Kapitallücken...
Henrik Voigt in Investors Daily
vom 14. Mai 2009, 18:00 Uhr
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Liebe Leser,
am vergangenen Donnerstag wurden nun endlich offiziell die Ergebnisse des US-Banken-Stresstests veröffentlicht, nachdem dieser Termin mehrfach verschoben wurde. Das Ergebnis in Kürze: 10 der 19 Großbanken benötigen weiteres Kapital zum Überleben in einer Größenordnung von insgesamt 75 Milliarden Dollar.
Offizielle Testergebnisse fielen moderat aus
Der Markt war wohl von noch schlimmeren Zahlen ausgegangen und so gab es nach dieser Nachricht erst einmal eine Erleichterungsrallye. Die Analysten der UBS stuften den gesamten Sektor gleich mal von „Untergewichten" auf „Übergewichten" hoch. Was für ein Timing, jetzt wo die Banken über 100% Rallye hinter sich haben!
Wurden die Ergebnisse „geschönt"?
Inzwischen mehren sich allerdings die Medienberichte (u.a. vom renommierten Wall Street Journal), nach denen die Testergebnisse nicht auf soliden Berechnungen beruhen, sondern auf einem Feilschen zwischen den Banken und Regierungsbeamten. Danach wurden bei der Prüfung durch die US-Notenbank Fed festgestellte Kapitallücken nach Protesten der betroffenen Finanzinstitute im Zuge von Verhandlungen "geschrumpft", berichtete die Zeitung am Samstag unter Berufung auf informierte Kreise. So hätte beispielsweise die Citigroup anstelle der offiziellen Zahl von 5,5 Milliarden $ einen tatsächlichen Kapitalbedarf von 35 Mrd. $. Der wäre also mal eben um das Siebenfache höher!
Glaubwürdigkeit der US-Notenbank dürfte schwer darunter leiden
Ich schrieb Ihnen ja bereits in der letzten Dax-Profits-Ausgabe, dass die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank auf dem Spiel steht, dass mir die Verschiebung der Ergebnisveröffentlichung verdächtig vorkommt und das die Testkriterien ohnehin viel zu lasch sind. Das alles hat sich inzwischen offensichtlich bestätigt. Auf die Aussagen der FED oder von US-Politikern oder US-Bankern brauchen wir also zukünftig nicht mehr besonders zu achten. Wozu erst einen Stresstest, wenn die Ergebnisse nach Belieben verändert werden können? Da hätte man sich das ganze Theater gleich sparen können.
Der Markt wird seine eigenen Schlüsse daraus ziehen. Wie das aussehen könnte, habe ich in der aktuellen Ausgabe von Dax Profits untersucht.
Ihr
Henrik Voigt
Chefredakteur Dax Profits
Mehr Informationen über Henrik Voigt und seinen Börsendienst finden Sie hier: Dax Profits