Kaufgründe und Erfolg
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 2. Februar 2009, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
wie wichtig sind eigentlich die Gründe, weshalb Sie als Anleger Aktien kaufen? Geht es einfach nur darum, genug "gute Gründe" zu haben oder bestimmt nicht schon der Grund, warum Sie eine Aktie kaufen, letztlich Ihren Investment-Erfolg?
Gerne höre ich folgende Gründe für Aktienkäufe:
- Die Aktie ist spottbillig
- Die Aktie hat einen Boden gebildet
- Die Aktie bietet eine sehr große Dividende
- Die meisten Analysten geben der Aktie ein "Buy"-Rating
- Insider kaufen die Aktie
- Die Aktie bietet ein attraktives langfristiges Gewinnpotential
Sehen wir uns diese Gründe doch einmal näher an:
Spottbillige Aktien mit niedrigem Preis zu kaufen ist sicherlich eine Versuchung. Doch die meisten Aktien haben aus gutem Grund einen niedrigen Preis. Natürlich gibt es ein paar davon, welche tatsächlich unterbewertet sind, aber sind wir einmal realistisch, so ist die Chance, diese wirklich zu finden, für die meisten "Hobbybörsianer" doch eher niedrig.
Die Aktie hat einen Boden gebildet? Eventuell schön und gut für sehr routinierte Trader, welche ausschließlich nach bewährten Mitteln der technischen Analyse arbeiten.. für Investoren sollte dies kein Kaufgrund sein, denn diese kaufen ein funktionierendes Geschäftsmodell und nicht die Psychologie hinter dem Aktienkurs.
Sie mögen Aktien mit hohen Dividenden? Alleine die Tatsache, dass die Aktie eine hohe Dividende hat, bedeutet gar nichts, so lange nicht klar ist, weshalb die Dividende derart hoch ist bzw. ob diese stabil ist. Als alleiniger Kaufgrund scheidet aus meiner Sicht eine hohe Dividende aus. Auch hier hängt es davon ab, ob das Geschäftsmodell, also die fundamentale Lage der Firma hinter der Aktie, diese Dividende dauerhaft rechtfertigt.
Kommen wir zu den "Buy"-Ratings der Analysten. Hierauf würde ich nicht nur aufgrund der nachweislich schlechten Performance der meisten Analysten nicht zählen, sondern auch deshalb, da in der offiziellen Sprache der Wall Street "Buy" so viel bedeutet wie, die Aktie hat fundamental kein Problem (was nicht heißt, dass sie gut ist!) und "hedge" bzw. "neutral" so viel bedeutet wie "Verkaufen!". An Ihrer Stelle würde ich mich nur auf wirklich 100% unabhängige Ratings verlassen und nicht auf offizielle Wall Street- und Bankenratings setzen. Außerdem ist das Risiko, dass der sprichwörtliche Zug bereits abgefahren ist, sehr hoch, wenn die Masse der öffentlichen Analysten eine Aktie mit "buy" bewertet.
Ein beliebtes Argument sind oft auch die Insider-Käufe. Natürlich sind diese nicht selten sehr nützlich und auch präzise, doch würde ich auch diesen nicht blind vertrauen. Gerade im letzten Jahr haben sich massiv Insider verzockt, da sie auf eine Erholung der Märkte bzw. der Wirtschaft setzten. Prinzipiell würde ich einzelnen Insider-Verkaufssignalen weniger Bedeutung beimessen als Käufen, da Verkäufe aus den verschiedensten Gründen stattfinden können (persönlicher Kapitalbedarf, etc.). Erst wenn sich Insider-Signale häufen, würde ich dies sehr kritisch sehen.
Was bleibt also noch?
Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, meine Grippe sei mir auf den Magen geschlagen und ich hätte heute einfach das Bedürfnis, einmal alles schlechtzureden, so halten Sie bitte einen Moment inne. Natürlich sind einige der o.g. Punkte durchaus hilfreiche Indizien bei der Betrachtung einer Aktie, doch verspricht das Fixieren auf diese Punkte alleine dem Investor in meinen Augen keinen Erfolg. Viel mehr sollte für diesen die einzig entscheidende Frage gelten:
Bietet die Aktie ein langfristig interessantes Gewinnpotential?
Wer diese Frage im Detail und genau beantworten will, stößt mit seinem Analyseprozess m.E. zwangsweise in die richtige Richtung und kommt letztlich zu einem vernünftigen Ergebnis, da hier alle wesentlichen Punkte (Geschäftsmodell, Bewertung der Aktie, etc.) untersucht werden müssen und somit die Gefahr, für den Investor falschen bzw. zu oberflächigen Kaufgründen aufzusitzen, deutlich reduziert ist (Für Trader gelten natürlich andere Regeln...).
Beste Grüße
Alexander Hahn