Kann man vom Traden LEBEN?
Markus Schoor in Investoren Wissen
vom 02. Januar 2007 16:00 Uhr
ENL5462
Anmerkung der Redaktion: da Dr. Schoor zur Zeit in einem Kurzurlaub ist, stellen wir in den kommenden Ausgaben ein paar seiner immer wieder lesenswerten "Klassiker" hier ein:
lieber Leser,
Seit 6 Jahren begleite ich Menschen (und Institutionen) ganz persönlich bei Ihrem Umgang mit der Börse. Das ist mein Job. Und sobald jemand das verstanden hat, dauert es mehr oder weniger lange, bis ich diese „Gretchen-Frage“ gestellt bekomme:
Nun, kann man vom Traden leben? Ja und Nein.
Im Prinzip ist die Frage sehr ungenau, denn sie nennt nicht den Preis, den man dafür zahlen muß, wenn man an der Börse sein Einkommen verdienen will. Wieviel Zeit wollen Sie einsetzen, wieviel Geld können Sie einsetzen, welche Bereitschaft sich selbst zu verändern, bringen Sie mit? Auf jeden Fall funktioniert es nicht wie beim Arzt – es gibt nicht einfach eine Pille, die man schlucken kann, eine Strategie, die man lernen kann, und dann wird alles gut.
Deshalb stelle ich fünf Grundregeln auf, die mir Gelegenheit geben, die Frage zumindest „akzeptabel“ zu beantworten. Dennoch bleibt: es gibt immer wieder wunderliche Wege – Gottes Wege sind unerschöpflich!!
Grundregel 1 – Die Börse ist kein Platz, an dem man durch Arbeit reich wird!
Sie können als Banker, Börsenmakler, Finanzjournalist, als Fondsverkäufer reich werden – das sind alles wirkliche Jobs. Aber „TRADEN“ – der Kauf und Verkauf von Wertpapieren – ist nicht mit der Einstellung „ich mach mich jetzt mal an die Arbeit“ zu knacken. Vielmehr ist dauerhafter Erfolg beim „Traden“ eher so etwas wie gelebte Dankbarkeit anstelle von „schaffe, schaffe Häuslebauen“, eher so etwas wie Meditation oder Trampolinspringen, anstatt dem Ergebnis schweißtreibenden Arbeit.
Ich kann Ihnen nur dringend raten, Ihren bisherigen Job nicht aufzugeben! Sie brauchen Ihn! Ihr Job, und sei es ehrenamtlich, strukturiert Ihr Leben und gibt Ihnen einen Rhythmus. Die Börse dagegen ist ein Rhythmusbrecher: Sobald Sie im Gedankenstrom (Bloomberg, NTV, schlaue Börsenletter lesen, usw.) der Börse einen Rhythmus zu erkennen glauben und ihm zu folgen beginnen, wird die Börse den Rhythmus abrupt brechen – und Ihnen vermutlich Verluste bescheren. Dieser Effekt ist für viele Millionen Börsenverluste jedes Jahr verantwortlich.
Meine Erfahrung hat gezeigt. Arbeiten Sie etwas – und nebenbei scheffeln Sie Geld an der Börse! Dieses Modell ist für die meisten Menschen am erfolgreichsten.
Grundregel 2 – Es gibt keine Gurus – Sie sind der Guru!
Jeden Tag suchen schätzungsweise 3000 Menschen im Internet nach einem Finanzguru, der sich niemals irrt. Schade, daß dieser, sobald er von Ihnen entdeckt worden ist, beginnt sich zu irren! Nein – es gibt ihn nicht! Es kann ihn nicht geben, denn das Universum verlangt von Ihnen, daß Sie 100% Verantwortung für Ihr Handeln übernehmen, denn sonst wäre Ihre Freiheit auch nichts wert. (Wer dies glaubt, geht ins Kasino und läßt sich das Glück zuwürfeln!)
Nun ist dieses Universum so konstruiert, daß Sie alle Wünsche fraglos erfüllt bekommen, wenn Sie etwas Zeit und echte Lernbereitschaft mitbringen. Wenn Sie mir nicht glauben wollen, lesen Sie das Buch von Wattles: „Das Gesetz des Reichwerdens“. Die Frage ist: Sind Sie bereit, ein guter Investor zu werden?
Grundregel 3 - Wieviel Geld brauche ich und welche Ausrüstung?
Sie brauchen einen zuverlässigen Computer mit Internetanschluß, einen Online-Broker, 5000 Euro - aber noch viel wichtiger: Sie brauchen selbstverdientes Geld. Geld ist eine Energie, von der unendlich viel im Raum schwebt. Das kann man auch leicht beweisen: Das Geld wird oft durch eine Geschäftsidee in die Welt gebracht, die den Menschen bewußt macht, was Sie sich wünschen können. 1975 haben die Menschen einfach nicht gewußt, daß man sich Handys wünschen kann. Noch 150 Jahre zuvor wäre man bei Benutzung eines Handys als Hexe(r) verbrannt worden! Das Handy-Unternehmen heute Mrd. von Dollar wert sind - bedeutet aber nicht, daß mehr Geld da ist !? Doch! Es ist immer genau soviel Geld da, wie die Menschen Dinge im Kopf haben, die ihnen etwas wert sind. Dafür sorgen die Notenbanken. Wenn nicht: gibt es Deflation oder Inflation. Aber diese Probleme sind heute recht gut im Griff.
Dennoch hat dieses Geld eine Eigenschaft von den WERTEN übernommen, die viele Menschen nicht erkennen. Geld ist immer persönlich. Wenn Sie sich also Geld von der Bank leihen oder Geld erben, oder geschenkt bekommen - dann ist es noch nicht IHR Geld. Der Geist braucht sehr lange, dieses „geschenkte“ Geld als Ihr Geld einzustufen. Dieser Fehler hat gravierende Folgen: Solches Geld wird von Ihnen nicht genügend beschützt. Sie verspüren den möglichen Verlust erst, wenn es zu spät ist. Stellen Sie sich einfach vor, Sie würden einen Boxkampf bestreiten und sich dabei die Hände eines anderen leihen. Sie würden dann vermutlich viel zu spät merken, wenn die Finger gebrochen sind – viel zu spät kommt der Schmerz an – viel zu kühn bedient man sich dieser geschenkten Hände.
Also nehmen Sie selbstverdientes Geld – beschützen Sie es wie ein Tiger seine Jungen und investieren Sie es vorsichtig wie ein Kuckuck.
„Alle Menschen sind klug. Die einen vorher, die anderen hinterher!“ Hebräisches Sprichwort
- weiter mit Grundregel 4 siehe unten -
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