Kapitalismus – gut für die Kriegsführung
Daniel Denning in Investors Daily
vom 22. November 2002 18:00 Uhr
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Die US-Administration ist darauf vorbereitet, den Staat zu verteidigen. Der Geldbetrag, den der Kongress dem Verteidigungsministerium zugebilligt hat, ist beeindruckend. Noch mehr, wenn man sich ansieht, wofür das Geld verwendet werden soll.
- Die Air Force wird 13 Milliarden Dollar für 15 neue Transportflugzeuge ausgeben. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt von Mauritius, einem aktuellen Mitglied des UN-Sicherheitsrates, liegt bei 4,5 Milliarden Dollar.
- Die US-Armee wird 2,2 Milliarden Dollar für Kettenfahrzeuge ausgeben, für neues Equipment und sonstiges.
- Die US-Marine wird für 4,6 Milliarden Dollar auf Einkaufstour gehen.
Unglaublicherweise war der Kauf von neuen Waffensystemen der einzige Bereich des Verteidigungsbudgets, den Bush nicht steigern wollte. Der Kongress hat die Ausgaben diesen Bereich dennoch erhöht. Aber der größte Anstieg bei den Verteidigungsausgaben ist den Ausgaben für laufende Operationen und den Soldzahlungen zu verdanken.
Die Bush-Administration will in den nächsten 5 Fiskaljahre insgesamt 2,1 Billionen Dollar ausgeben (Gesamthaushalt). Die jährlichen Verteidigungsausgaben sollen von 350 Milliarden Dollar im laufenden Jahr auf 470 Milliarden Dollar im Jahr 2007 steigen.
Derzeit beträgt der Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ungefähr 3 %. Zwar liegt der historische Durchschnittswert deutlich darüber, aber die USA geben trotzdem derzeit mehr für ihre Verteidigung aus als die nächsten 20 Nationen zusammengenommen! Selbst ein moderater Anstieg der Verteidigungsausgaben (gemessen an einem steigenden Anteil am BIP) würde diesen Ausgabenblock schnell auf über 500 Milliarden Dollar pro Jahr hieven. Das würde so ziemlich ausreichen, um dem Rest der Welt auf unbestimmte Zeit den Krieg zu erklären. Natürlich hat die Bush-Administration schwarz auf weiß klargemacht, dass ihr Ziel die totale militärische Vormachtstellung ist. Hier ein Auszug aus einem entsprechenden Schreiben vom Spätsommer:
"Die USA müssen und werden die Kapazität haben, jeden Angriff irgendeines Feindes auf die USA, ihre Alliierten oder Freunde, zu zerschlagen. Wir werden Kräfte unterhalten, die uns ermöglichen, unsere Verpflichtungen zu erfüllen und die Freiheit zu verteidigen. Unsere Kräfte werden stark genug sein, um potenzielle Gegner davon abzuhalten, militärische Kräfte in der Hoffnung auf ein Gleichziehen mit den USA aufzubauen."
Nichts davon ist gut für Pazifisten. Die Marktkapitalisierung der Unternehmen des Sektors militärische Luftfahrt beträgt zusammengenommen 119 Milliarden Dollar. Die fünf größten der Gruppe – Boeing, General Dynamics, Honeywell, Lockhead Martin und NorthropGrumman – haben eine kombinierte Marktkapitalisierung von 98,5 %, das sind fast 80 % des
Neben diesen Top 5 haben noch 5 andere der verbleibenden 51 Gesellschaften eine Marktkapitalisierung von über 1 Milliarde Dollar. Das bedeutet, dass 46 von 56 Gesellschaften dieses Sektors ziemlich kleine Gesellschaften sind. Und die großen Institutionellen Investoren ignorieren normalerweise Aktien mit einer Marktkapitalisierung unter 1 Milliarde Dollar. Das bedeutet, dass es für Kleinaktionäre wie Sie und mich die Gelegenheit gibt, einige attraktiv bewertete Aktien in diesem Sektor zu finden.
Ich denke, dass diese Aktien im derzeitigen Umfeld eine gute Investitionsmöglichkeit sein könnten. Ein Artikel im Wall Street Journal vom Montag hat Verteidigungsaktien schlecht gemacht. Der Artikel sagt, dass diese Aktien seit dem 11. September 2001 schon zu stark gestiegen seien. Und die Steigerungsraten bei den Verteidigungsausgaben würden sich in den nächsten Jahren wieder abflachen.
Ich stimme mit dem ersten Punkt mit dem Artikel überein, aber nicht mit dem zweiten. Die Verteidigungsausgaben werden in den nächsten 5 Jahren um über 500 Milliarden Dollar zunehmen. Trotz Haushaltsdefiziten wird Amerika nicht am Verteidigungsetat sparen. Besonders nicht wegen der dauerhaften Bedrohung durch Terroristen. Kapitalismus – besonders die Produktion von reichtumsproduzierendem Kapital – ist sehr effizient, wenn es darum geht, Kriegsmaschinen zu bauen.
Victor Hanson hat in seinem Buch "Carnage and Culture" Folgendes geschrieben: "Freies Kapital ist der Schüssel zur großflächigen Kriegsführung, es ermöglicht es den Armeen, versorgt zu werden und zu kämpfen. Kapital ist die Quelle von technologischen Innovationen, und die sind eng mit Freiheit verbunden, weil sie oft ein Anzeichen von Individualismus sind – der aber wiederum im Zeitablauf generell kritisch gegenüber militärischen Erfolgen eingestellt war. Dieser Kapitalismus wurde in Westeuropa geboren, expandierte dann durch Europa, überlebte die Paradigmen von Sozialismus und Kommunismus und fand sich zuletzt untrennbar verknüpft mit persönlicher Freiheit und Demokratie. Gleichzeitig begründete er die westliche militärische Dominanz seit der Schlacht von Salamis bis zum Golfkrieg."
Um konkret zu werden: Man muss sich nur die Midway-Schlacht ansehen (USA gegen Japan, 4. bis 8. Juni 1942). Die Japaner hatten vier Flugzeugträger, die Richtung Midway liefen. Ihr Plan war es, die Reste der beschädigten amerikanischen Pazifikflotte zu zerstören, Midway zu erobern, und vielleicht auch Hawaii.
Aber weil die Amerikaner die japanischen Verschlüsselungscodes geknackt hatten, wussten sie, wo die Japaner waren. Und die Flugzeuge der noch vorhandenen drei amerikanischen Flugzeugträger starteten parallel einen Angriff. Aber die Jagdflugzeuge, die die taktischen Bomber schützen sollten, verloren die Bomber, die ohne Schutz die japanische Flotte angriffen.
41 taktische Bomber griffen die japanische Flotte an. Diese Flugzeuge konnten froh sein, wenn sie auf eine Geschwindigkeit von 100 Meilen pro Stunde kamen. Und sie trugen nur eine Waffe – einen Torpedo, der oft nicht funktionierte. Sie konnten insgesamt 175 Meilen weit fliegen. Zum Vergleich: Die japanischen Jäger (die "Zeros") konnten fast 300 Meilen pro Stunde erreichen. Das Ergebnis war deshalb, dass 35 der 41 Bomber von den Japanern abgeschossen wurden. Die meisten der amerikanischen Piloten wussten, dass sie getötet würden.
Aber weil die japanischen Jäger mit diesen taktischen Bombern beschäftigt waren oder gerade betankt wurden, übersahen sie eine zweite Welle von amerikanischen Sturzkampfbombern. Diese zweite Welle attackierte die japanischen Flugzeugträger und versank alle 4 in wenigen Stunden. Die Amerikaner hatten nur einen Flugzeugträger verloren, aber von diesem Zeitpunkt an startete die amerikanische Kriegsmaschine durch.
1945 produzierte die amerikanische Industrie alle 36 Minuten einen B–24 Bomber (der aus über 100.000 Teilen bestand). Und in weniger als 4 Jahren hatten die USA fast 300.000 Flugzeuge und 87.620 Kriegsschiffe produziert. Laut Hanson "baute die amerikanische Industrie ganze Flotten in 6 Monaten."
Die Lehre daraus ist offensichtlich: Westliche Nationen mit freien Märkten gewinnen tendenziell Kriege. Sie haben das Geld – das Kapital –, weil ihre Volkswirtschaften frei sind, genau wie ihre Menschen. Das sind gute Vorraussetzungen für einen Krieg – wenn man das so sagen kann. Aber das Amerika von heute ist nicht das von 1942. Das Bruttoinlandsprodukt mag größer sein, aber die wirtschaftlichen Angewohnheiten sind schlechter geworden. Wenn die Amerikaner nicht dazu zurückkehren, lieber zu sparen und in Kapitalgüter zu investieren als zu konsumieren, dann wird auch die amerikanische Fähigkeit, Kriege im 21. Jahrhundert zu führen, dadurch beschädigt werden.