JPY – Interventionsrisiko wächst nach Amtswechsel
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 8. Januar 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
zunächst einmal möchte ich Sie alle ganz herzlich im Neuen Jahr begrüßen! Ich danke Ihnen für treue Leserschaft und freue mich auf ein weiteres gemeinsames Jahr mit Ihnen und den Devisen-Märkten.
Amtswechsel in Japan rückt Interventionsrisiko in den Fokus
Nach dem Rücktrittsgesuch des japanischen Finanzministers Hirohisa Fujii, hat nun Vize-Regierungschef Naoto Kan dessen Nachfolge angetreten.
Frischen Wind bedeutet das allemal, denn Kan machte gleich zu Beginn seiner Antrittsrede eines deutlich: eine allzu starke Währung wird er nicht dulden. Während Fujii sich bislang - ich sage einmal - aus den Devisenmärkten größtenteils heraus gehalten hat, ist es für Kan dagegen unumgänglich dass der Staat in bestimmten "Notfallsituationen" eingreift.
Fujii hatte einem schwächeren Yen offenbar nur wenig Wert für die Gesamtwirtschaft abgewinnen können, Kan gab dagegen gestern in Tokyo an, er favorisiere durchaus noch eine weitere Abschwächung der japanischen Währung. Der japanische Yen hat seit dem 14-Jahres-Hoch im November mittlerweile bereits 9% verloren.
Marktteilnehmer zeigen sich nicht sonderlich beglückt über die fehlende Toleranz des neuen Finanzministers gegenüber einem starken Yen, vermuten zudem nun eine weniger disziplinierte Haltung in Sachen Haushaltsdisziplin.
Zumindest ist aber das Interventionsrisiko nun mit dem Amtswechsel deutlich gestiegen. Die Bank of Japan hatte das letzte Mal in 2003 und 2004 im Devisenmarkt interveniert. Damals verkaufte die Notenbank rund 20,4 Billionen Yen in 2003 und weitere 14,8 Billionen in den ersten drei Monaten des Jahres 2004.
Japans Wirtschaft - hohe Exportabhängigkeit
Ich muss allerdings zugeben, dass ich Kan durchaus verstehen kann. Ein starker Yen belastet vornehmlich Japans Exporteure. Doch Japans Exportwirtschaft trägt zum größten Teil zur beginnenden Erholung bei. Der Großteil des 1,3%igen Wachstums im 3.Quartal 2009 geht auf das Konto der Exportwirtschaft. Es ist die Erholung der Nachfrage im asiatischen Ausland, welche Japans Industrieproduktion wieder ankurbelt.
Dagegen stockt das Inland nach wie vor und leidet unter sinkenden Löhnen und Deflation. Japans Einzelhandel befindet sich seit 15 Monaten auf Talfahrt.
Ob sich nun die neue Politik als richtig erweisen wird und ob, wann und wie Interventionen stattfinden werden, wird sich zeigen.
USD/JPY jedenfalls zeigte erste Reaktionen auf den Amtswechsel und konnte gestern bis auf 93,44 steigen. Aktuell notiert USD/JPY bei 93,26. Die 93,29 fungiert aktuell als erste leichte Widerstandszone. Zwischenzeitliche Korrekturbewegungen bis in Richtung der 92,83 sind durchaus möglich, obgleich der übergeordnete Aufwärtstrend intakt bleibt. Der nächste wichtige Widerstand ergibt sich bei 94,72.
Quelle: CFX-Broker
