Kaffee-Update
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 22. März 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
Als eifriger Daily-Leser wissen Sie ja bereits, dass ich heute nicht zum ersten Mal über Kaffee schreibe. Meine Erstprognose für diese Saison stammt vom Januar letzten Jahres, Updates erfolgten dann im Mai und Dezember.
Zur besseren Erinnerung möchte ich Ihnen noch einmal ein paar Auszüge aus den betreffenden Ausgaben vom 27. und 28. Januar, sowie vom 20. Mai und 15.Dezember 2009 vorstellen:
"Arabica-Kaffee: noch deutliches Erholungspotenzial
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Ich werde mich heute lediglich dem Arabica-Kaffee widmen, da ich davon ausgehe, dass dieser ein deutlich höheres Preiserholungspotenzial für 2009 aufweist.
Seit Ende 2008 haben die Arabica-Preise bereits zu einer ersten Erholung angesetzt, nachdem der Preis seit Anfang 2008 von seinem Hoch bei 1,65 USD pro Pfund zunächst stark abgegeben hatte.
Natürlich wird die Preisentwicklung auch durch die Korrelation zu anderen Agrarrohstoffen, der USD-Entwicklung und grundlegend auch Inflationssorgen, die Investoren nach anlagen zur Absicherung Ausschau halten lassen beeinflusst. Doch ich möchte an dieser Stelle vor allem auf die fundamentale Betrachtungsweise dieses Marktes eingehen.
ICO prognostiziert Angebotsdefizit für 2009/10
Die Internationale Kaffeeorganisation (ICO) geht in ihrem Dezember-Bericht bereits von einem Angebotsdefizit für 2009/10 aus.
Ähnlich wie die USDA geht auch die ICO von einem weiter steigenden weltweiten Konsum in 2009 aus. Wirtschaftskrise hin oder her!
Die ICO prognostiziert für 2008 einen weltweiten Verbrauch von 128 Millionen Sack (ein Sack entspricht 60 kg Kaffee). Für 2009 prognostiziert die ICO einen weltweiten Verbrauch von 132 Millionen Sack.
In ihrem Dezemberbericht prognostiziert die ICO eine weltweite Produktion von 132,5 Millionen Sack für 2008/09.
Für 2009/10 allerdings sieht die ICO, ähnlich wie die meisten Analysten einen deutlichen Produktionsrückgang aufgrund der rückläufigen Produktion in Brasilien. Nestor Osorio, Geschäftsführer der ICO gab im Dezember in einem Bloomberg-Interview an die weltweite Kaffee-Produktion in 2009/10 könne bis auf 125 Millionen Sack zurückgehen.
Der Faktor Brasilien ist ausschlaggebend
Anfang Januar 2009 gab die brasilianische Regierung eine Ernteschätzung für 2009 bekannt, wie sie bullischer nicht sein könnte. Brasilien prognostiziert einen deutlichen Produktionsrückgang von 51,1 Millionen Sack in der vergangenen Saison auf 37,8 Millionen Sack in 2009. Damit lag die Prognose deutlich tiefer als angenommen. Der Konsens war zuvor noch von einem Rückgang auf nur 41 Millionen Sack ausgegangen.
Betroffen ist in diesem Zusammenhang vor allem die Arabica-Ernte die rund zwei Drittel der gesamten Kaffee-Produktion Brasiliens ausmacht. Man geht davon aus, dass die brasilianische Arabica-Produktion in 2009 um etwa 24% einbrechen dürfte. Für die brasilianische Robusta-Produktion wird dagegen ein eher moderater Rückgang um 500.000 Sack prognostiziert.
Brasilien ist im Übrigen der größte Arabica-Produzent der Welt.
Zwei Gründe führen zur stark rückläufigen Produktion:
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Der "off-year" Effekt
Es mag sich wie ein interessantes Phänomen anhören, doch Arabica-Kaffee tragende Bäume benötigen im Grunde jedes zweite Jahr ein so genanntes off-year" oder besser ausgedrückt ein Jahr der Produktionsruhe. Genau dies ist in 2009 der Fall und wird einen Großteil der Ernte betreffen.
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Die Kreditkrise
Ja auch sie wieder! Auch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise trägt zum Produktionsrückgang bei (und betrifft auch in moderater Form die Robusta-Produktion). Restriktivere Kreditbedingungen erschweren es den Farmern zunehmend die nötigen Finanzmittel für Investitionen in zum Beispiel Düngemittel oder Schädlingsbekämpfung aufzubringen.
Und so trifft ein Produktionsrückgang auf eine kontinuierliche wachsende Nachfrage bei gleichzeitig niedrigen Lagerbeständen. Da ist es was Arabica-Kaffee gegenwärtig so interessant macht!
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Mittlerweile kann davon ausgegangen werden, dass insbesondere die brasilianische Arabica-Produktion in diesem Jahr stark rückläufig sein wird. Diesen Aspekt hat die USDA in ihrer Dezember-Schätzung noch nicht vollumfänglich berücksichtigt, da die brasilianische Regierung ihre diesbezügliche Prognose erst am 8. Januar 2009 herausgegeben hat. Aufgrund dessen dürfte die ICO-Schätzung der Realität ein gutes Stück näher kommen. Zählt man die weiterhin kontinuierlich wachsende Nachfrage und insbesondere das niedrige Endbestandslevel hinzu (obwohl die USDA bereits im Dezember angibt, dass die stocks to use ratio bei 29% ein historisch enges Verhältnis aufzeigt, könnten diese Daten im Laufe der Zeit noch einmal nach unten korrigiert werden), ergibt sich in meinen Augen noch weiteres Erholungspotenzial für Arabica-Kaffee."
Dies sind die Auszüge vom Januar, damals stand der Kaffeepreis bei 1,21 USD pro Pfund!
Auszug vom Mai:
"Wie viele Rohstoffe haben auch die Kaffee-Preise eine ganze Zeit lang unter den schwachen Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung der Weltwirtschaft gelitten.
Doch am 1. Mai schloss Juli-Arabica-Kaffee über seinem 125-Tage-GD und auf dem höchsten Preislevel innerhalb von 3 Wochen. Ein beeindruckendes erstes Zeichen der Stärke!
Die fundamentale Ausgangslage ist hervorragend für ein Umfeld steigender Preise und auch die Nachfrage von Seiten der Fonds zieht wieder an."
Damals notierte der Kaffeepreis bei 1,33 US-Dollar pro Pfund!
Kommen wir zum Dezember:
Am 15.Dezember war der Preis auf ein 15-Monats-Hoch bei 1,49 US-Dollar pro Pfund gestiegen!
Damals schrieb ich:
"Wie bereits gesagt hat der Preis heute ein 15-Monats-Hoch bei 1,494 US-Dollar pro Pfund erreicht. Seit Anfang des Jahres schaukelt sich der Preis - sicher mit hoher Schwankungsbreite, aber dennoch kontinuierlich - immer weiter nach oben. Dass sich der Preis noch immer deutlich über dem 125-Tage-GD bewegt, ist weiterhin ein Zeichen von Stärke und deutet mittelfristig durchaus auf weitere neue Highs hin. Zwischenzeitliche, auch gerade stärkere Rücksetzer aber könnten sich folglich als günstige Gelegenheit anbieten."
Und heute?
Sehen wir uns die aktuelle Preisentwicklung im 2.Teil an...