Kameradschaft der Verdammten
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. Januar 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
An den Märkten war zwischen den Jahren nicht viel los. Ein großer Teil der Investmentwelt ist immer noch wegen der Feiertage zuhause gewesen. Zumindest die Anleger sind zuhause. Die Profis, die Banker beispielsweise, feiern in schicken Ressorts. Sie können es sich leisten. Es war ein großartiges Jahr für den Finanzsektor. Nachdem man fast pleite gemacht hatte, aufgrund der unvorsichtigen Spekulationen, haben die Banker das Geld von den Regierungsvertretern genommen und haben noch ein wenig mehr spekuliert... und dabei gewaltige Profite eingefahren. Die Boni waren für viele von ihnen besser als je zuvor.
Ja, liebe Leser, das Jahr 2009 war ein seltsames Jahr. Es hat seltsam angefangen und es hat auf gleiche Weise geendet. Nachdem es viele Jahre anders war, wurden die Reichen nun plötzlich NICHT mehr reicher. Am Anfang des Jahres wurden sie ärmer, im großen Stile, nachdem der Wert ihrer Aktien sich halbierte... und der Wert der Immobilien um 30% einbrach. Aber dann ist die Regierung eingeschritten und hat sichergestellt, dass zumindest die reichsten der Reichen nicht zu sehr leiden mussten.
Und dann haben auch die anderen Reichen - dank einer natürlichen Erholung und einer weniger natürlichen Menge Geld von den Regierungsvertretern - das Jahr nicht allzu schlecht abgeschlossen. Der FTSE Weltindex hat gestern mit wenigen Punkten Unterschied gegenüber dem Höchstwert von 2009 geschlossen und der amerikanische Markt schloss in der Nähe des Niveaus, auf dem man war, als Lehman in die Pleite ging. Die Anleger standen damit natürlich immer noch ein wenig schlechter da, wenn sie zurück auf den Gipfel im Jahr 2008 blickten. Der Dow ist ungefähr genauso stark eingebrochen wie die Hauspreise - ungefähr um 30% gegenüber dem Gipfel.
Ungenaue Zahlen
Sie werden den Mangel an Präzision in diesen Zahlen erkennen. Ein großer Teil der Finanzpresse zieht es beispielsweise vor, zu sagen, dass der Dow gegenüber dem Gipfel aus dem Jahr 2007 um 31,8% gefallen ist... oder das Kupfer im Jahr 2009 um 42,5% gestiegen ist. Ich meide solche präzisen Zahlen, teilweise weil ich in Mathe noch nie gut war und weil ich zu faul bin, sie nachzuschlagen.... Und teilweise, weil ich denke, dass Präzision in dieser Branche Betrug ist.
Preise und Kurse haben sich schon immer bewegt. Wenn die Leser feststellen, dass Kupfer um 42,5% gestiegen ist, dann ist diese Tatsache bereits Geschichte. Und wenn der Leser dann sein Order zu kaufen verschickt, um von dem Gewinn zu profitieren... dann wurde daraus schon ein Verlust. Mehr noch, es gibt in der gesamten Finanzwelt keine echte Präzision... oder in der Geschichte... oder bei den meisten anderen Dingen. Es passieren Dinge. Es kommt immer ein bisschen anders als man denkt und trifft nie genau die Werte der präzisen Analyse. Die Tatsachen werden nie lange genug innehalten um das zu erlauben. Und häufig stellt sich das, von dem man glaubt, dass man es misst, später als absolute Illusion heraus.... wenn nicht als kompletter Unsinn.
Nehmen wir ein anderes Beispiel: Das Bruttoinlandsprodukt. Wenn die Regierung berichtet, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bei 3,2% liegt... was bedeutet das dann wirklich? Nun, es bedeutet, dass das die Zahl ist, die ihr Bemessungssystem herausgegeben hat. Alles was darüber hinausgeht ist Schlussfolgerung, Raterei und theoretische Hochrechnung. Heißt das, dass der Output" gestiegen ist? Das hängt davon ab, was man als Output" bezeichnet. Bedeutet es, dass die Wirtschaft wächst? Nun, das hängt davon ab, was man als Wachstum bezeichnet.
Was misst das Bruttoinlandsprodukt
Ich werde mit diesem Thema nicht fortfahren. Sie haben eine gewisse Vorstellung. Das Bruttoinlandsprodukt selbst ist eine Fälschung. Es tut so, als würde es die Gesundheit - das Wachstum - einer Wirtschaft messen. Aber es misst eigentlich etwas ganz anderes... das man angemessenerweise als Aktivität" bezeichnen könnte. Ohne tiefer in die Sache zu blicken, weiß man nicht, ob die Aktivität die Menschen reicher macht... oder ärmer.
Und nachdem ich das nun vom Herzen habe... zurück zu den Finanznachrichten.
Ich blicke nach Japan, um noch einmal darüber zu lachen. Gibt es irgendetwas, das so dumm wäre, dass die japanischen Wirtschaftswissenschaftler es noch nicht probiert hätten? Und doch, nach 20 Jahren in denen man versucht hat, die Wirtschaft wieder zum Leben zu erwecken, geht man davon aus, dass das Output des Landes in den 12 Monaten, die im März 2009 enden, um 4,3% schrumpfen wird (wie vom Bruttoinlandsprodukt gemessen).
Aber anstatt aufzugeben und zuzugeben, dass man dem Patienten nicht mehr helfen kann, bleiben die Quacksalber bei der Sache. Eine neue Initiative der Hatoyama-Regierung will sich auf die Schwellenmärkte konzentrieren - die eine Billion Dollar wert sein sollen - in den Bereichen Umwelt, Gesundheitsversorgung und Tourismus.
Ich will einmal eine ganze einfache Frage stellen: Wenn es sich dabei um lebensfähige Märkte handeln würde, warum stürzt sich dann nicht der Privatsektor darauf? Und hier ist eine weitere Frage: Warum sollte jemand glauben, dass die Wirtschaftswissenschaftler der japanischen Regierung besser darin sind, Anlagemöglichkeiten zu entdecken, als die japanischen Geschäftsleute.
Ich bin bei beiden Fragen ratlos.
Doch die Regierungsvertreter sagen, dass diese Initiativen bis 2020 (warum eigentlich nicht bis zum 2.März Mittags im Jahr 2020) 4,76 Millionen neue Stellen schaffen werden (nicht 4,75 Millionen... und auch nicht 4,77 Millionen).
Der Rest der Welt hat in den Neunzigern und den frühen nuller Jahren über die japanischen Wirtschaftswissenschaftler gelacht. Hier auf diesen Seiten gehe ich jedoch davon aus, dass sie nicht dümmer waren als alle anderen auch. Sie haben ganz einfach die übliche seichte Politik verfolgt. Ich habe weiterhin vorhergesagt, dass die amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler das gleiche tun würden, wenn ihre Zeit gekommen wäre. Und jetzt ist ihre Zeit gekommen, und sie tun das gleiche.
Und jetzt verneigen sich die amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler vor ihren japanischen Kollegen... und ich lache über sie alle. Was für ein Haufen von Idioten... jeder einzelne von ihnen.
Doch während die Wirtschaftswissenschaftler noch die Theorien der einfachen Geister verfolgten... haben die Märkte ihre Arbeit verrichtet. Sie haben die japanischen Aktien mindestens zwei Jahrzehnte lang zermalmt. Sie haben sie sogar so sehr zermalmt, dass sie vermutlich nicht mehr wesentlich tiefer werden fallen können. Vielleicht sind die japanischen Aktien heute ein guter Kauf. Vielleicht sind sie das, was ich auf die Kauf-Seite meines neuen Trades des Jahrzehnts schreiben sollte.
Es muss ja noch nicht sofort entschieden werden... geben sie mir noch etwas Zeit, darüber nachzudenken.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Holger Lamberts (11.01. 2010 16:02 Uhr):
Hallo die Herren Dotoren Weiß und Bronner ! Was heißt das... Bruttonationalprodukt ? Etwas mehr las gar nichts könnten sie uns ja vielleicht doch sagen. Z.B.: ob da Gebühren von Ämtern und Gerichten mitgezählt werden, ob es mit dem Umsatzsteuereaufkommen korreliert und wie es sich zu den sogenanten Verbraucherpreisindizies verhält ??? Ich kann z.B. in den Sektoren der berühmten Warenkörbe keine Analogie zu den Sektoren des Umsatzsteueraukommens oder des Bruttonationalproduktes finden. Wie können da sogar Aussagen über das "reale" Wachstum gemacht werden. Ich vermute, das Sie mehr wissen als ich, könnten sie nicht bitte etwas mehr rauslassen ???????? Wenn wir schon nicht wissen was es ist, so muß doch irgendjemand wissen was es vorgibt zu sein !! Danke für Antwort im Wege Ihrer Kapitalschutz Akte. Herlichen Dank von Holger Lamberts
Antworten - Kommentar von Schafranek (13.01. 2010 10:22 Uhr):
Das Lesen Ihrer Artikel ist reine Freude. Und zudem erkennt man die zutreffende Substanz dahinter. Schafranek
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