Kann es ein erfolgreiches Handelssystem überhaupt geben?
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 01. August 2005 12:00 Uhr
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*** Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema "Seminar / Handelssystem" und "seriöser Anbieter" – Trader's Daily-Leser Leser Chris R. schreibt dazu treffend:
"Ich nehme allerdings an, wenn jemand mit dem System erfolgreich arbeitet, findet er die Firma seriös, wenn jemand damit verliert, bezeichnet er das ganze als unseriös ..."
Meine Überlegung (ich komme damit auf ein Thema zurück, das ich letztes Jahr bereits aufgegriffen hatte):
Kann es ein erfolgreiches Handelssystem überhaupt geben? Und wenn ja – warum nicht?
Sie merken an dieser paradoxen Formulierung: Eigentlich stehe ich Handelssystemen etwas kritisch gegenüber. Und zwar genau denen, die einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind. Auf Dauer können die gar nicht funktionieren, sonst würde ja jeder damit reich werden können Und so funktioniert unsere Welt nun einmal nicht. (Und warum werden solche Handelssysteme eigentlich öffentlich vermarktet, wenn sie doch so gut funktionieren?)
Etwas anderes ist es mit Handelssystemen, die nur einem eng begrenztem Kreis zugänglich sind. Ich setze da unverändert einige Hoffnung in Andreas, einen Informatik-Börsenfreak-Bekannten, der parallel zu seiner Promotion seit einigen Jahren an einem Handelssystem bastelt.
Übrigens "trocken", also ohne eigenen Einsatz. Mit hoher Trefferquote und höchster fachlicher Kompetenz. Und typisch akademisch: Erst wenn das "Backtesting" mit Datenmassen für mehrere Jahre erfolgreich abgeschnitten habe, würde er mir sein System gerne vorstellen.
Also: Wenn es um Handelssysteme geht, dann höre ich lieber auf sympathische Informatik/Statistik/Börsen-"Freaks" (wie Andreas oder auch Adam Lass, ein ebenfalls sehr sympathischer Zeitgenosse) – am liebsten im lockeren Gespräch mit einem Bier in der Hand – als auf aalglatte Investmentbanker oder marktschreierisch auftretende "Gurus".
*** A propos Bier in der Hand: Beim Freitagabend-Bier unterhielt ich mich mit einem ehemaligen Studienkollegen, der jetzt im öffentlichen Dienst ("im Amt") arbeitet. Hoffentlich sind seine Berichte nicht repräsentativ ...
Er berichtete z.B. von einer Kopftuch tragenden Mitarbeiterin, die ein Drittel der Zeit krank gemeldet sei, ein weiteres Drittel der Zeit seien ihre Kinder angeblich krank und sie deshalb abwesend, und das Drittel, das sie da sei, würde sie praktisch ununterbrochen private Telefongespräche führen.
Arbeitsleistung in einem Jahr: Praktisch Null! Als ich ihn fragte, warum er denn da nicht eingreifen würde (als Steuerzahler und Bürger, dem an diesem Staat etwas liegt, regt mich so etwas auf), war seine Antwort sinngemäß: Das bringt nur Ärger, die versteht sich mit dem Personalrat sehr gut, außerdem ist eine Leistungskontrolle nicht vorgesehen. Zudem sei er ja ganz froh, dass es nicht noch schlimmer sei: Denn noch unangenehmer seien ihm die Mitarbeiter(innen), die nicht nur nichts tun, sondern sogar andere von der Arbeit abhalten würden. Sein für mich überraschendes Fazit: Mit der Hälfte weniger Personal würde das Amt erheblich effizienter arbeiten.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Michael Vaupel