Journalisten im Feuer der US Truppen
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 08. April 2003 18:00 Uhr
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Heute haben US-Truppen das Journalisten-Hotel "Palestine" in Bagdad angegriffen. Es gab Verletzte und zwei Kameramänner kamen ums Leben. US-Panzer hatten eine Granate in den 15. Stock des Hotels gefeuert. Die Soldaten begründeten diesen Angriff damit, dass sie aus dem Hotel heraus beschossen worden seien.
Dann wurden auch noch Büros der arabischen Fernsehsender EL Dschasira und Abu Dhabi TV bei US Luftangriffen getroffen. Dabei wurde ebenfalls ein Kameramann getötet. Zwei Raketen hätten das Gebäude völlig zerstört. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte, dass er sich nicht vorstellen könne, dass es sich hierbei um einen gezielten Angriff auf El Dschasira gehandelt haben könnte. Hintergrund: Der Cherfredakteur von El Dschasira, Ibrahim Hilal, hatte berichtet, dass vor diesem Angriff das Gebäude zweimal von einem Flugzeug in niedriger Höhe überflogen worden sei.
Insgesamt sind nun mindestens neun Journalisten seit Beginn des Krieges getötet worden. Darunter auch ein Deutscher: Der Focus-Redakteur Christian Liebig.
Der internationale Journalistenverband hat den USA und dem Irak Kriegsverbrechen vorgeworfen und will die Angriffe von unabhängiger internationaler Seite untersuchen lassen.
Der Krieg wird von Tag zu Tag "schmutziger". Oder meine ich das nur? Der Irak berichtet von über 1000 Toten. Wenn ich mir die heutigen Bilder der Kämpfe anschauen, ist der Widerstand doch heftiger als am Wochenende noch angenommen. Die Börsen quittieren diesen Verlauf wieder mit Kursabschlägen.
Aber auch Saddam Hussein selbst war mal wieder Ziel eines Angriffs der Amerikaner. Die CIA gab den US-Truppen einen entscheidenden Hinweis: Saddam Hussein solle sich mit seinen Söhnen in einem bestimmten Gebäude aufhalten. 45 Minuten später fielen fünf 907 Kg schwere, Bunker brechende Bomben auf das Gebäude. Es wurde dabei völlig zerstört. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob sich Saddam Hussein wirklich in diesem Gebäude aufgehalten hat. Nach Aussagen von Beamten aus dem Pentagon, sei dies "sehr wahrscheinlich". Ich bin gespannt.
Basra ist nun wohl endgültig eingenommen. Die Briten meldeten, dass die humanitäre Lage in Basra nicht dramatisch sei.
Osama Bin Laden hat sich anscheinend auch mal wieder gemeldet. Ein neues Tonband ist aufgetaucht, auf dem angeblich seine Stimme zu hören ist. Auf diesem Band sei zu hören, dass es die Pflicht aller Muslime sei, auch die arabischen Regierungen anzugreifen, die den Irak-Krieg unterstützen. Gesondert genannt wurde Pakistan, Afghanistan, Bahrain, Kuwait und natürlich Saudi-Arabien. Weiter sagte die Stimme, dass die USA den Irak angegriffen hätte und bald den Iran, Saudi Arabien, Ägypten und den Sudan angreifen würden. Bis jetzt wurde noch nicht eindeutig geklärt, ob es sich bei dem Band tatsächlich um die Stimme Bin Ladens handelt.
Sicherlich auch auf Drängen von Tony Blair hat George W. Bush nun verkündet, dass die Vereinten Nationen eine wichtige Rolle in der Nachkriegsordnung für den Irak bekommen sollen. So sei für den Aufbau des Irak "die Unterstützung und die Kompetenz der internationalen Gemeinschaft nötig." Die Regierungsgeschäfte werden sobald wie möglich in die Hände einer Interimsregierung abgeben. Wie schnell dies nach einem Kriegsende geschehen soll wurde jedoch nicht gesagt.
Was macht der Dax? Er gibt natürlich ein paar Prozentpunkte (–1,87 %) von dem gestrigen Gewinnen ab. Ein Grund dafür ist auch der gestrige Verlauf der amerikanischen Börsen. Der Dow scheiterte an dem letzten Hoch von Anfang März bei 8522 Punkten. An dieser Marke bildete er ein Umkehrsignal, indem er nahezu alle Gewinne des Tages zum Schluss hin wieder abgab. Der Nasdaq100 startete hoch und fiel tief. Keine gutes Zeichen. Es sieht alles danach aus, dass zunächst Shorteindeckungen den Markt nach oben getrieben haben und es dann zu keinen Anschlusskäufen kam. Daraufhin haben viele Trader ihre Positionen wieder verkauft, um sie nicht über Nacht halten zu müssen. So dürfte es zu diesen Gewinnabgaben zum Schluss hin gekommen sein.
Im Moment bleibt es schwierig, Prognosen abzugeben. Doch eins kann man nun feststellen: Wenn der Dow die 8522 Punkte und der Nasdaq100 die 1100 Punkte brechen kann, dann sollte es weiter nach oben gehen. Alles hängt natürlich vom weiteren Verlauf des Irakkriegs ab. Sollte Saddam Hussein tatsächlich tot sein, könnte das zu einem weiteren Kursfeuerwerk führen. Verschärfen sich jedoch die Kampfhandlungen, können die Indizes auch wieder schnell wegbrechen.
Eine kleine aber interessante Meldung am Rande: Die Ölanlagen im Süden des Iraks sind gesichert. Es kam zum Glück nicht zu größeren Sabotageakten und vielen brennenden Ölquellen. Aber: Experten sind erstaunt darüber, in welchem schlechten Zustand sich die Ölanlagen befinden. So wird wohl kaum der Aufbau des Irak mit eigenem Öl finanziert werden können. Die Anlagen sind veraltet und kaum zu gebrauchen.
Zum Schluss noch etwas Betrübliches: Mit großer Verwunderung habe ich in einem Spiegel-Online Artikel gelesen, dass gerade die Fondsgesellschaft DWS anscheinend heftig rumgetrickst habe, um in der turbulenten Zeit ein besseres Rating zu erreichen. DWS galt eigentlich bisher als einer der solidesten Fondgesellschaften. Es sah immer so aus, als würden Top-Fondmanager wirklich gute Arbeit machen. Das nun viel dieser "guten Arbeit" auf Tricksereien zurückzuführen sei, wirft natürlich kein gutes Bild auf Fonds generell. Dass nach all den Skandalen die Anleger immer noch ausgetrickst werden, ist mehr als betrüblich und lässt vermuten, dass noch einiges andere auf uns zukommt.