Kaufalternative: Optionsschein versus Hebelzertifikat
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 23. Mai 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
Trader´s Daily-Leser Folker W. schrieb mir:
"Bei der Kaufalternative Optionsschein versus Hebelzertifikat wird argumentiert, dass bei niedriger Volatilität der Kauf des Optionsscheins zu bevorzugen ist (Preis des Optionsscheins kann schon allein durch den Anstieg der Volatilität steigen) und bei hoher Volatilität der Kauf des Hebelzertifikats zu bevorzugen ist (Preis für Hebelzertifikat ist unabhängig von der Volatilität). Ich habe in diesem Zusammenhang von einer Daumenregel - unabhängig von der Erwartung steigender Märkte (Hebelzertifikat) oder fallender Märkte (Optionsschein) - für Hebelprodukte auf den DAX durch die Messung der Volatilität anhand des VDAX VDAX gehört."
Und weiter: "Der VDAX, der als Marktmaßstab für die Volatilität fungiert, zeigt ja die Schwankungsbreite. Angeblich soll bei einem VDAX-Wert von unter 20 der Kauf eines Optionsscheins interessanter und bei einem VDAX-Wert über 20 der Kauf eines Hebelzertifikats interessanter sein...Gibt es einen VDAX-Wert (Maßsstab für Marktvolatilität) der bei einem Hebelproduktinvestment auf den DAX eher für den Kauf eines Optionsscheines bzw. eines Hebelzertifikates spricht? ...Und wo wäre dieser VDAX-Wert anzusiedeln (wie gesagt, ich habe von einem angeblichen VDAX-Wert von 20 gehört)? Für die Beantwortung dieser wahrscheinlich ausgefalleneren Anfrage danke ich Ihnen herzlich."
Meine Antwort:
Das hat der Leser schon ganz richtig gehört....und als Daumenregel durchaus brauchbar.
Ich schaue übrigens eher auf den "VDAX-NEW" (nicht den VDAX), wenn der unter 20 ist....
...und nur dann sind Optionsscheine für mich eine Überlegung wert. Heißt also nicht, dass ich selbst dann auf Optionsscheine setze.
Denn wissen Sie, mir persönlich ist es am liebsten, den Faktor "Vola"(tilität) ganz auszuschalten, und das geht eben über Hebelzertifikate sehr einfach.
Einfach und verständlich - so mag ich die Funktionsweisen von Scheinen.
Wenn ich z.B. ein Hebel-Zertifikat auf den Silberpreis kaufe, dann hängt die Kursentwicklung fast ausschließlich nur von der Entwicklung des Silberpreises ab. Punkt.
Was soll ich mir da mit einem Optionsschein noch die "unberechenbare" Volalitätsentwicklung mit reinnehmen?
In diesem Zusammenhang möchte ich vor dem "Basiswert Volatilität" warnen. Es gibt nämlich Zertifikate, welche als Basiswert die Volatilität in Form z.B. des VDAX-NEW haben.
Der Laie denkt dann, dass diese Scheine im Kurs steigen, wenn der VDAX-NEW steigt.
Das kann so sein - muss es aber nicht. Denn Basiswert ist (zumindest bei den Scheinen, die ich kenne) ein Future auf den VDAX-NEW. Und bei Futuren haben wir wieder den Fall der...richtig, Roll-Problematik.
Und da die VDAX-NEW Futures aktuell in Contango notieren, bedeutet das, dass jedes "Rollen" negativ ist. Insofern kann so ein Schein auf "Volatilität" im Kurs fallen, obwohl der VDAX-NEW keineswegs gefallen ist.
Mein Rat: Vorsicht vor solchen Scheinen, in der derzeitigen Phase! (Alles hat seine Zeit...bzw. nicht seine Zeit...)
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche.
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily