Kaffee: Defizit in 2009/10
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 23. März 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
heute wollen wir uns noch ein wenig eingehender mit der aktuellen fundamentalen Ausgangslage im Kaffeemarkt beschäftigen.
Gestern haben wir uns im Update ja schon ein wenig mit den Kaffee-Daten vom letzten Jahr beschäftigt. Die Internationale Kaffeeorganisation hatte bereits sehr früh im vergangenen Jahr ein Defizit für 2009/10 prognostiziert. Mit ein Grund dafür war der so genannte off-year-Effekt in Brasilien - also die geringeren Erträge in 2009.
Erntejahr 2009/10 - Kaffeemarkt im Defizit
In ihrem Bericht vom Februar geht die Internationale Kaffeeorganisation für das Erntejahr 2009/10 von einer weltweiten Gesamtproduktion in Höhe von 123,1 Millionen Sack (ein Sack entspricht 60 kg) aus. Das entspricht einem Rückgang von rund 5 Millionen Sack gegenüber dem angenommenen Produktionsvolumen für 2008/09.
Für Brasilien, den weltweit größten Kaffeeproduzenten, geht die Internationale Kaffeeorganisation für 2009 von einem Rückgang in Höhe von rund 6,5 Millionen Sack aus, gegenüber dem Vorjahr. Aber auch Kolumbiens (2.größter Arabica-Produzent) Produktion lässt seit 2 Jahren zu wünschen übrig und liegt nach Schätzungen der Internationalen Kaffeeorganisation in 2009 rund 3 Millionen Sack unter dem Niveau von vor 2 Jahren.
Gleichzeitig aber, steigt der Verbrauch weltweit wieder deutlich an!
Die Internationale Kaffeeorganisation geht für 2009 von einem Verbrauch in Höhe von 132 Millionen Sack aus und prognostiziert für 2010 einen Verbrauch in Höhe von rund 134 Millionen Sack. Somit erwartet die Organisation für 2010 ein massives Defizit in Höhe von 11 Millionen Sack.
Exporte rückläufig
Seit Beginn des Kaffeejahres im Oktober 2009 schlagen sich die schwächeren Ernten bereits im Export nieder. Kolumbien, das seine Ernte etwa im September und Oktober einfährt, verzeichnet, der Internationalen Kaffeeorganisation zufolge, von Oktober bis Januar Exporte von rund 2,5 Millionen Sack Arabica-Kaffee. Das entspricht einem Rückgang in Höhe von 30% gegenüber der Vorjahresperiode.
Und auch die brasilianischen Arabica/Robusta-Exporte zeichnen in der gleichen Zeitperiode um 10% rückläufig, aufgrund des Produktionsrückgangs in 2009.
Lagerbestände auf 7-Jahres-Tief
Aufgrund der schwachen Ernten in Brasilien und Kolumbien in 2009 (und im Falle Kolumbiens auch 2008) befinden sich die Arabica-Lagerbestände in New York mittlerweile bereits auf einem 7-Jahres-Tief.
Dieser Umstand wirkt umso schwerer, wenn man in diesem Zusammenhang das aktuelle Preisniveau betrachtet. Denn sollten die Kaffee-Preise sich nicht deutlich erholen, ist wohl mit weiteren Stützungskäufen von Seiten der brasilianischen Regierung zu rechnen, die das Angebot weiter verknappen würden. Bereits im vergangenen Juli hatte die brasilianische Regierung bekannt gegeben rund 1 Million Sack mittels Auktion auf dem heimischen Markt aufkaufen zu wollen. Am 4.Dezember gab die Regierung dann schließlich bekannt, bis zum nächsten Juli weitere 10 Millionen Sack aufkaufen zu wollen, um sowohl die Preise, als auch damit vornehmlich die heimischen Kaffeebauern zu unterstützen.
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