidierung in dem Titel kam. Technisch gesehen erklärt sich die Einleitung einer umfassenden Abschwung- und Gewinnmitnahmephase in dem Papier aus der Tatsache, dass es innerhalb von nur dreieinhalb Jahren zu einem Anstieg von knapp 13 auf 254 Euro kam. Eine stärkere Korrektur, die sich auch zeitlich ausdehnen würde, musste in diesem Rahmen erwartet werden.
Prognose-Ziel übertroffen
In der damaligen Prognose hieß es: „Der vorliegende „bullische Keil", den die Aktie seit Beginn der Konsolidierungsphase im April 2006 begann auszubilden, setzt sich aus einer langgezogenen Abwärtstrendlinie und einer Parallelen zu den Tiefpunkten der Kursbewegung zusammen. Die Tiefpunkte kommen innerhalb der Abwärtsbewegung dieser Parallelen immer näher, so das in Einheit mit der Abwärtstrendlinie der Eindruck einer „Verkeilung" der Kursbewegung nach unten hin entsteht. Diese Formation wird in aller Regel durch einen Ausbruch des Basiswerts nach oben aufgelöst. Bei Bijou Brigitte folgte der Ausbruch erst mit einiger Verzögerung, aber dennoch regelkonform. Als Ergebnis dieser Entwicklung lässt sich eine Trendwende konstatieren, die mit dem Anziehen der 38-Tage-Linie und dem baldigen Kreuzen der 200-Tage-Linie auf mittelfristig deutlich höhere Kurse schließen lässt. Ein erstes Kursziel liegt im Bereich um 100 Euro".
Trendwende nur von wenigen Käufern bisher begleitet
Wie Sie im aktualisierten Chart sehen können, hat die Aktie diese Prognose nicht nur erfüllt, sondern mittlerweile auch übertroffen. Nach einem Verlaufshoch bei 129 Euro fiel die Aktie in den vergangen Tagen bis auf aktuell 116 Euro zurück. Die Aufwärtsbewegung ist damit aber noch nicht zu einem Ende gekommen. Nach Kursgewinnen von zwischenzeitlich 65 Prozent sind eingeschobene Zwischenkonsolidierungen absolut im Rahmen des intakten Aufwärtstrends zu verstehen.
Der seit März bestehende Aufwärtstrendkanal erlaubt den Bären sogar noch weitere Terraingewinne bis 100 Euro, ohne das damit die Rally ernsthaft gefährdet würde. Unterstützt werden die Bullen zudem von den kurzfristig steigenden 38- und 50-Tage-Durchschnitten, sowie der nach oben drehenden 200 Tage-Linie. Ein wenig Vorsicht muss beim Trendfolgeindikator MACD walten gelassen werden, dass dieser ein kurzfristiges Verkaufssignal geliefert hat. Da sich die Abwärtsdynamik aber bisher kaum ausgeprägt darstellt, dürfte die Aktie im Vorfeld des nächsten Aufwärtsschubes mehr Käufer anziehen.
Die bisherige Aufwärtsentwicklung wurde hingegen mehrheitlich von institutionellen Investoren angeschoben. Deren Bewertungsmodelle dürften eine weitere Erholung der Aktie bis in den nächsten Widerstandsbereich zwischen 149 und 161 Euro zulassen. Eine Übertreibung wäre damit nach kurstechnischen Erwägungen immer noch nicht gegeben. Erst bei Kursen um 200 Euro würde die Luft wieder deutlich dünner werden.
