Kartentricks
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 24. Oktober 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Die Vogelgrippe nähert sich aus dem Osten.
Hurrikan Wilma kommt aus dem Süden.
Die wahre Bedrohung jedoch, so warnten Jeremias die Israeliten und der Priester von St. Michael die Londoner Gemeinde, ist eine interne und keine externe.
Aber hier gestehe ich dem Teufel seinen Anteil zu. Die Ereignisse sind immer irgendwie miteinander verbunden. Das Eine führt zum anderen, und zu wieder einem anderen ... wohin die Kette führt, kann man nicht wissen. Aber manchmal sieht es so aus, als liefe alles schlecht.
Die Tochter von King Edward III starb im 14. Jahrhundert an der Pest. Sie war nicht die einzige. Die Krankheit riss auch den König von Kastilien mit, die Königin von Aragón, den Sohn des Kaisers von Byzanz, die Königin von Frankreich und die Königin von Navarra. Weder der Adels- noch der Priesterstand schützten vor der Krankheit.
Der Erzbischof von Canterbury starb, dann starb auch sein Nachfolger und derjenige, der zu dessen Nachfolge bestimmt war.
In manchen Gegenden wurde die Hälfte der Bevölkerung ausgelöscht, und von der Bevölkerung zwischen Indien und Island war ein Drittel verschwunden, ehe die Pest verschwand.
Wo kam die Pest her? Sie kam mit dem großen mongolischen Imperium. In der Schlacht um die genuesische Hafenstadt Kaffa (heute Feodosia) hatten die belagerten Mongolen eine Idee; sie katapultierten die Leichen ihrer eigenen Pestopfer über die Stadtmauern. Es brauchte nicht lange und die Flöhe sprangen von den toten Körpern auf ihre lebenden Opfer über ... und schon bald war die ganze Stadt krank. Die, die immer noch gesund waren, hatten genug, sie zogen sich mit ihren Galeeren über das schwarze Meer zurück in ihre Heimat, nach Genua und brachten die verfluchte Krankheit mit dorthin.
Für viele muss der Tod durch die Pest eine willkommene Erleichterung gewesen sein. Europa erlitt zu Beginn des 14. Jahrhunderts einige der schlimmsten Unwetter, die schlechtesten Ernten und die blutigsten Unruhen der Geschichte. Gewaltige Stürme erreichten die Küste und zerstörten die Deiche. Kalte und regnerische Sommer zerstörten die Ernten. Der Preis für Lebensmittel stieg um 500 %. Die Leute aßen Katzen, Ratten und sogar den Mist der Tiere. Als diese Köstlichkeiten immer knapper wurden, gruben sie die Toten wieder aus und aßen diese.
Diejenigen die nicht verhungerten oder an der Pest starben, wurden oft Opfer von Gewalt. 1303 wurde selbst der Papst von einer wilden Meute gefangen genommen. Er starb kurz darauf unter mysteriösen Umständen. Der nächste Papst wurde ermordet. Sein Nachfolger verlegte die gesamte päpstliche Verwaltung nach Frankreich, Avignon, weil er dachte, er sei dort sicherer.
Aber es gab nicht mehr viele sichere Orte. Die Bauernaufstände, der Hundertjährige Krieg, die Jakobiten, die Welfen gegen die Staufen, Horden von Briganten streiften durch die Lande. "Was können die sagen, die dieses lesen oder die es gelesen hören", fragte sich der führende Historiker dieser Zeit, Froissart, "als dass es das Werk des Teufels seyn müsse."
Der Teufel geht seltsame Wege. Er macht die Leute das glauben, was sie glauben müssen, wenn sie es glauben müssen. Deshalb ist auch der amerikanische Finanzminister auf Vergnügungsreise durch die Welt und erzählt den armen unbedarften Chinesen, sie sollten die "fortschrittlichen" Fachkenntnisse der Wall Street nutzen lernen. Ich habe keine Ahnung ... aber ich denke, dass sie vielleicht auch gerade dabei sind, Leichen in hohem Bogen über die Stadtmauern zu werfen, um so unsere Rivalen mit der Krankheit zu infizieren, die die angelsächsischen Ökonomien so sehr geschwächt hat.
Sicher, nur wenige Menschen an der Wall Street oder im Finanzministerium würden mir hier zustimmen. Sie behaupten, dass bei dieser Geldschieberei Zauberei im Spiel ist. Die fortschrittlichen Händler rollen ihre Ärmel hoch, trennen die Kartenstapel, mischen die Karten und dann Hokus-Pokus ... schon gibt es doppelt so viele Karten. Hier in London sieht man die Beweise für diese Fachkenntnisse an allen Orten. The City, das, was in London der Wall Street in Amerika entspricht, ist der profitabelste Industriezweig des Landes. Auf beiden Seiten des Atlantiks scheinen die Herren des Universums die besten Karten in den Händen zu halten.
Gehen Sie doch einfach mal, ohne reserviert zu haben, in ein angesagtes Restaurant oder versuchen Sie, die Straße zu überqueren, ohne nach rechts und links zu sehen. Dann werden Sie sehen, wie man ohne Abendessen dasteht oder ohne Bein. Als schwacher Trost kann man sich dann sagen, dass man entweder 500 Dollar gespart hat, oder dass das Auto, das einen überfahren hat, ein Porsche war. Und all das Geld muss irgendwoher kommen. Aber woher? Wollen sie der Welt wirklich einen 'New Deal' anbieten, der auf fortschrittlichen Erkenntnissen basiert die das Kapital besser verteilen und so jedem Wohlstand bringen? Ist es ein weiterer Meilenstein auf der Straße zu Fortschritt, Demokratie und Reichtum?
Oder handelt es sich dabei wieder nur um einen teuflischen, alten Trick beim Mischen der Karten – bei dem man die Welt mit Schulden überschwemmt während man selbst die besten Karten herausfischt.
Wir werden sehen, wir werden sehen ...