Kampf der Bullen und Bären
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 23. Oktober 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Wir erleben gerade ein Gerangel zwischen Bullen und Bären. Dabei geht es hin und her. Mir scheint genau in dem Bereich zwischen 3050 und 3300 ist der Bereich indem sich eine Art Pattsituation generiert hat. Die Bullen wollen sich noch nicht geschlagen geben, aber nach dem starken Anstieg geht Ihnen etwas die Puste aus, während die Bären nach dem ungeordneten Rückzug sich nun wieder sammeln konnten. Die Frage ist wer wird gewinnen. Die Stimmen mehren sich, dass diese Rallye zu Ende sein könnte, das ist gut. Sie wissen ja, wenn zu viele davon ausgehen, wird genau das nicht passieren.
Wie verhält man sich also. Sollte man investiert sein, sichert man sich durch Stopp Loss Kurse ab. Notfalls, wenn man zu früh ausgestoppt wurde, kann man sich bei steigenden Märkten erneut positionieren. Gewinn ist Gewinn. Wenn man noch nicht investiert ist, sollte man genau beobachten was in den nächsten Tagen geschieht. Der nächste Anstieg dürfte sich nicht mehr so explosiv gestalten wie der erste, so dass etwas mehr Zeit bleiben wird um mitzuschwimmen. Ich tippe immer noch auf die Bullen, der deutliche Bruch der 3058 macht mich aber schon etwas skeptischer.
Wenn Sie übrigens nicht wissen, wie es zu den Ausdrücken "Bullen" und "Bären" kam, das ist auch bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine der spannensten Erklärungen ist die, dass während der Zeiten des Goldrausches in Kalifornien Goldsucher Wettkämpfe zwischen Bullen und Bären veranstalteten. Dabei gewann der Bulle, wenn er den Bären mit seinen Hörnern nach oben schleuderte, während der Bär gewann, wenn er den Bullen mit seinen Tatzen nach unten drückte.
Die jedoch etwas unblutigere Geschichte hierzu, scheint die realistischere zu sein: Im 18. Jahrhundert gab es in England erste Spekulanten, die in Hoffnung auf Kursstürze mit Aktien handelten, die sie gar nicht besaßen. Einer Redewendung zufolge verkauften sie das Bärenfell, bevor sie den Bären geschossen hatten. Händler, die also fallende Kurse erwarteten, wurden daher bereits 1719 als "Buyers of a Bearskin" oder "bearskin jobber" (1726) bezeichnet. Kurzform, man weiß ja an den Börsen muss alles schnell gehen: Bär. Leider erklärt diese Theorie nicht ausreichend wie dann der Bulle dazu gekommen sein soll, vermutlich als Analogie: Während der gesenkte Kopf beim Angriff des Bärs nach unten weist und fallende Kurse signalisiert, zeigen die nach oben gerichteten Hörner des Bullen steigende Kurse an.
Verlassen wir diesen kurzen Ausflug in die Börsengeschichte. War also der kurze Ausflug der Bullen nach dem Wochenende eine sogenannte Bullenfalle? Oder folgt nun die erwartete Konsolidierung mit folgend weiter steigenden Kursen. Das wird, wie ich bereits vorige Woche andeutete, davon abhängen wie weit diese Konsolidierung gehen wird. Unter 3058 (auf Schlusskurs) wird es ein wenig heikler, aber erst unter 2775 Pkt werden die Bedenken wesentlich größer. Leider ist der Dax zur Zeit so volatil wie kein andere Indize. Die Trader mag es freuen, als Mittel- bis Langfristanleger kann man schier dran verzweifeln. Diese sowieso hohe Volatilität beeinflusst natürlich auch das "Normalmaß" einer Konsolidierung. Kursab- und aufschläge von 4 % sind mittlerweile Normalität. Dabei berichten Händler dass der Verkaufsdruck eher gering sei, es fehlen in den letzen beiden Tage mehr die Anschlusskäufe.