Kaffeepreis ist explodiert – was ist da los?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 29. Juni 2010, 12:00 Uhr
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Also das wird mir langsam etwas suspekt.
Nun sehen wir es auch bei den Rohstoffen, dass die Preise teilweise nicht mehr von „physischem Angebot und physischer Nachfrage" bestimmt werden...sondern von spekulativer Nachfrage.
War zu einem gewissen Grad schon immer so. So listen z.B. die amerikanischen Börsen auf, welcher Anteil am Handel mit den Rohstoff-Futures auf
1. „die Kommerziellen" (Stellen, welche die Rohstoffe wirklich benötigen oder liefern)...
2. „die großen Spekulanten" (Hedgefonds, Pensionsfonds, Investmentfonds)...
3. „die kleinen Spekulanten" (letztlich sind wir das auch)...
...entfallen.
Wieso ich auf dieses Thema komme:
Letzte Woche ging der Kaffeepreis so durch die Decke, dass einem als Rohstoff-Trader fast schwindlig wurde.
Der Kaffeepreis erreichte eine Höhe, die schon Nasenbluten verursacht: Innerhalb weniger Tage stieg er um 25% auf ein 12-Jahres-Hoch!
Anlass waren schlechte Ernten besonders in Kolumbien, einem Anbieter von Arabica Kaffee.
Insbesondere die Gruppe der „großen Spekulanten" stieg daraufhin massiv ein, d.h. ging bei Kaffee Futures „long".
Der steigende Kaffeepreis ließ die „Kommerziellen" (alte Hasen, die wissen, dass der jetzige Kaffeepreis-Anstieg ungerechtfertig ist) eher verkaufen. Doch aus New York lese ich, dass die schiere Stärke der Fondskäufe diesen Druck auf die Preise durch die Verkäufe der Kommerziellen mehr als ausgeglichen hat. Mit dem Kaffeepreis ging es kräftig nach oben.
Dabei weiß jeder, der sich mit den Fundamentals auseinandersetzt, dass die Saisonalität nun kräftig gegen den Kaffeepreis spricht: Denn diesen Monat hat im wichtigen Kaffee-Anbauland Brasilien die Ernte begonnen. Die geht nun richtig los, es wird massig Angebot auf den Markt kommen. Das US-Landwirtschaftsministerium hat in einer Schätzung eine sehr gute Ernte in Brasilien prognostziert, Plus von 20% gegenüber dem Vorjahr wahrscheinlich.
Spielte letzte Woche aber überhaupt keine Rolle, der Kaffee-Preis explodierte.
In so einer Situation rate ich, sich in erster Linie nach den Fundamentals zu richten. Dies tun meistens auch die Kommerziellen. Ich orientiere mich deshalb auch an denen.
Und diese nutzen den Preisanstieg bei Kaffee eher zu Verkäufen.
Ergo rate ich, bei Kaffee vielleicht mal einen Schein anzuschauen, der von einem Rückgang des Kaffeepreises profitiert.
(Konkrete Empfehlung darf ich hier nicht geben, Sie wissen es. Bei meinen Rohstoff Signalen ist natürlich längst ein entsprechender Schein im Depot.)
Mit herzlichem, bei dem Wetter nicht Koffein-haltigem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von R Weyers Berlin (29.06. 2010 12:17 Uhr):
Nun, Arabica ist tatsächlich extrem hoch, aber Robusta ist von alten Höhen weit entfernt. Da muss man etwas differenzieren. Für Robusta bin ich noch bullish, da sollte es noch Luft nach oben geben. Oder nicht?
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