Kagi Charts, mit Ying und Yang näher am Markt
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 3. Juni 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
Nachdem Sie in den letzten Tagen eine Einführung in die Point & Figure (P&F) Technik erhalten haben, nehmen wir Sie weiter mit auf die Reise seltener aber durchaus effektiver Chart-Tools. Viele unserer Leser nutzen die Möglichkeiten ihrer Online-Handelsplattformen nur zu einem geringen Teil aus was sich wohl ändern wird wenn wir Sie heute mit einer weiteren Chart-Methode vertraut machen, die ohne Zeitachse arbeitet.
Sie haben vielleicht bei Ihren P&F Studien bemerkt, dass es durchaus von Vorteil sein kann, die Zeitachse auszublenden. Wie oft erleben wir es, dass uns im Tagesgeschäft der Blick für das größere Bild verloren geht? Wie oft stellen wir uns die Frage, ob es nicht besser wäre den Markt nur dann zu handeln, wenn auch größere Bewegungen zu erwarten sind? Im Minuten-Chart kleine Tagesschwankungen auszunutzen kann sehr lukrativ sein, allerdings erfordert es genauso die volle Aufmerksamkeit und Konzentration des Traders, wie bei einem größeren Trade.
Wäre es dann nicht besser, sich die Märkte und Marktphasen auszusuchen, die größere Kursbewegungen wahrscheinlich werden lassen? Point & Figure, Kagi und Renko Charts verzichten auf eine Zeitachse und liefern Ihnen ein Bild, was sich nur mit der Kursbewegung an sich befasst. Das macht sich vor allem bei der Frage, wo ich meinen Stop-Loss lege, positiv bemerkbar. Nach Möglichkeit sollte der Stopp nicht dort plaziert werden wo all die anderen Trader ihren Stopp legen. Bei den nicht so bekannten Kagi-Charts sind diese Entry- und Exit-Punkte nicht so publik, was einen gewissen Vorteil haben kann.
Noch ein Tipp: In zahlreichen Gesprächen mit technischen Analysten, vor allem mit denen die sich ernsthaft mit Elliott-Waves befassen, höre ich immer wieder, wie wichtig eine Überprüfung der Wellen-Zählung und Analysen mit Renko oder Kagi Charts ist. Denn gerade die Methode nach Elliott steht in dem Ruf, entweder sehr gut zu funktionieren oder aber super schlecht. Weil es kein Mittelmaß zu geben scheint, hat der Handel nach Elliott-Waves an Faszination nichts eingebüßt, ganz im Gegenteil. Um auf ein gutes Ergebnis zu kommen, schwören viele Trader darauf, den Elliott-Count mit Charts ohne Zeitachse zu überprüfen.
Und nun zu unserer Einführung in die Kagi Chart Philosophie
Candlestick Charts sind die besseren Bar Charts und Kagi Charts sind die besseren Point&Figure Charts." schreibt die Analystin Karin Roller auf VTAD-Wiki. Und weiter heißt es: In der Standardeinstellung werden nur Schlusskurse verwendet. Es ist aber auch die Anwendung auf Intraday-Basis möglich. Für die Konstruktion eines Kagi Charts wird zuerst das Reversal festgelegt: Welche Mindestgröße muss die Gegenbewegung haben, damit eine Linie in Gegenrichtung eingezeichnet wird? Das Reversal kann als absolute Zahl oder als Prozentwert vom aktuellem Kurs definiert werden.
Ein Kagi Chart besteht aus vertikalen dicken (= Yang) oder dünnen Linien (=Yin), welche mit horizontalen dicken oder dünnen Linien verbunden sind. Richtung sowie Stärke werden in direkter Abhängigkeit der Preisentwicklung eingezeichnet. Die vertikalen Linien bilden die Kursbewegung in Bewegungsrichtung ab. Solange der Kurs ansteigt oder fällt, wird die vertikale Linie auf das Schlusskursniveau verlängert. Ändert sich die Bewegungsrichtung und wird die vorher festgelegte Reversalgröße überschritten, wird eine neue vertikale Linie in Gegenrichtung eingezeichnet. Die beiden Linien werden mit dem horizontalen Haken" verbunden. Punkt 2 (rot) zeigt ein Verkaufssignal und Punkt 1 (grün) zeigt das Kaufsignal.