Kaffeenachfrage
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 22. September 2006 20:45 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
gehören auch Sie zu den Menschen welche morgens erst einmal eine richtige Tasse Kaffee benötigen um in den Tag zu starten ? Ich bekenne mich hiermit zum Kaffee – Süchtigen. Ein halber Liter Kaffee pro Tag; das ist mein Durchschnittsverbrauch.
Ich bin nicht alleine
Die Nachfrage nach Kaffee, besonders in den Industrieländern, allen voran Europa und die USA ist derart unverändert hoch, dass allein in diesem Jahr eine weltweite Nachfrage von 115 Millionen Sack erwartet wird. Ein Sack Kaffee entspricht 60 Kilogramm.
Ich glaube, dass allein die Nachfrage aus den Industrienationen , hier vor allem Japan, dass erst vor einigen Jahren vom klassischen Teekonsum auf den Kaffeekonsum überschwenkte, und sich gegenwärtig, zusammen mit Frankreich und Italien Platz 3 der Weltnachfrage teilt, noch weiter steigen könnte.
Einige Analysten gehen davon aus, die Nachfrage in Deutschland und den USA habe bereits das höchste Limit erreicht. Sie begründen dies mit der demographischen Entwicklung in den westlichen Gesellschaften und glauben, dass ebenjene Gesellschaften gleichzeitig hohe Einkommenseinschnitte hinnehmen müssen. Diese Begründung kann ich nicht als Indikator für eine sinkende Nachfrage nach Kaffee unterstützen.
Vielmehr glaube ich, dass gerade dann Kaffee zum Luxusartikel für jedermann wird. Jenes leicht süchtig machende Getränke, welches der Durchschnittsbürger benötigt um sich schliesslich noch als Mensch zu fühlen. Ich möchte im höheren Lebensalter nicht auf eine gute Tasse Kaffee verzichten müssen……und meine Enkel werden dies dann sicher auch nicht wollen. Schliesslich, so könnte man als Argument aufführen, hat der Zigarettenkonsum innerhalb einer Gesellschaft auch in Zeiten von Rezessionen und Verwirrungen nie grosse Einbrüche erlebt. Eher noch ist der Konsum, gerade in solchen Zeiten angestiegen, denn der Mensch benötigt schliesslich etwas woran er sich festhalten kann, was ihm grundsätzlich vertraut ist und somit Sicherheit und Geborgenheit bieten kann.
Nachfrage in Osteuropa
Die Industrie hofft vor allem auf eine steigende Nachfrage in Osteuropa und vor allem in Russland. Die russische Nachfrage wächst pro Jahr um 13 %. Bisher konsumiert Russland etwa 3,4 Millionen Sack, das entspricht einem Weltmarktanteil von 3,2 %.
Sie sehen selbst liebe Leser, hier liegt noch ein enormes Wachstumspotenzial.
Russland konsumiert vor allem Instant – Coffee, etwa 90 % des in Russland konsumierten Kaffees ist Instant – Pulver.
Nun versucht die Industrie offensiv die Vorzüge eines qualitativ hochwertigeren frisch aufgebrühten Kaffees zu demonstrieren.Die Installation von Kaffeehäusern um die Lust der Kunden auf frischen Kaffee zu wecken, denn frischer Kaffee bedeutet „Life Style“, bedeutet Anpassung an den westlichen Lebensstil, ist „en vogue“ wird die Nachfrage in Russland enorm steigern.
Überdies wächst ebenfalls die Nachfrage in den anderen osteuropäischen Ländern wie Bulgarien, Rumänien und der Ukraine. Dort liegen die jährlichen Wachstumsraten seit 2000 teilweise bei über 40 %.
Nachfrage in China
Die Chinesen gewöhnen sich als traditionelle Teetrinker eher langsamer an den Genuss von Kaffee. Dennoch stehen hier 1, 5 Milliarden potenzielle Kunden bereit, trotz eines momentan noch vergleichsweise geringen Anteils am Weltmarktverbrauch von unter 0,1 %. Doch das Beispiel Japans, welches zuvor als Land der ausschliesslich überzeugten Teetrinker galt und heute weltweit auf Platz Drei der Konsumentenländer liegt, gibt Anlass zur Hoffnung.
Das Unternehmen Starbucks zum Beispiel, welches weltweit etwa 15 000 Kaffeehäuser besitzt, engagiert sich gegenwärtig massiv auf dem chinesischen Markt. Das Unternehmen bietet dem chinesischen Kunden verschiedene Anreizmöglichkeiten und lockt so den traditionsbewussten Chinesen zunächst einmal eher mit verschiedenen Teesorten in die Filiale, bevor es zum Konsum von Kaffee überredet.
Überdies versucht der weltoffene Chinese seine Anpassungsfähigkeit unter Beweis zu stellen indem er den europäischen und amerikanischen Kunden den allseits beliebten Kaffee nicht nur anbietet, sondern eben auch selbst zu sich nimmt. Kaffee ist „in“….
So verwundert es wenig, dass in Shanghaier Büros die Kaffeemaschinen wie Pilze aus dem Boden schiessen. Der chinesische Markt gestaltet sich als interessant……..die Entwicklung wird weiter fortschreiten…..dann heisst es zum richtigen Zeitpunkt die richtige Investition zu tätigen.Ich werde sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.