Kalifornien vs. Mais-Ethanolindustrie!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 23. April 2009, 20:00 Uhr
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Ich persönlich habe ja eine etwas andere Meinung, was die CO2-Geschichte angeht. Aber das tut hier nun wirklich nichts zur Sache.
Abgesehen davon, bin ich noch nie ein Freund der Ethanolgewinnung aus Mais - wie sie in den USA betrieben wird - gewesen. Zum einen, weil ich es schlichtweg nicht für richtig halte Lebensmittel (welche eine grundlegende Funktion für uns als Verbraucher haben) als Brennstoffe zu missbrauchen. Verstehen Sie mich aber bitte nicht falsch: grundsätzlich habe ich Nichts gegen Biosprit, nur sollte er erstens auch unsubventioniert bezahlbar sein und bitte nicht dafür ausschlaggebend, dass wertvolles Ackerland im Angesicht einer stetig wachsenden Weltbevölkerung mit steigendem Verbrauch, aber bei weltweit stagnierenden Ackerflächen, nicht für den Anbau von Lebensmitteln gebraucht, sondern für den Anbau von Kraftstoffen missbraucht wird.
So viel zu meiner Meinung, die offenbar gar nicht so sehr von jener der Offiziellen in Kalifornien abweicht.
Land-Use Changes
Die Offiziellen des California Air Resources Board (CARB), werden heute nicht nur über den Low Carbon Fuel Standard abstimmen, sondern auch darüber, ob bei der Ermittlung der Standards der Mais-Ethanol-Industrie auch die Abholzung der Wälder in den Emerging Markets zuzurechnen ist.
Es ist nämlich so: seit die USA Mais in den Tank kippen sind die Getreidepreise zwischenzeitlich explodiert und selbst nach der Korrektur, dank der Wirtschaftskrise, noch immer auf relativ hohen Levels. Die Mais-Farmer in den USA müssen nun nämlich nicht nur die Bedürfnisse der Lebens- und Futtermittelindustrien decken, sondern auch jene der Ethanol-Industrie.
Mehr Mais wird verbraucht - das bedeutet, dass auch mehr Mais angebaut wird, entweder in den USA oder eben in jenen Ländern, in denen man beispielsweise Regenwälder opfert um neues Ackerland zu erschließen (das Ganze gibt es übrigens auch als ungelöstes europäisches Problem: Stichwort Palmöl, welches wir eben aufgrund der Standards - und weil wir eben doch nicht genügend Raps produzieren -in europäische Tanks kippen müssen, wofür aber in Asien Regenwälder draufgehen.). Das ist das Eine! Das andere ist aber: wenn beispielsweise in den USA mehr Ackerfläche für den Maisanbau verwendet wird, dann mangelt es an anderen Getreidesorten, die dann ebenfalls teurer werden und Farmer in anderen Ländern dazu bringen weitere Flächen urbar zu machen, um dann wiederum jene anderen Getreidesorten anzubauen.
So jedenfalls argumentiert auch das CARB. Und so ist die Idee hinter den so genannten Land-Use Changes folgende: man will nun der Ethanolindustrie die Auswirkungen dieser Veränderungen (z.B. die Energie und damit verbunden die CO2-Emissionen die erst einmal notwendig sind, um neues Ackerland urbar zu machen oder auch das Abholzen der Bäume, die ja eigentlich wiederum zur Reduktion des CO2 beitragen würden) zurechnen.
Und so kommt man dann auf folgende Tabelle:
| Fuel type | Carbon intensity | Carbon intensity (including land-use changes) (inklusive Land-Use Changes) |
| California gasoline{+1} (Anm:Kalifornisches Benzin) | 95.85 | 95.85 |
| Midwest ethanol{+2} (Anm:Ethanol aus dem Mittleren Westen der USA Mais-Ethanol) | 75.10 | 105.10 |
| California ethanol{+3} (Anm:Kalifornisches Ethanol) | 50.70 | 80.70 |
| Brazilian ethanol{+4} (Anm: Brasilianisches Ethanol; Zuckerrohr) | 27.40 | 73.40 |
| Landfill gas (bio-methane){+5} (Anm:organisches Methan) | 11.26 | 11.26 |
{+1} with 10% ethanol (bei 10% Ethanol-Gemisch)
{+2} with some of the plant's power coming from coal (mit einem Teil der Herstellungsenergie aus Kohle)
{+3} with the plant's power coming from natural gas (mit Herstellungsenergie aus Erdgas)
{+4} made from sugarcane and shipped here (aus Zuckerrohr + Transport)
{+5} derived from landfills in California (aus Kalifornischen "Produktionsstätten")
Quelle: San Francisco Chronicle; CARB
Sie sehen also, wenn der Low Carbon Standard heute zusammen mit den Land-Use-Changes durchgewunken wird, ist das ein herber Schlag gegen die Ethanol-Industrie.
Sehen Sie sich nur einmal das Midwest Ethanol an (also Ethanol aus Mais wie er in den großen Anbaugebieten der USA geerntet wird): meine Güte, das Mais-Ethanol weist bei Hinzurechnung der Land-Use-Changes ja sogar höhere CO2-Emissionen auf, als das schlichte zu 90% aus fossilen Brennstoffen bestehende Benzin.
Interessant ist aber, dass selbst ohne Land-Use-Changes-Standard die CO2-Emissionen beim Midwest Ethanol recht hoch sind. Tja, was soll ich sagen: der Anbau von Mais ist eben nicht nur recht kosten- sondern auch Energie- und Düngemittelintensiv (wobei die Herstellung von Düngemitteln selbst schon sehr Energieintensiv ist).
Fazit
Wenn das durchkommt - was ich unter uns gesagt schwer hoffe - dann muss die Ethanolindustrie aber kräftig CO2-Emissionen senken. Fragt sich nur wie viel das kostet, wie lange die USA die Maispanscherei noch subventionieren wollen und wie lange sich das Verbrennen von Mais dann noch lohnt?!
Ein weiterer Punkt, welcher der Ethanol-Industrie Kopfzerbrechen bereiten dürfte ist jener: wenn Kalifornien die Standards als erster US-Bundesstaat durchsetzt, dann dürften eine ganze Reihe weiterer Bundesstaaten nachziehen.
Doch ich möchte hier nicht das Ende der Ethanol-Industrie propagieren (dafür ist sie sowieso zu resistent), allerdings würde ich gerne für ein Umdenken plädieren.
Biokraftstoffe sollten weder partout befürwortet, noch abgelehnt werden - es muss nur der richtige Biokraftstoff sein. Dafür sind Investitionen in die Erforschung von Biokraftstoffen der zweiten, oder noch besser einer dritten und dann vierten Generation unerlässlich. Ob Abfallprodukte, Algen oder Jatropha - diese bedeuten vielleicht eher die Zukunft, als Mais im Tank!
So long liebe Leser...soviel mal fürs Erste dazu...bleiben wir also gespannt auf die heutige Entscheidung des CARB und wie sich die ganze Geschichte in den kommenden Jahren und wohl auch Jahrzehnten weiterentwickeln wird....ich bleibe jedenfalls gespannt und frage mich, ob ich in meinem Aquarium nicht einmal gezielt ein paar Algen zur späteren Spritproduktion züchten sollte ;-)...bis morgen zum Wochenrückblick
Ihre Miriam Kraus