Kaum noch Angst ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 15. November 2004 18:00 Uhr
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In der letzten Handelswoche konnte der deutsche Leitindex erneut kräftig zulegen. Am Freitag ging der Dax nur knapp unter dem bisherigen Jahreshoch aus dem Handel.
Ohne Zweifel, der Aktienmarkt präsentiert sich seit dem klaren Ausgang der US-Präsidentschaftswahl in einer äußerst robusten Verfassung. Der marktbreite S&P 500 befindet sich gar auf einem neuen Drei-Jahreshoch. Dies- und jenseits des Atlantiks entwickeln sich vor allem die Nebenwerte weit besser als die großen Standardwerte. Bspw. haben in den vergangenen Tagen der deutsche M-Dax bzw. in den USA der Russell 2000 neue All-Time-Highs erreicht.
Insofern verwundert es keineswegs, dass nunmehr fast alle Marktteilnehmer fest von einem weiteren signifikanten Anstieg der Aktienmärkte überzeugt sind. Die Stimmung ist fast schon euphorisch. So werden von großen institutionellen Anlegern für den Dax Kursziele von bis zu 4800 genannt. Dem Dow Jones Index wird in der ersten Jahreshälfte des nächsten Jahres gar ein neues Allzeithoch zugetraut.
Das Markt-Sentiment ist äußerst bullish gestimmt. Auf den ersten Blick jedenfalls.
Nicht einmal mehr ein Fünftel sind auf der Bärenseite. Der Angst-Indikator V-Dax ist am Freitag auf ein neues Achtjahrestief gefallen. Es scheint nur noch Marktteilnehmer zu geben, die sich völlig angstfrei in Sicherheit wiegen.
Sicherlich kann diese Sorglosigkeit noch für eine gewisse Zeit anhalten. Gewiss kann dies dazu führen, dass die Aktienmärkte weiter steigen werden und auch der Dax neue Jahreshochs erreicht.
Aber am Ende des Tages wird sich diese kurzfristige Entkopplung vom harten realwirtschaftlichen Fundament bitter rächen.
Anzeichen dafür gibt es gigantisch viele. So ist zum Beispiel einer ersten Schätzung zufolge die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal 2004 erneut in die Stagnation zurückgefallen, das reale Bip-Wachstum im Vergleich zum Vorquartal betrug nur noch 0,1 Prozent. Auch ist die deutsche Industrieproduktion im September überraschend gefallen, und zwar um 1,2 Prozent im Vergleich zum August. Experten hatten dagegen ein Plus beim Ausstoß des verarbeitenden Gewerbes erwartet.
Zudem scheint die Lage der öffentlichen Kassen immer mehr außer Kontrolle zu geraten. Im Jahr 2004 nimmt der deutsche Bundesfinanzminister nach jüngsten Angaben 43,7 Milliarden Euro neue Schulden auf. Dies ist fast doppelt so viel wie die geplanten Investitionen in Höhe von 24,6 Milliarden Euro. Mehr denn je manövrieren sich die Staatsfinanzen in die Schuldenfalle. Momentan ist es schon so weit, dass die Neu-Schulden bereits höher als der Zinsdienst für die bereits aufgehäuften Schulden sind. Anders formuliert können die Zinsen scheinbar nur noch mit neuen Schulden gezahlt werden.
Wie dem auch sei, zur momentanen Euphorie an den Börsen trägt sicherlich die Konsolidierungsphase beim Ölpreis maßgeblich bei. Gewiss besteht nach dem starken Anstieg in diesem Jahr noch ein wenig Korrekturbedarf. Die momentan rückläufige Tendenz herrscht ja erst sei drei Wochen vor. Aber die aktuelle Entwicklung ändert nichts am weiterhin völlig intakten langfristigen Aufwärtstrend. Im Gegenteil, sie ist sehr gesund und stellt ein gutes Fundament für die Fortsetzung der Mega-Hausse dar.
Apropos Mega-Hausse, der Gold-Preis erreichte in den vergangenen Tagen mit einem Stand von über 438 $ ein neues 16-Jahreshoch. Für die meisten Marktteilnehmer hängt dies nur mit dem vor allem gegenüber dem Euro weiterhin stark abwertenden US-Dollar zusammen. Gold gilt für viele immer noch als "barbarisches Relikt" der Vergangenheit.
Am Ende des Tages wird aber Gold eine Währung sein, die den Niedergang der Kaufkraft des Papiergeldes kompensieren kann ...